Wien

Japanischer Zwilling: Wieso in Osaka die Müllverwertungs-Anlage Spittelau steht

Die farbenprächtige Müllverwertungs-Anlage Spittelau gehört zum Wiener Stadtbild. Doch schlendert man im fernen Japan an der Bucht von Osaka entlang, lässt sich unschwer eine nahezu identische Kopie erkennen. Weshalb wurde die Müllverwertungsanlage Spittelau in Japan nachgebaut?

Es war in den 1990er Jahren, als der Bürgermeister der japanischen Stadt Osaka auf Besuch nach Wien kam. Dabei war das japanische Stadtoberhaupt vor allem von einer Sache in Wien besonders angetan: Der Müllverwertungs-Anlage Spittelau.

Japan baut Müllverwertungsanlage Spittelau nach

Das mit modernster Umwelttechnologie und einer fantasievollen Außenfassade des Wiener Künstlers Hundertwasser ausgestattete Fernwärmewerk Spittelau begeisterte den Bürgermeister von Osaka. Er war derart beeindruckt, dass er entschloss, die bereits fertiggeplante Müllverbrennungsanlage in seiner Heimatstadt nochmals umzuplanen. Auch in Japan versetzte der Künstler Hundertwasser der Industrieanlage ein farbenprächtiges und märchenhaftes Aussehen. Die bunte Anlage wurde zum Besuchermagnet Osakas und zieht jährlich mehr als 16.000 Besucherinnen und Besucher an. Und das alles, weil dem Bürgermeister aus Japan die Müllverwertungsanlange Spittelau so gut gefallen hat.

Doch nicht nur der Zwilling in Japan ist einen Besuch wert.

Die Müllverwertungsanlage Spittelau wurde in Japan nachgebaut. Hier ist sie in Wien von der U-Bahn aus zu sehen. // Bild: Wikimedia/Linie29, Link: https://tinyurl.com/yxtzda8q

Grauer Start und Großbrand

Das Kraftwerk in der Spittelau war nicht immer bunt. In den 1960ern geplant und einst grau, war sie der Start für eines der größten Fernwärmenetzte Europas – das Wiener Fernwärmenetz. Die 1971 fertiggestellte Anlage versorgte 16 Jahre lang viele Wiener Haushalte mit Strom und Wärme.

Am 15. Mai 1987 kam es zu einem Großbrand, der beinahe die gesamte Anlage zerstörte. Was aus der Brandruine werden sollte, war anfangs noch ungeklärt. Die Opposition sprach sich für einen Abriss aus, die Wiener Stadtregierung unter SPÖ-Bürgermeister Helmut Zilk entschied sich aber für einen Wiederaufbau des Standorts. Schließlich war die komplette Fernwärme-Infrastruktur vorhanden und der Abfall musste nicht zu einem weiter entfernten Standort transportiert werden.

Hundertwasser: Spittelau soll zur modernsten Anlage Europas werden

Der damalige Bürgermeister Helmut Zilk gab den Wiederaufbau in Auftrag. Mit der Neugestaltung der Fassade wurde der Künstler und Umweltaktivist Friedensreich Hundertwasser beauftragt. Der Meister nahm das Angebot nur unter der Bedingung an, dass die Anlage Spittelau zur modernsten und saubersten Müllverbrennungsanlage Europas gemacht wird. Bürgermeister Zilk akzeptierte die Bedingung: Die neue Verbrennungsanlage wurde mit der modernsten Umwelttechnologie und Rauchgasfiltern versehen.

Überzeugt von der grünen Technologie, gestaltete der Künstler das Leuchtturmprojekt sogar kostenlos. Er verpasste dem Industriekomplex ein farbenprächtiges Antlitz. Die goldene Kugel, die auf einer über 100 Meter hohen himmelblauen Säule prangt, symbolisiert mit den goldenen Ringen den Weg in eine bessere, schönere und abfallfreie Welt. Auch die Farben der Fassade wurden naturnah von Hundertwasser selbst hergestellt.

Neueste Umweltstandards

Die thermische Verwertung von Müll ist die umweltfreundlichste Methode der Entsorgung. Die Müllverbrennungsanlage Spittelau gehört damit zu den modernsten und saubersten Abfallverwertungen weltweit. Stetig werden Prozesse optimiert, neue Technologien getestet und das Kraftwerk an die neuesten Standards und Herausforderungen angepasst. Durch die Generalsanierung von 2012 bis 2015 wird Energie noch besser genutzt – die produzierte Strommenge konnte sogar verdreifacht werden.

Die Anlage versorgt heute 50.000 Wiener Haushalte mit Strom und 60.000 Haushalte mit Wärme. Das Wiener Fernwärmenetz insgesamt ist eines der größten Europas. Die umweltfreundliche Fernwärme spart in der Stadt jährlich rund 1,5 Millionen Tonnen CO2 ein.

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Michael Haider

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