Burgenland

Lesen lernen leicht gemacht: Wie Lesepatinnen Kindern ein Tor zu einer neuen Welt eröffnen

Lesen lernen leicht gemacht: Beim Vorlesen erlebt man gemeinsam Abenteuer und wächst zusammen. Viele Menschen engagieren sich deshalb als Lesepatinnen und Lesepaten in der Volksschule und üben mit den Kids das Lesen. Die NeueZeit hat mit Lesepatin Ingrid und Susi über ihren ehrenamtlichen Einsatz gesprochen.

“Ich dachte, ich lese den Kindern etwas vor, dabei ist es genau andersrum und die Kinder lesen den Lesepatinnen und Lesepaten vor,“ erzählt die Bad Sauerbrunnerin Ingrid der NeuenZeit. Die Pensionistin engagiert sich seit weit mehr als einem Jahrzehnt als Lesepatin – zuerst in Wien, seit gut zehn Jahren auch in ihrer Heimatgemeinde Bad Sauerbrunn im Burgenland. Was sie seither erlebt hat, gleicht einem fröhlichen Kinderroman. Gemeinsam mit den Kids durchlebt sie (Alltags-)Abenteuer und gibt den Kleinsten vor allem eines auf ihren Lebensweg mit: Selbstvertrauen. Denn das wird beim Lesen (können) und in andere Welten eintauchen besonders gestärkt.  

Vor Mitschülern  fangen manche Kinder zum Stottern an, mit der Lesepatin können sie in Ruhe üben

Auch Susi besucht seit mittlerweile zwei Jahren als Lesepatin eine Volksschule im Bezirk Mattersburg. Einmal in der Woche liest sie gemeinsam mit den Volksschülerinnen und Volksschülern. Warum sie das macht? 

Die Kinder freuen sich jedes Mal sehr, wenn ich in die Schule komme, und laufen mir gleich mit ihren Lesebüchern entgegen.

Beim Lesen sind sich alle einig: Es ist das Tor für gesellschaftliche Teilhabe, für Bildung und für Erfolg am weiteren Lebensweg. Aber nicht alle tun sich mit dem Lesen lernen auf Anhieb leicht.  Manche Kinder fangen vor ihren Mitschüler:innen im regulären Unterricht zum Stottern an, mit der Lesepatin können sie in Ruhe üben.

Wenn sie nur alleine vor mir lesen, dann tun  sich die Kinder viel leichter.“ erzählt auch Ingrid mit einem Lächeln in den Augen.

Von der Lesepatin zur Vertrauensperson – Kinder weihen Ingrid beim Vorlesen auch in ihre Probleme ein

Einmal pro Woche spazieren die beiden Pensionistinnen für je einen Vormittag in die örtliche Volksschule. Ingrid betreut drei Klassen. Die Lehrperson gibt vor, welche Texte die Kinder lesen sollen. Dann zieht sich Ingrid mit den Schülerinnen und Schülern auf den Gang zurück und startet mit der Lesestunde. 

Dabei geht´s aber nicht nur um’s Lesen: Viele Kinder entwickeln ein besonderes Vertrauen zu Ingrid und erzählen ihr auch von ihren privaten Problemen. Dadurch  können Lehrerinnen und Lehrer die Kinder besser kennenlernen und Rückschlüsse auf die schulische Leistung ziehen.

Durch ihr Engagement kennt Ingrid mittlerweile die meisten Volksschülerinnen und Volksschüler aus ihrem Ort. Wenn sie einige ihrer Lesekinder auf der Straße trifft, kommen sie auf sie zu und umarmen sie. Besonders schön ist das immer, wenn die Ferien vorbei sind.

„Ingrid du bist die Beste!” rufen sie ihr dann zu,  “schön, dass die Ferien aus sind, weil jetzt sehen wir uns wieder.“

“Es macht die Kinder ganz stolz, wenn sie Fortschritte verzeichnen können”

Auch die Lesepatin – oder wie sie von ihren Volksschulkindern liebevoll getauft wurde „Leseomi Susi“ ist von der ehrlichen Freude und Begeisterung der Kinder angetan. Das ist der Grund, wieso ihr dieses Hobby so am Herzen liegt. 

Die Kinder sind so dankbar, wenn ich ihnen meine volle Aufmerksamkeit widme. Und es macht sie ganz stolz, wenn sie Fortschritte verzeichnen können.

Beide Frauen gehören zu den 164 Lesepaten und Lesepatinnen im Burgenland. 2.246 Schülerinnen und Schüler im Alter von sechs bis zehn Jahren tauchen mit ihnen gemeinsam in die Bücherwelten von Christine Nöstlinger & Co ein. 

Lesepate feiert 10-Jahres-Jubiläum
Heuer feierte das Projekt „Lesepaten“, das vom Land Burgenland in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz gefördert wird, sein zehnjähriges Jubiläum. Wer sich ebenfalls als Lesepatin oder Lesepate engagieren will, kann sich hier informieren.
Lena Fürst

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