Österreich

Grüner Pass: Informatiker braucht 5h für App-Lösung, Regierung 2 Monate für einen Zettel

Seit Monaten kündigt die Bundesregierung den „Grünen Pass“ an. Alle rechneten mit einer App. Seit kurzem ist er verfügbar. Allerdings nur als digitaler Zettel, der jedes Mal umständlich aufgerufen werden muss. Ein junger Informatiker aus Oberösterreich schaffte in nur 5 Stunden, woran die Bundesregierung in über 2 Monaten scheiterte: eine App-Lösung

Seit April kündigen ÖVP und grüne beinahe wöchentlich den Grünen Pass an. Von Anfang an war von einer digitalen Lösung fürs Handy die Rede. Alle rechneten mit einer App. Kurze Zeit bangten Menschen ohne Smartphone gar, ob sie den Grünen Pass dann auch beziehen werden können. Die Sorge war unberechtigt: Denn der Grüne Pass ist ein Zettel. Am Handy in seiner digitalen Form als pdf-Datei. Ein junger Informatiker aus Oberösterreich hat nun auf eigene Faust für eine bessere, zeitgemäße Lösung gesorgt. Sie integriert den „Grünen Pass“ in eine App. Dafür hat er 5 Stunden Zeit und 0 Euro Budget gebraucht.

Türkis und Grün scheitern am Internet

Wenn Türkis und Grün etwas Digitales anfassen, darf man gespannt sein. Das hat beispielsweise schon das Kaufhaus Österreich gezeigt. 1,26 Millionen Euro hat Digitalministerin Margarete Schramböck für den vermeintlichen Amazon-Herausforderer in den Sand gesetzt. Denn geblieben ist davon nur eine Sammlung mit Tipps für e-Commerce. Wohlgemerkt: auf einer gescheiterten e-Commerce-Plattform.

Etwas erfolgreicher, aber ähnlich überteuert, war die Testanmeldeplattform von Gesundheitsminister Rudolf Anschober. „Österreich testet“ kostete 546.000 Euro für die Einrichtung und knapp 190.000 Euro monatlich für den Betrieb. Die Plattform funktioniert zwar, bei Willkommen Österreich programmierten allerdings 4 Programmiererinnen und Programmierer die Plattform während 50 Minuten Sendezeit nach. Es wäre also offensichtlich deutlich günstiger gegangen.

Grüner Pass: Notlösung statt App

Nun also der „Grüne Pass“. Seit Monaten war die Rede davon, die Bundesregierung hatte also mehr als genug Zeit, sich eine Lösung zu überlegen. Doch es ging gleich mit einem Datenschutzskandal los. Das Gesundheitsministerium von Wolfgang Mückstein wollte für den „Grünen Pass“ persönliche Daten zusammenführen: bisherige Jobs, Arbeitslosigkeit, Krankenstände usw. Der Neo-Minister hatte seinen ersten Skandal und musste zurückrudern. Dann die nächste Panne: Beim Start konnten nur Getestete und Genesene den „Grünen Pass“ nutzen, Geimpfte allerdings nicht.

Mittlerweile gibt es den ihn zumindest auch für Geimpfte. Allerdings kann von einer „digitalen Lösung“ nur mit viel gutem Willen die Rede sein. Der „Grüne Pass“ ist nämlich einfach nur eine pdf-Datei, die man sich aufs Handy laden kann. Das ist das digitale Gegenstück zu einem Zettel. Die Lösung ist also ungefähr so ausgereift, wie Reparaturen mit Klebeband und Spucke.

App-Lösung in 5 Stunden, Budget: 0 Euro

Einem jungen Informatiker aus Oberösterreich war es bald zu blöd, die pdf-Datei jedes Mal auf seinem Handy zu suchen. Das ist nämlich relativ umständlich. Deshalb hat Fabian Pimminger in nur 5 Stunden eine nutzerinnenfreundliche digitale Lösung entwickelt. Mit seiner Webapp kann man den die den „Grünen Pass“ in die digitale Geldbörse integrieren. Damit ist er per App abrufbar und man muss nicht mehr jedes Mal mühsam die pdf-Datei suchen. Das beste an der Lösung: Sie funktioniert, erfüllt alle Datenschutzbestimmungen und wird genutzt.

Bisheriger Kostenpunkt: 0 Euro. Fazit: ein genervter junger Informatiker schafft in 5 Stunden, was Türkis und Grün in über 2 Monaten nicht zusammenbringen.

NeueZeit Redaktion

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