Gesellschaft

Vorstandsbosse verdienen in 5 Arbeitstagen so viel wie ihre Beschäftigten in einem ganzen Jahr

Die Vorstandsbosse der 20 größten Börse-Unternehmen in Österreich verdienen in nur fünf Arbeitstagen genauso viel wie die Beschäftigten im Schnitt in einem ganzen Jahr. Für den durchschnittlichen Jahresverdienst könnte die Chefetage schon am 9. Jänner aufhören zu arbeiten, während Arbeiter und Angestellte noch den Rest des Jahres weiterschuften müssen. Die Arbeiterkammer fordert eine Begrenzung der Lohn-Schieflage.

Am 9. Jänner 2021 ist in Österreich „Fat Cat Day“

Das Jahr 2021 hat noch gar nicht richtig angefangen, aber die Chefs der größten österreichischen Unternehmen könnten bereits wieder aufhören zu arbeiten. Die Vorstandsvorsitzenden verdienen in nur fünf Arbeitstagen genauso viel wie die österreichischen Beschäftigten in einem ganzen Jahr. Der durchschnittliche Verdienst der Vorstandschefs beträgt jährlich 2,2 Millionen Euro. Das mittlere Einkommen eines Beschäftigten in Österreich liegt bei etwas weniger als 33.000 Euro. Weil an Neujahrs- und Dreikönigs-Feiertag sowie am ersten Wochenende des Jahres (2. und 3. Jänner) nicht gearbeitet wird, könnten die Vorstandsbosse am 9. Jänner aufhören zu arbeiten. Und hätten trotzdem gleich viel verdient wie Beschäftigte, die dafür aber noch den Rest des Jahres schuften müssen.

Das ergeben Berechnungen der Arbeiterkammer (AK) Wien, die der Neuen Zeit vorliegen. Die AK errechnet den sogenannten „Fat Cat Day“ – der Tag, an dem das Jahreseinkommen von Beschäftigten durch Vorstandschefs verdient wurde. Heuer ist das der 9. Jänner. In die Berechnungen fließen die Vorstandsvorsitzenden-Gehälter der 20 Unternehmen ein, die im österreichischen Aktienindex ATX gelistet sind. Als durchschnittliches Gehalt der Beschäftigten wird das sogenannte Medianeinkommen angegeben.

Der OMV-Vorstandschef muss für ein Jahresgehalt nur einen Tag arbeiten

Am schnellsten Verdient OMV-Vorstandschef Rainer Seele das durchschnittliche österreichische Jahresgehalt: Er muss nur einen einzigen Tag dafür arbeiten. Die Bosse der Mayr Melnhof AG und der Bawag Gruppe müssen zwei Tage für ein Jahresgehalt arbeiten. Am „schwersten“ hat es Andreas Quint, der Vorstandschef der CA Immobilien. Er muss 16 Arbeitstage für einen Jahresverdienst aufwenden. Unter den 20 Vorstandsvorsitzenden der ATX-Unternehmen befindet sich mit Elisabeth Stadler (Vienna Insurance Group) nur eine einzige Frau.

Die Vorstandsvorsitzenden der 20 ATX-Unternehmen verdienen in nur wenigen Arbeitstagen ein durchschnittliches Jahresgehalt. // Tabelle: Arbeiterkammer Wien

Vorstandsbosse verdienen 67 Mal mehr als ihre Beschäftigten

Das Konzept des „Fat Cat Day“ kommt aus Großbritannien. Für die Berechnung wird angenommen, dass ein Vorstandsvorsitzender 12 Stunden am Tag arbeitet, sich an einem von vier Wochenenden frei nimmt und mit 10 Urlaubstagen plus 9 Feiertagen auskommt. Damit stehen für Vorstandschefs unterm Strich 320 Arbeitstage pro Jahr zu Buche – das sind 3.840 Stunden mit einem stolzen Stundenlohn von 574 Euro. In nur 57 Stunden (bei einem 12-stündigen Arbeitstag also etwas weniger als 5 Tage) verdienen die Topmanager gleich viel wie Arbeiter und Angestellte durchschnittlich in einem ganzen Jahr.

Die Lohnspanne zwischen Vorstandsgehältern und dem Lohn für Beschäftigte liegt damit bei 1:67. Die Chefetage verdient 67 Mal so viel wie ihre Angestellten. 2003 lag das Verhältnis noch bei 1:24.

In 5 Tagen ein ganzes Jahresgehalt verdienen? Für Vorstandsbosse kein Problem.

„Die fetten Jahre für Manager müssen vorbei sein“

Die Arbeiterkammer fordert, auf die zunehmende Schieflage bei den Gehältern zu reagieren. Gerade die vielen Kündigungen in Folge der Corona-Krise stünden in Widerspruch zu den horrenden Manager-Gehältern. Die AK schlägt deshalb vor, die Lohnspanne zwischen den Gehältern für den Vorstand und für die Beschäftigten zu verkleinern. Festlegen kann das der jeweilige Aufsichtsrat der Unternehmen.

Gleiches fordert die Sozialistische Jugend (SJ). „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dürfen nicht länger mit Peanuts abgespeist werden, während sich Manager Millionengehälter auszahlen“, sagt SJ-Vorsitzender Paul Stich. Die Jungsozialisten wollen die Lohnspanne im Verhältnis 1:6 begrenzen – Vorstandsbosse sollen nicht mehr als sechs Mal so viel wie ihre Beschäftigten verdienen. Stich: „Die fetten Jahre für Manager müssen vorbei sein.“

Die Sozialistische Jugend machte mit einer Aktion zum „Fat Cat Day“ 2021 in Österreich vor der OMV-Zentrale auf ihre Forderung aufmerksam: Top-Manager sollen nicht mehr als sechs Mal so viel wie ihre Beschäftigten verdienen! // Bild: SJÖ

Manager-Boni nur unter sozialen Bedingungen

Die Arbeiterkammer schlägt weiter vor, die Auszahlung von Manager-Boni an Ziele zu knüpfen, die dem Gemeinwohl dienen. Vorstandschefs könnten ihre Boni etwa nur dann bekommen, wenn sie Arbeitsplätze sichern der die Arbeitsbedingungen verbessern. Bisher sind die Sonderzahlungen an keine Bedingungen geknüpft.

Eine andere Möglichkeit, das Ungleichgewicht der Gehälter zu verkleinern, wäre wohl eine Vermögenssteuer. In Österreich wird großes Vermögen im internationalen Vergleich bisher kaum besteuert. Die OECD-Länder nehmen durchschnittlich 5,6 Prozent ihrer Steuern aus Vermögen ein. In Großbritannien, Kanada oder den USA sind es sogar über 10 Prozent. In Österreich hingegen stammen nur 1,3 Prozent der Einnahmen aus vermögensbezogenen Steuern.

Philipp Stadler

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