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Arbeitnehmer:innen sollen springen, wenn die Firma sie braucht. Denn „Arbeitszeitflexibilisierung“ richtet sich meist nach den Bedürfnissen der Unternehmen. Was aber, wenn Beschäftigte mehr Zeit für sich selbst oder ihre Familien benötigen? Dann ist meistens Schluss mit der Flexibilität. Dabei liegen moderne Arbeitszeitmodelle auf dem Tisch: Sie bringen Familie und Job unter einen Hut, sorgen für mehr Freizeit und gerechtere Verteilung der Arbeit.
Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahrzehnten extrem verändert. Wir arbeiten flexibler. Das klingt gut, hat aber einen Haken: Wie diese Flexibilität ausschaut, richtet sich weitgehend nach den Wünschen und Bedürfnissen der Arbeitgeber:innen. Was Arbeitnehmer:innen brauchen, kommt zu kurz.
Dabei liegen Konzepte auf dem Tisch, mit denen die Arbeitszeit besser zur jeweiligen Lebensphase passt: Gründe ich gerade eine Familie und brauche Zeit für meine Kinder? Habe ich gerade keine Verpflichtungen und will mich voll auf die Arbeit konzentrieren? Muss ich Verwandte pflegen? Stehe ich kurz vor der Pensionierung und will – oder muss – leiser treten? Oder will ich einfach nur mehr Zeit für mich und mein Leben? All das funktioniert mit zeitgemäßen Arbeitszeitmodellen. Es geht um flexiblen Wechsel zwischen Teil- und Vollzeit, aber auch um Arbeitszeitverkürzung und mehr Urlaub.
Bei Lohnverhandlungen fordern die Arbeitgeber:innen recht zuverlässig „Arbeitszeitflexibilisierung“. Die Beschäftigten müssen dann arbeiten, wenn sie ihr:e Arbeitgeber:in braucht – und sich dabei ganz nach deren Interessen richten. Das kritisiert auch der Vorsitzende der sozialdemokratischen Gewerkschafter in Tirol, Bernhard Höfler: „Arbeit soll immer dann flexibel sein, wenn es der Wirtschaft passt. Wehe du brauchst mehr Zeit für dich oder deine Familie, da ist auf einmal Schluss mit der Flexibilität.“
Geht es nach Höfler, müssen sich flexible Arbeitszeitmodelle stärker nach den Interessen der Beschäftigten richten. Er fordert Familienarbeitszeitmodelle, damit Eltern mehr Zeit für ihre Kinder haben – und zwar beide Partner:innen. Auch die Altersteilzeit müsse ausgeweitet werden, nicht abgeschafft oder eingeschränkt. Eine „Pflanzerei“ nennt er diese Maßnahme der Bundesregierung. Sie sei „zynisch und realitätsfern“. Außerdem müssten Arbeitnehmer:innen das Recht haben, zwischen Teil- und Vollzeit zu wechseln: „Es kann nicht sein, dass Alleinerzieher:innen sowie Teilzeitbeschäftigte als keine LeistungsträgerInnen oder gar als faul bezeichnet werden und es in der Realität eine Weltaufgabe wird, wenn sie Stunden reduzieren oder aufstocken wollen.“
Würde man das Wirtschaftswachstum der letzten Jahre und Jahrzehnte gerecht verteilen, müssten wir ca. ein Drittel mehr verdienen. Das rechnet der Rechtsschutzsekretär des ÖGB Tirol, Marc Deiser, vor. Um wieder für gerechte Löhne zu sorgen, sieht er zwei Stellschrauben: einerseits Lohnerhöhungen, andererseits aber auch Arbeitszeitverkürzung. Davon hätten nicht nur die Arbeitnehmer:innen etwas, denn geringere Arbeitszeiten bedeuten auch mehr Erholung und damit weniger Krankenstände und mehr Produktivität.
Auch Höfler fordert Arbeitszeitverkürzungen, ergänzt aber umgehend: „Natürlich bei vollem Lohn- und Personalausgleich!“ Dabei geht es sowohl um die Wochenarbeitszeit, als auch um den Urlaubsanspruch. Seit Jahren drängen nicht nur Gewerkschafter:innen auf die sechste Urlaubswoche für alle. In immer mehr Unternehmen gilt sie bereits. Und entgegen aller Horrorszenarios der Wirtschaftskammer ist kein Betrieb daran zu Grunde gegangen. Im Gegenteil: Wer sechs Urlaubswochen bietet, bekommt mehr Bewerbungen. Die meisten Betriebe fahren gut damit.
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