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In den letzten Jahrzehnten ist unsere Produktivität – also das, was Arbeitskräfte ihrer Firma bringen – deutlich mehr gestiegen als die Löhne. Deshalb fordert der Tiroler FSG-Vorsitzende Bernhard Höfler die sechste Urlaubswoche für alle. Arbeitsminister Martin Kochers Idee, Teilzeitkräften die Sozialleistungen zu kürzen, nennt er „Unsinn“.
In ihrem Buch fordert ÖVP-Generalsekretärin Laura Sachslehner eine „Oma-Karenz“. Sie solle es Großmüttern erleichtern, sich an der Kindererziehung zu beteiligen. Wenn junge Menschen hingegen mehr Zeit für sich oder ihre Familie brauchen und Teilzeit arbeiten, will Arbeitsminister Martin Kocher sie mit geringeren Transferleistungen abstrafen.
Der Tiroler FSG-Vorsitzende Bernhard Höfler wird sehr deutlich, wenn man ihn darauf anspricht: „Über so einen Unsinn diskutiere ich nicht einmal.“ Und Kocher? „Manchmal frage ich mich: Ist er Arbeitsminister oder Konzernlobbyist?“ Statt über Schikanen für Menschen, die Teilzeit arbeiten, will er über eine sechste Urlaubswoche für alle diskutieren. Außerdem über Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich und Lebensarbeitszeitmodelle, die einen fließenden Wechsel zwischen Teil- und Vollzeit ermöglichen. Denn die Löhne seien in den letzten Jahrzehnten deutlich weniger gestiegen als die Produktivität der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Österreich. „Wir fordern da also keine Geschenke, sondern unseren fairen Anteil“, meint Höfler
Denn „wäre das Wirtschaftswachstum der letzten Jahrzehnte fair verteilt, würden wir fast 30 Prozent mehr verdienen“, erklärt der Arbeitsrechtler Marc Deiser vom ÖGB Tirol. Allein von 2020 bis 2022 sind die Gewinne der Unternehmen um 15,6 Prozent gewachsen, rechnet die Arbeiterkammer vor. Die Löhne für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer allerdings nur um 12,6 Prozent.
Eigentlich solle sich die jährliche Lohnerhöhung aus Produktivitätssteigerung und Inflation zusammensetzen, erklärt Deiser. Produktivität ist – vereinfacht gesagt – das, was Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einem Unternehmen bringen. Und sie steigt immer mehr. Bis in die 1980er-Jahre wurde das in die jährlichen Lohnerhöhungen eingerechnet. Seit das nicht mehr passiert, steigt die Produktivität deutlich mehr als die Löhne. Konzerne und Aktionäre kassieren die Differenz bisher als zusätzlichen Gewinn. Das will sich Höfler nicht mehr gefallen lassen. „Da ist eine sechste Urlaubswoche für alle locker drin“, meint er. Das Gleiche gelte für geringere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn.
An Kochers Ideen, Teilzeitarbeit abzustrafen, stört ihn auch, dass es sich viele nicht aussuchen könnten. Denn zahlreiche Jobs gibt es nur als Teilzeitstellen. Er drängt deshalb auf einen Rechtsanspruch für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, zwischen Voll- und Teilzeit zu wechseln. Außerdem brauche es Arbeitszeitverkürzung. Dann wären viele Teilzeitkräfte plötzlich Vollzeit beschäftigt. Das würde zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Weniger Menschen wären trotz Arbeit arm. Und auch Altersarmut würde man so bekämpfen. Denn Teilzeitarbeit ist einer der häufigsten Gründe für sie.
Tatsächlich können viele in Österreich nur Teilzeit arbeiten, weil sie sich um Kinder oder pflegebedürftige Familienmitglieder kümmern müssen. Flächendeckende Kinderbetreuung fehlt nämlich genauso, wie ausreichend leistbare Pflegeangebote. Der Vorschlag Kochers würde bedeuten, Menschen dafür zu bestrafen, dass sie sich um Angehörige kümmern, kritisiert Höfler. Ihm ist allerdings wichtig: Nicht nur Betreuungspflichten seien ein Grund, weniger zu arbeiten. Manchmal wolle man einfach mehr Zeit für sich selbst. Und das sei absolut in Ordnung: „Wir brauchen endlich Arbeitszeitmodelle, die das hergeben“, meint er.
Geht es nach Höfler, sollen sogenannte Lebensarbeitszeitmodelle dafür sorgen, dass die „Arbeit zum Leben passt.“ Sie bieten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Zeit für Kindererziehung, Weiterbildung oder die Pflege Angehöriger.
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