Wien

Wiener Volksgarten-Café: Wo die Frauenbewegung entstand

Die Wiener Kaffeehäuser sind berühmt für ihre Mehlspeisen und die vielen großen Denker, die früher ihre Zeit dort verbrachten. Kaum bekannt ist, dass auch der erste Frauenverein Kaffeehaus-Wurzeln hat: Die Pionierinnen der Frauenbewegung in Österreich trafen sich im Volksgarten-Cafe. Trotz Widerstand der Männer.

Wenn etwas charakteristisch für die Hauptstadt Österreichs ist, dann ist es die Kaffeehauskultur. Zurecht, denn Wien und insbesondere seine Kaffeehäuser hatten anscheinend eine fast mystische Anziehungskraft für zahlreiche Intellektuelle und Revolutionäre des 19. Jahrhunderts. Inmitten der hohen Wände, schweren Holztische und zynischen Obern sprudelte die Inspiration und der Drang für neue Taten.

Nicht umsonst erklärte die UNESCO die Wiener Kaffeehauskultur im Jahr 2011 zum immateriellen Kulturerbe. Berühmte Persönlichkeiten wie der Psychologe Sigmund Freud, der Schriftsteller Arthur Schnitzler oder der Revolutionär Lenin waren Stammgäste. Das Kaffeehaus prägte sie und sie prägten das Kaffeehaus. Eine Gruppe an Persönlichkeiten jedoch wird oft vergessen: Der erste Frauen-Verein Österreichs traf sich regelmäßig im Wiener Volksgarten-Café.

Österreichs Frauenbewegung trifft sich im Volksgarten-Cafe

Die Adelige Karoline von Perin-Gradenstein gründete am 28. August 1848 den Verein „Wiener Demokratische Frauen“. Ihre Versammlungen fanden regelmäßig im Volksgarten-Cafè statt. Die Zielsetzung des Vereins war die Gleichberechtigung der Frauen, insbesondere der Zugang zur Bildung. Die Pionierinnen der Frauenbewegung in Österreich hatten es nicht einfach: Sie mussten sich bei ihren Versammlungen mit Männern herumschlagen, die sie im besten Fall belächelten, im schlimmsten Fall mit Gewalt drohten.

Obwohl der Verein zum Großteil aus adeligen und bürgerlichen Mitgliedern bestand, waren seine Ziele dennoch von revolutionärem Charakter. Die Vereinsmitglieder solidarisierten sich mit Arbeiterinnen und allen Frauen, die benachteiligt wurden. In ihren Statuten wurde unter anderem gefordert, dass es zwischen den Mitgliedern keine privilegierten Stellungen gibt. Verheiratete und unverheiratete Frauen waren gleichgestellt. Männer durften sich im Verein zwar beteiligen, allerdings nicht als aktive Mitglieder. Das bedeutet: bei den Sitzungen durften sie in Ausnahmefällen teilnehmen, Stimmrecht hatten sie keines.

Die Revolution wurde im Oktober 1848 niedergeschlagen und mit ihr der Demokratische Frauen-Verein – nur zwei Monate nach seiner Gründung. Karoline von Perin-Gradenstein wurde verhaftet, ihr Lebensgefährte Alfred Julius Becher erschossen.

Verein für Arbeiterinnen und alle Frauen

Der „Wiener Demokratische Frauen-Verein“ ebnete weiteren Frauen-Bewegungen den Weg. Er war der erste Verein, der nicht nur wohltätige, sondern auch politische Ziele verfolgte. An dem Ort, an dem 1848 österreichische Frauengeschichte geschrieben wurde, findet man heute Longdrinks und die neuesten Charts. Denn heute ist das Volksgarten Café der bekannte Club, den Wienerinnen und Wiener „Voga“ nennen.

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NeueZeit Redaktion

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