Bildcredits: image by freepik
Urbane Zentren wie Linz, Salzburg und Wien setzen längst auf Carsharing. Aber auch das Mühlviertel zeigt seit einem Jahrzehnt, dass nachhaltige Mobilität im ländlichen Raum funktionieren kann. Der E-Autoverleih „MühlFerdl“ bietet in Oberösterreich seit 2015 eine alltagstaugliche und nachhaltige Alternative zum eigenen Auto. Fast viermal – nämlich 152.000 Kilometer – haben die „MühlFerdl“-Fahrer:innen bereits die Erde umrundet.
Das öffentliche Verkehrsnetz in ländlichen Regionen ist, höflich gesagt, ausbaufähig. Auch rund um den Bezirk Rohrbach im Mühlviertel zeigt sich dieses strukturelle Defizit deutlich. Umso wichtiger ist es, dass Gemeinden und Organisationen innovative Mobilitätslösungen schaffen. Was zunächst wie der Spitzname vom Landwirt von nebenan klingt, ist in Wahrheit ein E-Autoverleih, der in Oberösterreich versucht, so viele Menschen wie möglich von A nach B zu bringen.
Wer sich einen „MühlFerdl“ ausleihen möchte, braucht ein Bankkonto, eine E-Mail-Adresse, Zugang zum Internet und natürlich einen gültigen Führerschein der Klasse B. Zur Verfügung stehen derzeit 17 rein elektrisch betriebene Autos der Marke Renault, die Flotte wächst laufend. Die Handy-App ermöglicht die Suche nach den zur Verfügung stehenden E-Autos in den Regionen Freistadt, Donau-Böhmerwald und Urfahr-West.
Im Schadensfall sind die Fahrzeuge umfassend haftpflicht- und vollkaskoversichert, der Selbstbehalt liegt bei 500 Euro. Pro Person kann jeweils nur ein Fahrzeug gleichzeitig genutzt werden, Auslandsfahrten innerhalb der EU und in die Schweiz sind aber erlaubt. Die maximale Ausleihdauer beträgt fünf Tage, wobei die Reichweite der MühlFerdl-Autos je nach Fahrweise und Wetterbedingungen zwischen 100 und 150 Kilometern liegt. Ladestationen sind ganz einfach über die App von ÖAMTC zu finden. Hier werden alle E-Lademöglichkeiten in der Umgebung angezeigt. Die meisten E-Autos der neuen Generationen zeigen den Fahrer:innen jedoch bereits mit Hilfe des Navis die nächste Lademöglichkeit.
Die Idee ist so simpel wie effektiv: Kleinwagen stehen an zentralen und gut erreichbaren Ladepunkten in Gemeinden wie Sarleinsbach, Aigen-Schlägl oder St. Martin bereit. Die Nutzer:innen buchen die Fahrzeuge per Handy-App oder Webseite. Durch das Registrieren auf der Homepage des Anbieters wird eine digitale Zugangskarte freigeschalten. Diese ermöglicht anschließend die Nutzung der E-Autos für den privaten Gebrauch.
Der Preis der in der App aufscheint, beinhaltet Strom, Versicherung und Wartung. „MühlFerdl“ bietet zwei unterschiedliche Tarife im Angebot an: der Light-Tarif kostet 15 Euro im Monat, jede Fahrstunde wird mit weiteren 5 Euro verbucht. Der Jahres-Tarif kostet 30 Euro im Monat und beinhaltet ein Gratis-Kontingent von 48 Stunden. Jede weitere Fahrstunde kostet 4,40 Euro. Eine Mitgliedschaft gilt für den gesamten Haushalt oder die gesamte Firma.
Mit rund 6.500 Fahrten allein im Bezirk Rohrbach im Mühlviertel im vergangenen Jahr beweist „MühlFerdl“, dass E-Autoverleih auch außerhalb von Ballungsräumen funktioniert. Sponsoren sowie Förderungen durch das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, die EU und das Land Oberösterreich finanzieren das Angebot.
Als Gründungspartner und Teil des Vereins „Carsharing Österreich“ nimmt „MühlFerdl“ am bundesweiten Verteiler-Netzwerk mit über 100 Standorten teil. Die Jury des VCÖ-Mobilitätspreises zeichnete das Projekt „Carsharing Österreich“ 2021 als Vorzeigemodell für klimafreundliche Mobilität in ländlichen Regionen aus. Die Mitglieder des Netzwerks betreiben Standorte in mehreren Bundesländern, weitere sollen in den nächsten Jahren folgen. Die E-Mobilität gewinnt an Fahrt.
„MühlFerdl“ und „Carsharing Österreich“ zeigen: Öffentlicher Verkehr kann mehr sein als nur Zug oder Bus – und das sogar elektrisch!
Die Bauwirtschaft kämpft mit einer anhaltenden Hochbau-Flaute, gleichzeitig wächst der Bedarf an leistbaren Mietwohnungen. Genau…
Die SPÖ Niederösterreich präsentiert bei der heutigen Pressekonferenz den Energieschwerpunkt ihres „NÖ-Plans“. Dabei im Fokus:…
In Australien ist die digitale Sperrstunde für Unter-16-Jährige bereits Realität. Während dort Millionen Accounts gelöscht…
In St. Pölten wird diese Woche gewählt. Gleichzeitig steht die Zukunft des städtischen Bussystems LUP…
Die Wartezeiten auf Knie- und Hüftoperationen haben sich in Oberösterreich innerhalb von nur vier Jahren…
In der Stadtbibliothek Traiskirchen werden längst nicht nur Bücher verliehen: Seit 2022 kann man sich…