Obersteiermark

Genial: Steirische Gemeinde Kindberg recycelt Industrie-Abwärme zum Beheizen von Volksschule & Wohnungen

In der obersteirischen Stadtgemeinde Kindberg wird bald Abwärme aus der Industrie „recycelt“. Die voestalpine im Ort produziert Hightech-Rohre bei 1.300 Grad. Die Wärme, die dabei entsteht, wird künftig mit dem neuen Fernwärme-Netz direkt in den Ort geleitet. So werden Volksschule und Wohnungen umweltfreundlich beheizt. Durch das Projekt spart die Stadtgemeinde bis zu 3.400 Tonnen CO2.

Spatenstich für ein Projekt, das zum internationalen Vorbild werden könnte: In der obersteirischen Stadtgemeinde Kindberg wird bald Abwärme aus der Industrie „recycelt“ und in das neue Fernwärme-Netz geleitet. So werden Volksschule, Sporthalle und schrittweise auch Wohnungen mit der wiederverwerteten Wärme beheizt.

Eine Win-Win-Situation: Die voestalpine leitet Abwärme aus, die sie nicht mehr braucht und die Stadtgemeinde kann sie als umweltfreundlichen Heizträger nutzen.

„Dieses Projekt ist ein Meilenstein für Kindberg“, sagt Bürgermeister Christian Sander (SPÖ) beim Spatenstich. „Das ist ein großer klimarelevanter Fortschritt. Wir können stolz auf unsere Gemeinde sein“.

Bürgermeister Christian Sander und Umweltlandesrätin Ursula Lackner (beide SPÖ) beim Spatenstich für die neue Fernwärme in Kindberg.

Abgewickelt wird das Projekt von der heimischen Unternehmensgruppe Bioenergie gemeinsam mit der voestalpine Tubulars in Kindberg. Beteiligt sind ausschließlich regionale Betriebe, denn selbst das Holz für den Bau der Anlage kommt aus der Umgebung. Das neue Kindberger Fernwärme-Netz sichere so Arbeitsplätze und sei eine „große regionale Wertschöpfung“, sagt Bürgermeister Sander zur NeuenZeit.

Neue Fernwärme in Kindberg leitet voestalpine-Abwärme in den Ort

So funktioniert das Vorzeigeprojekt im Detail: Die voestalpine Tubulars produziert in Kindberg Hightech-Rohre, die im sogenannten Drehherdofen bei 1.300 Grad geformt werden. Das erzeugt eine Menge Abwärme, bis zu 4.000 Kilowatt. Mit Hilfe eines Wärmetauschers und einer Pumpstation kann diese Wärme in das neue Fernwärmenetz geleitet werden. Die neun Kilometer lange Fernwärmeleitung bringt die Industrie-Abwärme dann direkt in den Ort.

Heuer wird das Fernwärme-Netz gebaut, ab 2023 geht die Anlage in Betrieb. Zuerst werden Gemeinde-Gebäude wie die Volksschule oder das Volkshaus angeschlossen, dann schrittweise größere Siedlungen und später die ganze Stadtgemeinde. Die Nachfrage nach der neuen, umweltfreundlichen Heizmöglichkeit sei groß, berichtet Bürgermeister Sander.

Der Umbau kostet insgesamt rund fünf Millionen Euro, finanziert vom Projektträger Bioenergie. Der Bund und das Ressort der steirischen SPÖ-Umweltlandesrätin Ursula Lackner beteiligen sich mit Förderungen.

Kindberg versorgt jetzt schon Nachbargemeinden mit Energie

Das „Recycling“ der voestalpine-Abwärme kommt wohl genau zur richtigen Zeit, denn die Energiepreise explodieren regelrecht. Der Arbeitspreis für Gas stieg im Vergleich zum Vorjahr um 70%, Heizöl verteuerte sich um fast 50%. Mit dem neuen Fernwärme-Netz ist Kindberg unabhängiger von russischem Gas und internationalen Preisschwankungen.

Kindberg beliefert jetzt schon Nachbargemeinden mit Energie aus dem stadteigenen E-Werk.

Die obersteirische Stadtgemeinde ist auch mit anderen Projekten Energie-Vorreiter in der Region. Kindberg besitzt ein E-Werk mit Wasserkraft sowie zwei Photovoltaik-Anlagen. Das E-Werk versorgt nicht nur den eigenen Ort, sondern auch die Nachbargemeinden. Vor Kurzem hat sich die Stadtgemeinde außerdem mit 10% an einer Windkraft-Anlage beteiligt, die insgesamt 25.000 Haushalte versorgt.

„Wir in Kindberg reden nicht nur vom Klimaschutz, wir tun“, sagt Bürgermeister Christian Sander

Philipp Stadler

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