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21,6 Millionen Kinder in Europa sind arm – EU will „Kindergarantie“ gegen Armut

In der EU leben 21,6 Millionen Kinder in Armut – jetzt will die Politik mit einer sogenannten Kindergarantie gegensteuern.

Rund 96 Millionen Kinder unter 18 Jahren leben in der Europäischen Union, 22,5% von ihnen in Armut. Trotz der wirtschaftlichen Macht der EU geht es vielen Kindern in Europa schlecht, die Folgen bleiben meist ein Leben lang spürbar. Jetzt ist eine Garantie gegen Kinderarmut („Child Guarantee) im Gespräch, die das Wohlergehen aller Kinder sicherstellen soll.

Ab wann ist ein Kind arm?

Mehr als ein Fünftel der Kinder in Europa leben in Armut.

Ab wann ein Kind in Kinderarmut lebt, lässt sich mit Hilfe mehrerer Faktoren bemessen. Das statistische Amt der EU, Eurostat, legt diese fest und erhebt sie regelmäßig. Als arm gilt demnach, wer entweder nach der Armutsgefährdungs-Rate von Armut bedroht ist, erhebliche Benachteiligung erlebt oder in einem einkommensschwachen Haushalt lebt.

Konkret sind das laut EU Kinder, die aus schwierigen Familienverhältnissen kommen, ethnischen Minderheiten angehören, obdachlos oder behindert sind. Insgesamt beläuft sich dies in der EU auf 21,6 Millionen Kinder.

Die Strategie der EU

Das europäische Parlament forderte die Mitgliedsstaaten bereits 2015 auf, eine sogenannte Kindergarantie (“Child Guarantee”) einzuführen. Ziel war, allen Kindern freien Zugang zu Bildung, einem Dach über dem Kopf und Gesundheitsversorgung zu gewähren.

Eine Studie der Europäischen Kommission aus 2021 hat herausgefunden, dass Städte bislang vor allem auf zwei Wegen gegen Kinderarmut vorgehen. Einerseits sollen Kinder so früh wie möglich gefördert werden, andererseits der gesamten Familie zu besseren Chancen verholfen werden. In der Regel passiert dies durch den Zugang zu günstigem Wohnraum, mehr Kindergartenplätzen oder gratis Schulessen.

In Österreich äußern sich diese Maßnahmen beispielsweise durch den Mutter-Kind-Pass sowie kostenfreie jährliche Schuluntersuchungen, die die Gesundheit der Kinder (und Mütter) gewährleisten sollen. Liegen Erkrankungen vor, können diese dadurch früh festgestellt und die Kinder entsprechend behandelt werden.

In Zusammenarbeit mit UNICEF läuft derzeit in sieben Ländern (Bulgarien, Kroatien, Griechenland, Deutschland, Italien, Spanien und Litauen) ein zweijähriges Pilotprojekt, um die Wirksamkeit weiterer Maßnahmen zu testen. Die einzelnen Länder sollen Unterstützung und Hilfe für armutsgefährdete Kinder bieten und den Zugang zu Gesundheitsversorgung, gesundem Essen, Bildung und sicherem Wohnen ermöglichen.

Jedes teilnehmende Land hat den Fokus individuell bestimmt. Während sich Griechenland unter anderem auf die Inklusion an Schulen und die Errichtung eines Systems für Pflegekinder konzentriert, möchte Italien Gemeinschaftswohnungen errichten und Unterstützungscenter für Familien schaffen.

Die Bausteine der EU Kindergarantie

Die Kindergarantie ist ein besonderes Anliegen von EU-Kinderrechtlerinnen. Die einzelnen Mitgliedsstaaten entwickeln und präsentieren jeweils einzeln Strategien, um gegen Kinderarmut im jeweiligen Land vorzugehen. Langfristig soll damit Benachteiligung minimiert werden, so dass auch Kinder aus einkommensschwachen Familien die Möglichkeit haben, frei von auferlegten Hürden in ihr Leben zu starten.

Bis 2030 soll die Zahl der Kinder in Armut damit um fünf Millionen gesenkt werden.

Der Europäische Rat hat die „Kindergarantie“ im Juni 2021 verabschiedet. Sie bildet damit eine Säule der EU-Strategie für Kinderrechte.

Kinderarmut im Alltag

Wenn zuhause das Geld für gesundes Essen fehlt, lernt es sich schlechter in der Schule – das wiederum wirkt sich auf die Noten aus. Ganz zu schweigen vom gesundheitlichen Aspekt. Gibt es dann Schwierigkeiten in Mathe oder Englisch, fehlt das Geld für die Nachhilfe und den Eltern selbst die Zeit, das eigene Kind zu unterstützen.

Die Folge: Kinder aus sozial schwachen Familien schaffen es nur selten bis zur Matura. Nicht weil sie nicht klug genug wären, sondern weil es an materieller Unterstützung zur Förderung ihrer Fähigkeiten fehlt.

Später gehen die Schwierigkeiten an der Uni weiter. Wer nebenher 20 Stunden arbeiten muss, um sich die Miete leisten zu können, braucht länger bis zum Abschluss. Und wer länger studiert, zahlt mehr Studiengebühren.

Kurz gesagt: Armut zieht sich meist durch das ganze Leben. Sie ist nicht mit Fleiß zu bekämpfen und legt bereits in frühen Jahren die Grundsteine für das spätere Leben. Gerade hier könnten Förderungen wie die EU Kindergarantie helfen.

Johanna Pauls

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