Kärnten

Keine Hilfe von Regierung: Gemeinde muss wegen Teuerung Kindergartenbau stoppen

Die niederösterreichische Gemeinde Ober-Grafendorf muss den Ausbau des örtlichen Kindergartens stoppen, weil die Baukosten explodieren. St. Andrä im Kärntner Lavanttal muss für seinen neuen Kindergarten plötzlich eine Million mehr zahlen. Österreichweit fehlen den Gemeinden wegen der Teuerung 1,2 Milliarden Euro.

St. Andrä im Kärntner Lavanttal braucht einen neuen Kindergarten. Weil ein älterer Kindergarten schließen musste, beantragte die Gemeinde bei der EU die Förderung eines Neubaus. Das Projekt ging durch, die EU übernahm die geplanten Baukosten von 2,5 Millionen Euro zur Gänze.

Nun kostet der neue Kindergarten aber plötzlich 3,5 Millionen. Die Rekord-Inflation verteuert den Bau um eine Million Euro. Für die 10.000-Einwohner-Gemeinde St. Andrä mit einem Jahresbudget von 24 Millionen Euro eine beträchtliche Summe.

Und bei der bleibt es nicht: Die Teuerung reißt auch an anderen Stellen Löcher in das Gemeindebudget. Amtsleiter Robert Astner rechnet im Gespräch mit der NeuenZeit mit bis zu einer Million Euro mehr Stromkosten. Der Preis für Strom an sich wird für die Gemeinde auf 580.000 Euro steigen. „Da kommen dann noch Steuern, Abgaben und Netzgebühren dazu“, sagt Astner. „Ich weiß nicht, wie sich das ausgehen soll.“

Gemeinden fehlen wegen Teuerung 1,2 Milliarden Euro

St. Andrä ist nicht allein. Den österreichischen Gemeinden fehlen wegen der Teuerung im kommenden Jahr bis zu 1,2 Milliarden Euro. Das berechnet das Zentrum für Verwaltungsforschung (KDZ). Damit trifft die Inflation die heimischen Gemeinden finanziell sogar noch stärker als Corona.

Der SPÖ-Gemeindevertreter-Verband (GVV) sieht die Verantwortung dafür bei der Bundesregierung. „Es braucht akut dringende finanzielle Überbrückungshilfen für die Gemeinden durch den Bund“, fordert GVV-Vorsitzender Andreas Kollross. Gleichzeitig wollen die roten Gemeindevertreter von Türkis-Grün einen „Eingriff in den Markt“: Der Strom- soll vom Gaspreis entkoppelt und somit die Preise gesenkt werden.

Ober-Grafendorf muss Kindergarten-Ausbau sogar stoppen

Energie- und Baukosten sind die größten Preistreiber für die Kommunen. Die niederösterreichische Gemeinde Ober-Grafendorf musste wegen der Preis-Explosion den Ausbau des örtlichen Kindergartens sogar gänzlich absagen. Eine Gruppe auszubauen, würde jetzt mit einer Million Euro doppelt so viel kosten wie noch vor zehn Jahren. Das geht sich einfach nicht aus.

„Es ist mein politisches Ziel, auch für alle unter 3-jährigen Kinder eine Betreuung anzubieten – und zwar kostenlos“, sagt Ober-Grafendorfs Bürgermeister Rainer Handlfinger. „Aber aufgrund der steigenden Energiepreise sowie der explodierten Baukosten ist das Projekt jetzt unmöglich.“

SPÖ will eine Milliarde pro Jahr für Kinderbetreuung

Wenn Kindergärten nicht mehr ausgebaut werden können, leiden auch die Jüngsten – und ihre Eltern – unter der Teuerung. Die SPÖ-Gemeindevertreter fordern von der Bundesregierung neben einer Finanzspritze für die Gemeinden auch eine Milliarde Euro pro Jahr für den Ausbau der ganztägigen Kinderbetreuung.

Vor allem bei Kleinkindern hat Österreich international Aufholbedarf. Nur 23% der unter 3-Jährigen haben laut einer letztjährigen Studie hierzulande einen Betreuungsplatz. Damit liegt Österreich EU-weit im letzten Drittel. Andere Länder wie Dänemark (66% der unter 3-Jährigen werden betreut) oder die Niederlande (65% Betreuungsquote) haben Österreich meilenweit abgehängt.

Philipp Stadler

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Philipp Stadler
Tags: Kinder Kinderbetreuung Lavanttal Ober-Grafendorf Rainer Handlfinger St. Andrä Teuerung

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