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30 Stunden arbeiten bei vollem Gehalt? Die nächste Firma hat es ausprobiert und bleibt dabei

30 Stunden arbeiten und denselben Lohn bekommen als würde man Vollzeit arbeiten? Was sich für viele wie ein Traum anhört, ist für andere Realität. Vor allem in Zeiten der Pandemie gab es Anlass über das herkömmliche Arbeitszeitmodell nachzudenken. Bestimmte Firmen haben daran bereits etwas geändert. So auch ein kanadisches Unternehmen aus Ontario. Das Ergebnis: zufriedenere und effizientere Angestellte.

In letzter Zeit häuften sich die Meldungen über Firmen, die ein alternatives Arbeitsmodell einführen: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekommen den vollen Lohn für eine geringere Arbeitszeit. Im Oktober 2020 entschied sich auch das kanadische Start-up Recruiting Unternehmen „The Leadership Agency“ für diesen Weg. Anstatt der regulären 5-Tage-Woche arbeiten die Beschäftigten nur noch von Montag bis Donnerstag.

Beschäftigte entlasten: Firma reduziert Arbeitszeit

Die Hintergründe, die die Firma zu dieser Entscheidung bewegten, waren vor allem die Gesundheit und Zufriedenheit der insgesamt neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In einem Interview mit CTV News, berichtet Chefin Jamie Savage, dass sie während der Pandemie eine zunehmende Erschöpfung unter ihren Angestellten beobachtete. Denn die Überstunden wurden mehr und das Abschalten nach getaner Arbeit wurde zur Herausforderung. Firmenchefin Savage wollte dem entgegenwirken. Deshalb reduzierte sie die Arbeitszeit, um ihre Angestellten zu entlasten. Der Lohn und die Anzahl der Urlaubstage blieben gleich hoch.

Welche Ergebnisse brachte die 4-Tage-Woche?

Elizabeth Tufegdzich, eine der Mitarbeiterinnen, spricht im CTV Interview von den Effekten der Umstellung. Sie habe das Gefühl, dass sie ihre Freizeit besser nutzen kann und somit auch wieder mehr Energie für den Job hat. Dadurch gelinge die Arbeit jetzt effizienter und gelassener. Trotz geringerer Stundenanzahl bleiben auch die Ergebnisse gleich gut. Wirtschaftliche Interessen gab es bei dem kanadischen Projekt ursprünglich nicht. Dennoch hat sich die 4-Tage-Woche nicht negativ auf die Firma ausgewirkt: Die Produktivität blieb gleich.

Savage ist von ihrer Umsetzung so überzeugt, dass sie das Modell auch anderen Firmen empfehlen würde. Ob ihr eigenes Unternehmen denn je wieder zur 5-Tage-Woche zurückkehren wird? „Wenn uns jemand fragen würde, ob die Leadership Agency jemals wieder zurück zur 5-Tage-Woche gehen würde, ist die Antwort einfach. Nein. Und fragt uns nicht noch mal!“

Isländische Studie und österreichischer Vergleich

Eine Studie aus Island die von 2015 bis 2019 mit insgesamt 2500 Teilnehmern durchgeführt wurde, zeigt ähnliche Ergebnisse. Die Teilnehmer waren weniger gestresst, glücklicher und konnten dieselbe Produktivität oder sogar noch mehr als zuvor an den Tag legen.

In Österreich gilt die Firma E-Magnetix, ein Online-Marketingunternehmen, als Vorreiter. Das oberösterreichische Unternehmen führte 2018 die 30-Stunden Woche ein, um neue qualifizierte Arbeitskräfte anzulocken. Der Verantwortliche und Chef der Firma Klaus Hochreiter (https://kontrast.at/30-stunden-woche-unternehmen-emagnetix/) bereut diese Entscheidung bis heute nicht. Auch seine Mitarbeiter*innen sind äußerst zufrieden mit dem Modell.

Juliana Petuely

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