Kärnten

Cybermobbing: Fast jeder vierte Jugendliche wird im Internet schikaniert. Kärntner Initiative „#Hass im Netz“ klärt auf

Im zweiten Lockdown explodierten die Cybermobbing-Fälle auch in Kärnten. Die Initiative „#Hass im Netz“ klärt deshalb nun im virtuellen Klassenzimmer auf. 

Für Schülerinnen und Schüler war es kein leichtes Jahr. Wenig soziale Kontakte, Lerndruck im Distance Learning, oft kommen auch noch Probleme in der Familie dazu. Der wachsende Druck entlädt sich als Hass im Netz. Schon vor Beginn der Corona-Krise machte vielen Jugendlichen Cybermobbing zu schaffen. Social Distancing hat dieses Problem verschärft.

Zweiter Lockdown ließ Zahlen explodieren

Cybermobbing unter Schülerinnen und Schülern hängt stark mit Belastungen für die Kinder und Jugendlichen zusammen. Das zeigen die Zahlen der Beratungsstellen in Österreich. Im ersten Lockdown 2020 bemerkten die Beraterinnen und Berater von „Rat auf Draht“ noch keinen starken Anstieg bei der digitalen Belästigung. Damals meldeten sich vor allem Kinder und Jugendliche, die Sorge um Freundinnen und Freunde hatten, zu denen der Kontakt abgebrochen war. Ein ganz anderes Bild zeigt sich seit dem zweiten Lockdown vergangenen Herbst: Studien und Meldungen zeigen eine Explosion der Cybermobbing-Fälle. Für Kinder und Jugendliche bedeuten die Lockdowns enormen Druck und fehlende soziale Beziehungen. Familiäre Probleme werden häufiger und heftiger. Gleichzeitig ist es schwieriger, sich ihnen zu entziehen. Lernen fällt da nicht leicht, wird aber trotzdem erwartet. Kinder und Jugendliche sehen auch ihre Freundinnen und Freunde deutlich seltener, ihnen wird ein Teil ihrer Kindheit genommen. All das schürt Aggressionen. Mobbing in sozialen Netzwerken ist oft ein Ventil. Und die Opfer sind derzeit noch schutzloser als sonst.

Ban Hate: Notwehr gegen Cybermobbing

Das bestätigen auch die Meldungen, die bei der steierischen Antidiskriminierungsstelle eingehen. eingehen. Sie hat die App „Ban Hate“ entwickelt, mit der Betroffene Cybermobbing unkompliziert melden können. Seit November steigen die Fälle rasant.

„Täter wie auch Beteiligte, die das mitbekommen, dürfen nicht aus der Verantwortung gezogen werden“, betont auch die Kärntner Landesrätin Sara Schaar, „denn Hass im Netz ist nicht zu tolerieren!“ Die Antidiskriminierungsstelle Kärnten und das Frauenreferat des Landes informieren deshalb mit der Initiative „#Hass im Netz“ über Anfeindungen und Schikanen in Sozialen Netzwerken und was Betroffene dagegen tun können.

Initiative gegen „#Hass im Netz“

Bis zum Beginn der Corona-Krise besuchten die Expertinnen und Experten Schulklassen in ganz Kärnten und informierten Schülerinnen und Schüler persönlich. Das war durch die Lockdowns schließlich nicht mehr möglich. In Kooperation mit Antenne Kärnten geht die Arbeit nun weiter. Im Rahmen von „Antenne macht Schule virtuell“ setzen sich Schülerinnen und Schüler nun virtuell mit dem Thema auseinander. Was sind freundschaftliche Sticheleien und wann hört sich der Spaß auf?Wie wehre ich mich gegen Hass im Netz? Wie kann ich betroffenen Schulkolleginnen und Schulkollegen helfen? Und wer hilft mir, wenn ich nicht mehr weiter weiß?

Mit an Bord sind die Präventionsbeamtinnen und -beamten der Landespolizeidirektion Kärnten und die Expertinnen und Experten vom Verein ‚ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit‘. Auch Marika Lagger-Pöllinger unterstützt die Initiative. Sie kann aus erster Hand berichten, wozu Anfeindungen im Netz im schlimmsten Fall führen: 2014 nahm sich ihr Sohn nach digitalem Mobbing das Leben. Sie will andere Kinder und Jugendliche vor diesem Schicksal bewahren.

Nicht wegschauen bei Cybermobbing

Denn Studien aus Deutschland zeigen einen besorgniserregenden Trend. Immer mehr Minderjährige greifen wegen Cybermobbing zu Alkohol oder Tabletten. Im zweiten Lockdown waren es 20% mehr als zuvor. Noch dramatischer: Ein Drittel mehr denken wegen digitaler Anfeindungen an Selbstmord.

„Durch die vermeintliche Anonymität im Internet verschwimmen oftmals die Grenzen des respektvollen Umgangs“, erklärt die Kärntner Landesfrauenbeauftragte Martina Gabriel. Außerdem sind „Mädchen und Frauen noch häufiger als Männer im Netz von Beschimpfungen, Belästigung und Bedrohung betroffen.“ Sie ruft dazu auf, nicht wegzuschauen. Egal, ob man Zeuge oder Zeugin von Cybermobbing wird, oder selbst betroffen ist. Denn Hass im Netz kann Leben zerstören.

NeueZeit Redaktion

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