Barcelona sagt leeren Wohnungen den Kampf an. Die Stadt hat kürzlich 14 Unternehmen, die insgesamt 194 leerstehende Wohneinheiten in Barcelona besitzen, dazu aufgefordert, die unbewohnten Wohnungen zu vermieten. Andernfalls will die Stadt die privaten Immobilien zur Hälfte ihres Marktwertes übernehmen. Die Wohnungen werden dann zu öffentlichem Eigentum und an einkommensschwächere Mieterinnen und Mieter vergeben, so Barcelonas Plan.
In Barcelona leben rund 2.800 Menschen in Obdachlosigkeit oder unter unzureichenden Wohnverhältnissen. Das ist auch eine Folge der Finanzkrise 2008. Viele Unternehmen lassen seit der Krise Wohnungen, die sie besitzen, leer stehen, weil sie auf eine „Entspannung“ des Immobilienmarktes warten. Mit anderen Worten: Sie warten darauf, dass die Vermietung wieder rentabler wird. Immobilien sind in ihren Augen Profitmöglichkeiten statt wichtigem öffentlichem Gut. Das hat über die ganze Stadt verteilt zu vielen Wohnungs-Leerständen geführt.
Nun sagt Barcelona leeren Wohnungen den Kampf an. Die spanische Stadt will Unternehmen dazu zwingen, ihre leerstehenden Immobilien zu vermieten. Andernfalls will die Stadt die privaten Immobilien übernehmen – zur Hälfte ihres Marktwertes.
14 Unternehmen, die zusammen 194 leerstehende Wohnungen besitzen, erhielten kürzlich Post der Stadtverwaltung. Die Briefe enthielten eine Warnung: Wenn ihr eure leerstehenden Objekte nicht innerhalb des nächsten Monates vermietet, kaufen wir sie zu 50% des Marktpreises auf. Die privaten Wohnungen werden dann zu öffentlichem Besitz und an einkommensschwächere Mieterinnen und Mieter vergeben. Den Unternehmen droht nicht nur der Verlust ihrer Immobilien unter Wert, sie können zudem mit einer Geldstrafe zwischen 90.000 und 900.000 Euro belegt werden.
Die Maßnahme knüpft an bestehende Bemühungen zur Schaffung leistbaren Wohnraums an. In der spanischen Region Katalonien, deren Hauptstadt Barcelona ist, dürfen Gemeinden seit 2016 leerstehende Immobilien übernehmen. Voraussetzung ist, dass die Wohnungen seit mehr als zwei Jahren unbewohnt sind. Danach können die Gemeinden damit beginnen, sie als öffentliche Wohnobjekte für einen Zeitraum von höchstens zehn Jahren zu leistbaren Preisen zu vermieten. Nach Ablauf des Mietzeitraums wandern die Wohnungen wieder in den Besitz ihrer privaten Eigentümerinnen und Eigentümer.
Barcelonas neueste Maßnahme geht einen Schritt weiter. Die Stadt hat nun das Recht, Leerstände zu übernehmen, ohne sie zurückgeben zu müssen. Wenn private Unternehmen ihre Wohnungen nicht vermieten, werden sie dauerhaft zu öffentlichem Wohneigentum.
Die katalonische Hauptstadt nimmt mit ihrer Maßnahme nur große Unternehmen ins Visier. Die 194 betroffenen Objekte für eine mögliche Übernahme befinden sich allesamt in Besitz von Unternehmen, die gleich mehrere Immobilien besitzen. Die Wohnungen müssen zudem – wie schon seit 2016 geregelt – seit mindestens zwei Jahren leer stehen. Gemessen wird das daran, dass zwei Jahre lang kein Stromverbrauch im Wohnobjekt registriert werden darf. Damit soll sichergestellt werden, dass Zweitwohnungen von Privatpersonen nicht betroffen sind.
Leerstände sind weltweit ein Problem. In ganz Europa stehen mehr als 11 Millionen Wohnungen leer – im Vergleich zu 4 Millionen Obdachlosen. Gleiches gilt für die USA: 18,9 Millionen Mietobjekte sind unbewohnt, während 3,5 Millionen Menschen kein Dach über dem Kopf haben.
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