Der Glücksspielkonzern Novomatic baut in Niederösterreich 120 Jobs ab – damit will sich der Konzern vier Millionen Euro sparen. Trotzdem schüttet das Unternehmen 2020 eine Rekord-Dividende von 50 Millionen Euro aus. Vom Arbeitsmarktservice ließ man sich noch im Frühling mit 40 Millionen Euro für die Kurzarbeit unterstützen. Konzern-Eigentümer Johann Graf gilt mit einem Privatvermögen von 6,5 Milliarden Euro als zweitreichster Österreicher. Für den Erhalt der 120 Arbeitsplätze reicht das alles scheinbar nicht aus.
Der österreichische Glücksspielkonzern Novomatic macht immer wieder Schlagzeilen: Unternehmens-Eigentümer Johann Graf gilt als zweitreichster Österreicher und verteilt regelmäßig Geldgeschenke. Der Konzern steht unter Verdacht, sich im Gegenzug zu Spenden an Parteien vorteilhafte Gesetze zu erwarten. Zuletzt herrschte Aufregung über die enge Verbindung zwischen Novomatic und ÖVP-Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka.
Jetzt kündigt der Glücksspielkonzern an, 120 Jobs in Niederösterreich zu streichen. Trotz Kurzarbeit auf Staatskosten und einer Rekord-Dividende für die Aktionäre.
120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlieren in der Unternehmenszentrale von Novomatic im niederösterreichischen Gumpoldskirchen ihren Job. Grund seien die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise, gibt das Unternehmen an. In der Führungsetage ist die Krise jedenfalls noch nicht angekommen. Eigentümer Johann Graf schüttet 2020 insgesamt 50 Millionen Euro an Dividenden aus – also Gewinn für die Aktionäre. Das ist trotz Corona-Krise und Stellenabbau mehr als doppelt so viel wie im vergangenen Jahr. 2019 waren es „nur“ 22 Millionen Euro an Dividenden.
Geld für seine Freunde sitzt bei Johann Graf überhaupt sehr locker. In den letzten zehn Jahren hat er 157 Mal große Geldbeträge an die Führungskräfte seines Unternehmens verschenkt. Der Ex-Chef von Novomatic, Harald Neumann, erhielt von Graf etwa 2018 und 2019 jeweils eine Million Euro in bar – zusätzlich zu seinem normalen Gehalt.
Möglicherweise zählt auch Wolfgang Sobotka zu den Freunden von Johann Graf. Der ÖVP-Politiker ist Vorsitzender des aktuellen Untersuchungsausschusses, der unter anderem klären soll, ob dem Glücksspielkonzern Novomatic im Gegenzug zu Parteispenden vorteilhafte Gesetze versprochen wurden. Der erste Teil davon ist bereits nachgewiesen: Novomatic unterstützte das ÖVP-nahe Alois-Mock-Institut in den vergangenen Jahren mit mehr als 100.000 Euro. Präsident des Instituts ist Wolfgang Sobotka. Der profitiert auch noch in einer anderen Rollte von den Zuwendungen von Novomatic: Der Konzern unterstützte 2019 das Kammerorchester Waidhofen mit 8.000 Euro – dessen Dirigent ist Wolfgang Sobotka.
Millionen-Dividende, Geldgeschenke an die Führungsetage und Unterstützung eines ÖVP-nahen Vereins – Johann Graf und sein Novomatic-Konzern haben offensichtliche keine Geldsorgen. Für die 120 Menschen, die nun gekündigt wurden, reicht das Geld aber dann doch wieder nicht. Und das, obwohl Novomatic sogar großzügige staatliche Hilfe in Anspruch nahm. Während des Corona-Lockdowns im Frühling schickte der Konzern fast alle Beschäftigen in Kurzarbeit – und erhielt dafür geschätzte 40 Millionen Euro an Unterstützung vom Arbeitsmarktservice.
Zum Vergleich: Durch den Stellenabbau von 120 Jobs spart der Konzern etwas mehr als 4 Millionen Euro, rechnet das Moment-Magazin vor. Das ist nicht nur angesichts der 50 Millionen Euro schweren Dividenden-Auszahlung eine vergleichsweise kleine Summe für das Glücksspielunternehmen. Der Eigentümer selbst, Johann Graf, besitzt als zweitreichster Österreich ein geschätztes Vermögen von 6,5 Milliarden Euro.
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