Burgenland

Wieso Chicago die zweite Heimat der Burgenländer:innen ist

Amerika ist „das Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. Das dachten sich auch einige Burgenländerinnen und Burgenländer, die Ende des 19. Jahrhunderts in die USA ausgewandert sind. Denn die meisten Burgenländer:innen außerhalb des Bundeslandes leben in Wien – und in Chicago! Doch warum genau diese Stadt?

Viele Migrationsgeschichten beginnen ähnlich: Zu Hause gibt´s viele Probleme, das Geld für´s Essen ist knapp und man ist mit der Gesamtsituation einfach unglücklich. Die Hoffnung auf ein besseres Leben woanders haben viele Menschen, die beschließen, ihre Heimat zu verlassen.

Ende des 19. Jahrhunderts fassten diesen Entschluss auch große Teile der vorwiegend bäuerlichen Bevölkerung im – damals noch – Deutsch-Westungarn (seit 1921 das heutige Burgenland). Die damalige wirtschaftlich schlechte Lage und die daraus resultierende Armut soll der Grund für die große Auswanderungs-Bewegung nach Chicago gewesen sein.

Die USA – eine neue Heimat für immer?

Die Auswanderer und Auswandererinnen erreichten die USA entweder per Schiff oder mit dem Flugzeug und bauten sich dort ein neues Leben auf. Im Jahr 1939 sollen sogar 21 % (8.200 Personen) des Bezirks Güssing in Amerika gelebt haben. 1970 lebten sogar um die 30.000 Burgenländer:innen in Chicago – das ist die dreifache Einwohnerzahl der burgenländischen Landeshauptstadt Eisenstadt.

Die Beweggründe fürs Auswandern waren unterschiedlich: Die einen wollten dem damaligen Deutsch-Westungarn für immer den Rücken kehren. Die anderen hatten „nur“ das Ziel, in den USA viel zu arbeiten und einen Teil des Gehalts nach Hause zur Familie zu schicken. Sobald man genug Geld zusammengespart hat, wollten viele wieder in die Heimat zurück. Chicago, Pennsylvania und New York zählten zu den beliebtesten Auswanderstädten.

Rund 100.00 Burgenländer:innen leben und lebten in den USA

Es gibt verschiedene Studien darüber, wie viele Burgenländer:innen im Endeffekt tatsächlich in den Vereinigten Staaten leben. Dies gestaltet sich insofern als schwierig herauszufinden, da viele Menschen über ihre Wurzeln nicht wirklich Bescheid wissen. Eine Tirolerin stellte in ihrer Studie fest, dass in Chicago und Umgebung rund 60.000 Menschen mit burgenländischen Wurzeln wohnen. Wenn man Verstorbene und Nachkommen berücksichtigt, soll sich die Zahl der Burgenländer:innen in den USA auf rund 100.000 Menschen belaufen.

Auch heute gibt es noch viele Verbindungen zwischen den Ausgewanderten und dem Burgenland. Seit 1956 gibt es die „Burgenländische Gemeinschaft“ (gegründet in Güssing), die auch in den USA, Kanada, Argentinien, der Schweiz, Südafrika und England vertreten ist. Sie organisiert zum Beispiel jährliche „Auswanderertreffen“, um die Burgenländerinnen und Burgenländer rund um die Welt wieder zusammenzubringen.

Lena Fürst

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