(c) Mili Badic
Silvia Heinrich sieht rot. Zumindest wenn’s um Wein geht. Seit zwei Jahrzehnten macht die sympathische Winzerin aus Deutschkreutz der einstigen Männerdomäne ganz schön Konkurrenz. Mit sieben Blaufränkisch-Variationen hat die Burgenländerin unzählige Preise abgeräumt.
Manche Kindheitsträume lassen sich erst spät in die Tat umsetzen. Jedenfalls war es bei Silvia Heinrich so. Gemeinsam mit dem älteren Bruder tobte sie Sommer für Sommer durch die elterlichen Weingärten und wusste bereits als Mädchen: Der Wein ist ihre große Leidenschaft. Den Familienbetrieb zu übernehmen, war aber dem Älteren vorbehalten.
Also ging sie nach Wien, machte eine fast zehnjährige Karriere bei der Nachrichtenagentur Reuters, eine Zwischenstation bei Österreich Wein Marketing und nutzte vor allem ihre Urlaube, um Wein-Erfahrung im Ausland zu sammeln.
Als die elterliche Landwirtschaft gewachsen war und der Hof 2010 geteilt werden sollte, kam ihre große Chance. Der Bruder stieg komplett auf die Landwirtschaft um, Silvia Heinrich übernahm vorerst noch gemeinsam mit dem Vater das Weingut.
Bald ließ sie althergebrachte Traditionen hinter sich und stellte das Weingut mit seiner 250-jährigen Geschichte auf den Kopf: Sie rodete alle Weißweinflächen – sogar jene Sauvignon-Reben, die die Lieblingsreben der Mutter und ein Geschenk des Vaters waren. Sie wechselte von der Abfüllung in Weinfässern auf Glasflaschen.
Kurz: Silvia Heinrich läutete eine neue Ära ein. Sie entwickelte eigene Etiketten für die Flaschenabfüllung, entwarf Preislisten und kam ihrem großen Ziel immer näher. Nämlich mit ihren Blaufränkisch-Variationen auf die besten Weinlisten der Welt zu gelangen. Der Plan ging auf. Heinrich setzte alle Karten auf Blaufränkisch und gewann haushoch.
Auf die Frage, warum ausgerechnet ihr Wein so beliebt und der Erfolg so groß ist, antwortet Heinrich im Gespräch mit der NeuenZeit, dass es wohl ihr Herzblut sein muss, das in jede Abfüllung mit hineinfließt.
Vielleicht ist es aber auch ihr weiblicher Charme, den Silvia Heinrich an den Tag und in ihre Arbeit legt. Obwohl der Beruf hart und die Vereinbarkeit von Familie und Job kräftezehrend ist, hat die Alleinerzieherin Freude an der Arbeit. Sie schätzt die Natur und die Geduld, die man für die Weinproduktion aufbringen muss.
Geduld brauchen Frauen in der Weinbranche ohnehin. Lange Zeit war der österreichische Weinbau vorwiegend in Männerhand. Dass nun immer mehr Frauen in die flüssigen Gefilde vordringen, freut Heinrich besonders. Als sie mit dem Weinbau begonnen hat, „konnte man die Frauen auf einer Hand abzählen“, erzählt sie.
Mit zehn Weinkolleginnen, die über die Jahre zu Winzerfreundinnen geworden sind, schloss sie sich schließlich zusammen. Gemeinsam unternehmen sie nicht nur Weinreisen zur Weiterbildung rund um den Globus, sondern förderten auch Nachwuchswinzerinnen. Damit Weinbegeisterte bald noch mehr qualitativ hochwertigen Wein aus Frauenhand genießen dürfen.
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