In Australien ist die digitale Sperrstunde für Unter-16-Jährige bereits Realität. Während dort Millionen Accounts gelöscht werden, wächst auch in Österreich der Druck auf die Politik. Staatssekretär Jörg Leichtfried (SPÖ) fordert nun ein Alterslimit für TikTok und Co.
Was vor kurzem noch wie ein kühnes Experiment wirkte, ist in Australien mittlerweile gelebter Jugendschutz. Seit dem Inkrafttreten des strikten Verbots für Jugendliche unter 16 Jahren wurden allein im ersten Monat über 4,7 Millionen Konten auf Plattformen wie Instagram und TikTok deaktiviert. Das Signal an die Tech-Giganten im Silicon Valley ist unmissverständlich: Wer die Altersgrenzen nicht durchsetzt, riskiert Strafen von bis zu 28,5 Millionen Euro. Während Premierminister Anthony Albanese von Kindern berichtet, die wieder „mehr draußen spielen“, dient das Modell weltweit als Blaupause. Auch für Österreich.
Gesetzliche Altersgrenze von 15 Jahren gefordert
In Österreich wird der Ruf nach ähnlichen Leitplanken immer lauter. In der Steiermark befeuerte SPÖ-Landesparteichef Max Lercher bereits im Dezember 2025 die Debatte mit der Forderung nach einem Nutzungsverbot für Unter-16-Jährige – orientiert am australischen Modell.
Nun forciert die österreichische Bundesregierung für das Jahr 2026 eine gesetzliche Altersgrenze von 15 Jahren für die Nutzung sozialer Netzwerke. SPÖ-Staatssekretär Jörg Leichtfried warnt eindringlich, dass Online-Plattformen längst „keine Spielwiese“ mehr seien, sondern Kinderzimmer zunehmend zur Zone für unbemerkte Radikalisierung und extremistische Inhalte würden.
Plattformbetreiber wie TikTok oder Instagram müssen laut Leichtfried stärker in die Pflicht genommen und einen Schutzwall eingezogen werden, der – ähnlich wie bei Altersbeschränkungen für Filme oder Alkohol – die psychische Gesundheit und Sicherheit Jugendlicher priorisiert.
Während in Brüssel bereits seit dem Inkrafttreten des Digital Services Act über strengeren Jugendschutz debattiert wird, fordern Österreichs Politiker nun Tempo. Mittlerweile befürworte eine Mehrheit der Mitgliedsländer ein fixes Mindestalter für die Nutzung von algorithmusgesteuerten Online-Plattformen.
Rückendeckung aus Wissenschaft
Die Dringlichkeit des Handelns belegen auch Studien. In Österreich nutzen drei Viertel der 11- bis 17-Jährigen soziale Netzwerke, wobei die Intensität drastisch steigt: Der Anteil der Jugendlichen mit einer täglichen Smartphone-Nutzung von über fünf Stunden kletterte innerhalb weniger Jahre von 23 % auf 38 % (Mädchen 44 %, Burschen 32 %). Diese Entwicklung birgt laut Wissenschaft gravierende Gesundheitsrisiken wie Beeinträchtigungen der Gehirnentwicklung, psychische Belastungen, Vereinsamung sowie die Gefahr der Radikalisierung und Sucht. Bereits 10 % der Mädchen und 7 % der Burschen weisen starke Suchtanzeichen auf.
Verantwortung der Konzerne statt Strafe für Eltern
Ein zentraler Aspekt der österreichischen Strategie ist die Verantwortung. Leichtfried betont, dass man nicht die Eltern kriminalisieren oder Kinder bestrafen wolle. Die Last der Altersprüfung müsse bei den Betreibern liegen. Technisch sei dies durch digitale Ausweise oder biometrische Verfahren längst möglich.
Zeit für digitale Leitplanken
Die Diskussion um ein Social-Media-Verbot ist in Österreich keine reine Verbotsdebatte mehr, sondern eine Debatte über Fürsorge und Sicherheit. Mit dem australischen Vorbild im Rücken steuert Österreich auf eine Zäsur zu. Es geht darum, den öffentlichen Raum Internet für die Jüngsten wieder sicher zu machen. Wenn das Smartphone zum Einfallstor für Radikalisierung und psychische Instabilität wird, ist Wegschauen keine Option mehr.
