Steiermark

Jede 5. Frau war schon Opfer körperlicher Gewalt- bei psychischer Gewalt sind die Dunkelziffern noch höher

Bei Gewalt gegen Frauen denken die meisten an prügelnde Partner. Dabei sind sie nur die Spitze des Eisbergs. Denn Gewalt kann viele Formen annehmen: körperlich, psychisch, wirtschaftlich oder sozial. 

Gewalt gegen Frauen betrifft immer die anderen. Die meisten denken an sozial abgehängte Männer, die in gewalttätigen Familien aufgewachsen sind und jetzt ihre Partnerin schlagen. Vor allem Männer aus wohlhabenden Gesellschaftsschichten fördern dieses Bild. Denn damit ist von vornherein klar: „Bei uns gibt es das nicht.“ Doch das ist grundfalsch. Und gefährlich: Denn dadurch meinen auch viele Frauen, es sei alles in Ordnung; obwohl sie selbst von Gewalt betroffen sind.

Es braucht kein blaues Auge, um Opfer zu sein

Eine neue Kampagne des Vereins Frauenhäuser Steiermark und des Sozialressorts Steiermark schafft dafür Bewusstsein. Sie zeigt die vielen Gesichter der Gewalt gegen Frauen – nämlich die ihrer Opfer. „Wir zeigen nicht das blaue Auge als typisches Merkmal von Gewalt, sondern machen darauf aufmerksam, dass es keiner sichtbaren Verletzung bedarf, um von Gewalt betroffen zu sein“, erklärt dazu Michaela Gosch vom Verein Frauenhäuser Steiermark.

Gewalt gegen Frauen: „Mit denen triffst du dich nicht!“

Die Kampagne hat dafür fünf Beispiele ausgewählt, die besonders häufig auftreten. Seiner Partnerin zu verbieten, ihre Freundinnen und Freunde zu treffen, ist beispielsweise psychische Gewalt. Da wird ganz bewusst Macht ausgeübt, um Selbstbestimmung zu vermeiden. Ganz nebenbei steigert der eingeschränkte soziale Kontakt natürlich auch die Abhängigkeit vom Partner. Und Hand aufs Herz: Wohl fast jede und jeder kennt meist mehr als nur einen solchen Fall.

„Deine Kinder siehst du nie wieder!“

Viele gewalttätigen Männer gehen noch einen Schritt weiter und bestimmen darüber, wann und warum ihre Partnerin außer Haus gehen darf. Auch immer noch weit verbreitet: Männer, die kontrollieren, wofür ihre Partnerin Geld ausgibt. Das ermöglicht maximale Kontrolle über ihr Leben, denn fast alles kostet Geld.

Häufig ist auch die Drohung, der Partnerin die Kinder wegzunehmen. Besonders bösartig: in diesem Fall wird auch noch Macht über Schutzbefohlene ausgeübt, um die Lebensgefährtin zu erpressen. All das sind Formen schwerer psychischer Gewalt gegen Frauen.

Frauennotruf hilft – rund um die Uhr

Körperliche Gewalt kommt häufig nicht aus heiterem Himmel. Sie kündigt sich an. Psychische Übergriffe sind oft der Beginn einer Gewaltspirale, die schließlich in Schlägen mündet. Auch deshalb ist so wichtig, dass Frauen sich auch gegen vermeintlich harmlose Formen von Beziehungsgewalt wehren. Das ist nicht einfach. Deshalb können sich betroffene Frauen und Mädchen rund um die Uhr an den Notruf des Grazer Frauenhauses wenden – telefonisch oder per WhatsApp unter der Nummer: +43 316 42 99 00

NeueZeit Redaktion

Ähnliche Artikel

  • Oberösterreich

Wohnbau: Lässt Oberösterreich fast 75 Mio. Euro liegen?

Die Bauwirtschaft kämpft mit einer anhaltenden Hochbau-Flaute, gleichzeitig wächst der Bedarf an leistbaren Mietwohnungen. Genau…

28. Januar 2026
  • Advertorial

Hergovich/Weninger: „Unser Druck hat zur EVN-Senkung geführt – Entlastung muss SOFORT kommen!“

Die SPÖ Niederösterreich präsentiert bei der heutigen Pressekonferenz den Energieschwerpunkt ihres „NÖ-Plans“.  Dabei im Fokus:…

27. Januar 2026
  • Sicherheit

Generation Offline: Kommt jetzt Social Media-Verbot für alle unter 15 Jahre?

In Australien ist die digitale Sperrstunde für Unter-16-Jährige bereits Realität. Während dort Millionen Accounts gelöscht…

23. Januar 2026
  • Niederösterreich

„Wer den LUP blockiert, blockiert St. Pölten“

In St. Pölten wird diese Woche gewählt. Gleichzeitig steht die Zukunft des städtischen Bussystems LUP…

23. Januar 2026
  • Oberösterreich

OP-Wartezeiten in Oberösterreich verdoppelt

Die Wartezeiten auf Knie- und Hüftoperationen haben sich in Oberösterreich innerhalb von nur vier Jahren…

23. Januar 2026
  • Gesellschaft

Leihen statt kaufen – die Borgerei in Traiskirchen macht’s vor!

In der Stadtbibliothek Traiskirchen werden längst nicht nur Bücher verliehen: Seit 2022 kann man sich…

22. Januar 2026