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Lieber schön als gesund: Wie Instagram & Co Jugendliche unter Druck setzen

Unerreichbare Schönheitsideale auf Knopfdruck: Das bekommt man, wenn man Soziale Plattformen wie Instagram öffnet. Der Druck permanent schön sein zu müssen steigt. Vor allem innerhalb der Jungen Generation. Was macht das mit den Jungen und wie kann man ihr persönliches Körpergefühl auch abseits unrealistischer Schönheitsnormen stärken?

Schönheitsideale gibt es schon immer. Doch Soziale Medien wie Instagram, Snapchat und Co. überschwemmen junge Menschen geradezu mit unerreichbaren Schönheitsnormen. Ein glatter Bauch hier, ein auftrainierter Po da und hohe Wangenknochen wie aus dem Bilderbuch. Was daran neu ist: Nicht nur Promis, Supermodels oder InfluencerInnen sind die Schablonen, deren Schönheitsideal die Jungen nacheifern wollen. Vor allem sogenannte „Facefilter“, also Filter, die das eigene Gesichter „optimieren“, beeinflussen die neuen Vorstellungen von Schönheit enorm.

Zeig mir dein „Instagram-Face“ und ich sage dir, wer du bist

Was 2015 mit Hundeohren oder Blumenkränzen als virtuelle Erweiterung des eigenen Erscheinungsbildes auf der Instant-Messaging-App „Snapchat“ begann, entwickelte sich schon bald zu einer endlosen Selbstoptimierungs-Spirale. Facefilter sind die neue Schönheits-Chirurgie. Höhere Wangenknochen, Cat-Eyes und volle Lippen: Das gängige Schönheitsideal ist nur einen Klick weit entfernt und so gut wie jedes junge Mädchen und jeder junger Bursche haben bereits ein „gefiltertes“ Bild von sich ins Netz gestellt. Diese gemorphten und makellosen Gesichter führen dazu, dass viele Jugendliche ihr echtes Spiegelbild nicht mehr ertragen können. Bei vielen geht das so weit, dass sich die Gedanken permanent nur noch um die eigenen Makel kreisen. Dann spricht man von Body Dismorphia. Einer krankhaften Störung, die die Sicht auf das eigene Körperbild massiv verzerrt. Das können auch die Anfänge einer Essstörung und einem ungesunden Verhältnis zu seinem eigenen Körper sein.

Schönheitsideale auf Instagram beeinflussen alle Geschlechter gleichermaßen

Unerreichbare Schönheitsideale stürzen alle Geschlechter in Selbstzweifel

Vorstellungen von Normschönheit, so die gängige Erzählung, beeinflussen vor allem Mädchen und junge Frauen. Tatsächlich sind beide Geschlechter dem Körperkult und den Schönheitsidealen auf Instagram gleichermaßen ausgesetzt. Was bei den Mädchen der durchtrainierte Hintern und das „Instagram-Face“ sind, sind bei den Burschen Sixpack und muskulöse Bizeps. Durch die tägliche Überflutung mit vermeintlich perfekten Körpern, entstehen sowohl bei Mädchen, als auch bei Burschen teils massive Selbstzweifel. Gerade letztere haben bei vielen jungen Menschen auch durch die Pandemie zugenommen.

Das psychische Wohlbefinden hat sich drastisch verschlechtert und die Nutzungszeit von Sozialen Plattformen seitens der Jugendlichen rapide nach oben geschnellt. Weil Freunde und echte Kontakte fehlen, berichten viele junge Menschen davon, sich auf Sozialen Plattformen den fehlenden Austausch holen zu wollen. Bis zu sechs Stunden täglich verbringe sie auf Instagram, Tiktok und Co., erzählt ein 19-jähriges Mädchen, mit dem wir gesprochen haben.

Das eigene Körperbild stärken – so geht’s!

Was kann man tun, um diese utopischen Vorstellungen vom „idealen Körper“ und dem „perfekten Gesicht“ abzuschwächen? Die Kulturwissenschafterin Elisabeth Lechner erklärt in ihrem Buch „Riot don’t Diet. Aufstand der widerspenstigen Körper.“, warum wir das Konzept Schönheit nicht nur als Einzelne, sondern als Gesellschaft grundsätzlich hinterfragen müssen. Die Profitgier der Beauty-Industrie ist in ihren Augen ein Hauptverursacher dafür, dass sich so viele junge Menschen mit ihrem Körper unwohl fühlen. Der Schönheitsdruck, dem vor allem junge Menschen ausgesetzt sind, nur ein Nebenprodukt unserer auf Selbstoptimierung getrimmten Gesellschaft.

Die Beratungshotline für Kinder und Jugendliche „Rat auf Draht“ verzeichnete einen Anstieg an Anrufe und Chatanfragen um 159 Prozent seit dem vergangenen Jahr. Ängste, Überforderung mit der Schule, Essstörungen und Selbstzweifel sind nur einige der Themen, die junge Menschen aktuell beschäftigen. Zumindest die letztgenannten Punkte könne man laut Lechner einfach aus dem Weg räumen:

  • Funktionsweise von Soziale Medien hinterfragen: Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene sollen einen bewussten Umgang mit Sozialen Medien erlernen und deren Funktionsweise hinterfragen können.
  • Themen wie Diversity ansprechen: Auf verschiedene Körperformen und deren Normalität könne man bereits im Kleinkindalter hinweisen.
  • Einen gesunden Umgang mit dem Körper vorleben: Ein Körper ist dazu da, um dich gesund durch’s Leben zu begleiten. Wenn Elternteile ihre Gesundheit höher als das Aussehen bewerten, erlernen auch die Kinder, worauf es wirklich ankommt.
  • Bei Mobbing aufstehen: Wenn Menschen, die nicht der gängigen Schönheitsnorm entsprechen, beleidigt werden, solle man sich laut Lechner solidarisieren. Niemand sollte aufgrund seines Aussehens verurteilt werden.

Rat auf Draht hat auch eine eigene Seite für Eltern und Erziehungsberechtigte. Dort gibt es nicht nur Informationen zum Umgang mit utopischen Schönheitsidealen auf Instagram und Sozialen Plattformen, sondern auch fundiertes Wissen zu verschiedensten Kinder- und Jugendthemen:

https://elternseite.at/de/themen/wie-digitale-medien-koerperbilder-beeinflussen

Romana Greiner

Romana recherchiert am liebsten über die großen Ungerechtigkeiten unserer Gesellschaft: Warum bekommt eine Mitarbeiterin 200 Mal weniger Gehalt als der Konzernchef? Wieso sind die Volksschullehrerin oder der Briefträger immer noch so schlecht entlohnt? Als Chefredakteurin leitet sie seit 2023 die NeueZeit und ihr engagiertes Team. Um vom Redaktionsalltag den Kopf frei zu bekommen, ist sie gern in der Natur sporteln oder auf Konzerten.

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Romana Greiner
Tags: Instagram Mentale Gesundheit Schönheitsideale Soziale Medien

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