Image by Drazen Zigic
Ob in verlassenen Industriehallen oder Open-Air-Locations mitten in der Stadt – Raves verwandeln ganz Wien in ein großes Fest. Raves sind aber mehr als nur irgendwelche Partys: Hier treffen sich Freigeister, Tanzwütige und alle, die es noch werden wollen. Über harte Bässe, verschwitzte Körper und Feminismus haben wir mit PEZZ gesprochen. Die aufstrebende DJ legt am 18. April am Karlsplatz auf.
Angefangen hat alles ganz harmlos, im WG-Zimmer eines Bekannten. Jetzt steht PEZZ erstmals vor einer größeren Crowd. Am 18. April 2025 performt die DJ am Karlsplatz unter dem durchaus politischen Motto: „Move against Fascism“.
In den letzten Jahren ist die Rave-Szene in Wien rasant gewachsen. Veranstaltungen wie die „ZwiDeMu-Reihe“, die zwischen dem Naturhistorischen und dem Kunsthistorischen Museum Wiens stattfinden, ziehen jährlich über 5.000 Besucherinnen und Besucher an. Sie sind ein Magnet für Fans elektronischer Musik wie Techno, Hard Techno und House.
Während Techno und House für ihre basslastigen Rhythmen und experimentellen Klänge bekannt sind, setzt Hard Techno auf härtere und schnellere Beats mit 150 bis 200 BPM (Tempo eines Lieds in Taktschlägen). Auffällig ist zudem die politische Ausrichtung der Szene, die stark von Feminismus und Antifaschismus geprägt ist.
Raves stehen für viele Besucher:innen für Freiheit, Gemeinschaft und ein Lebensgefühl, das mit den Dogmen des Kapitalismus bricht. Trotzdem gibt es auch in dieser Szene noch Lücken. Frauen sind immer noch unterrepräsentiert. Zwar nicht bei den Gästen, aber bei jenen, die auflegen. Frauen machen nur einen kleinen Teil der aktiven DJs aus, die in Wien durch ihre Beats, Körper zum Tanzen bringen. Das scheint sich nun zu ändern.
Eine junge Pionierin der Szene ist „PEZZ“. Hinter diesem Künstlernamen verbirgt sich Pati. Tagsüber ist sie als Sozialpädagogin in einer betreuten WG tätig, nachts legt sie zum „betreuten Tanzen“ auf. PEZZ vermischt 80er-Jahre-Vibes mit schnellen Trance-Beats und bringt die Leute auf den Tanzflächen der Clubs in Wien und Graz zum Ausrasten.
Während autoritäre Machthaber weltweit immer mehr an Einfluss gewinnen, setzt sie ihre Musik für mehr Menschlichkeit, Gleichberechtigung und Solidarität ein. Wie genau sie das macht, könnt ihr euch in dem folgenden SoundCloud-Track anhören:
PEZZ · PEZZ TRANCE SET⎪good mood monday 🍀
„Gegen Faschismus zu sein, hat nichts mit Politik zu tun, das sollte eine Einstellung sein, die jede junge Person in Österreich in die Wiege gelegt bekommen sollte. Österreich ist vorbelastet, wir wissen, was passiert, wenn der Faschismus an die Macht kommt. Ich kämpfe dagegen, und das mit Hilfe meiner Musik“, so Patricia Dudaschek alias PEZZ.
Musik ist für PEZZ nicht nur politisches Ausdrucksmittel, sondern gerade ihre größte Leidenschaft. Wie andere junge Frauen in der Szene hat sie diese erst vor Kurzem für sich entdeckt. Denn die Rave- und DJ-Kultur ist bis heute eher männlich dominiert. Gut, dass sich das nun ändert. „So schnell lasse ich die Musik auf alle Fälle nicht mehr los“, erzählt die 25-jährige PEZZ im Gespräch mit NeueZeit.
Im Gespräch betont die Künstlerin, dass sie mit ihrer Musik einen Safe Space für alle schaffen möchte. Freie Entfaltung für alle ist ihr dabei sehr wichtig. In der Szene solle es möglich sein, genau so zu sein, wie man ist, ohne Angst vor Vorurteilen oder Ausgrenzung haben zu müssen. Alle sollen tragen dürfen, was sie wollen, und lieben können, wen sie wollen. Diversität ist das Herz dieser Bewegung, und genau diese Vielfalt macht die Szene so lebendig. Allerdings stellt sie klar, dass nur Personen willkommen sind, die diese Werte teilen. Für Hass und Diskriminierung gibt es hier keinen Platz, da Raves für Freiheit, Respekt und Zusammenhalt stehen.
„Jetzt wird ja jede:r Techno-DJ“ – wie oft ich diesen Satz schon gehört habe! Klar, ich verstehe, woher das kommt. Aber mal ehrlich: Es macht einfach unglaublich viel Spaß! Und ist es nicht wunderschön, wenn etwas so viele Menschen begeistert, dass sie es gemeinsam leben und lieben?
PEZZ erklärt, dass Musik für sie weit mehr bedeute als nur das Auflegen. Durch sie hat sie unglaublich tolle Menschen kennengelernt, die sie sich nicht mehr aus ihrem Leben wegdenken möchte. Besonders freut sie sich darüber, zu sehen, wer sich ihre Sets auf SoundCloud anhört – schließlich könne man das ja nachverfolgen. Oft musste sie schon schmunzeln, wenn sie gemerkt hat, dass ihre Freund:innen ihre Sets mehrmals am Tag anhörten.
„Dass meine Freund:innen meine Sets mehrmals am Tag anhören, ist schon ziemlich süß!“
Der anhaltende Trend ist eng mit dem Wunsch nach alternativen Ausdrucksformen der Jugendlichen Wiens verbunden. Besonders nach der Corona-Krise, die viele Einschnitte in der Bewegungsfreiheit von jungen Erwachsenen mit sich gebracht hat.
Die Wurzeln der Rave-Kultur liegen in der Underground-Szene der 1980er-Jahre, als DIY (do it yourself)-Partys einen Gegenpol zu Mainstream-Clubs bildeten. In Wien hat sich diese Bewegung weiterentwickelt, beeinflusst durch Kollektive wie „Herzfrequenz“ und „Gesindel der Nacht“. Feministische und antikommerzielle Werte prägen die Szene, die sich inzwischen von einer Randerscheinung zu einem kulturellen Massenphänomen gewandelt hat. Illegale Raves unter der Brücke wurden zu angemeldeten und gesicherten Veranstaltungen.
Raves waren immer mehr als nur wilde Partys – sie sind gelebter Protest! Hier geht es nicht nur um Musik und Tanz, sondern um den Widerstand gegen staatliche Kontrolle und die Zwänge des Kapitalismus. Wer sich in der Szene bewegt, weiß: Unabhängigkeit, Selbstbestimmung und kreative Freiheit stehen an erster Stelle. Kein Wunder, dass sich viele Ravebesucher:innen mit linken, antikommerziellen oder sogar anarchistischen Ideen identifizieren.
Ein zentraler Aspekt von Raves ist Feminismus. Frauen sind nicht nur dabei – sie prägen die Szene maßgeblich! Sie setzen Trends, organisieren Events und sorgen dafür, dass Raves ein Raum für alle bleiben. Und das wurde auch höchste Zeit! Denn die Szene steht vor einer realen Bedrohung: Seitdem rechte Strömungen in Europa wieder erstarken, versuchen immer mehr rechtsradikale Gruppen, sich unter die tanzende Menge zu mischen. Doch die Community bleibt wachsam. Die Message ist klar: Kein Raum für rechte Ideologien – Raves gehören den Menschen, nicht den Hetzer:innen!
„Move against Fascism“ – 18.04.2025
Ein bewegter Protest gegen jegliche Form von Faschismus, der in Europa und auch in Österreich gerade wieder ein Mal an Fahrt aufnimmt
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