Klimakrise

Salz-Batterien aus Österreich: Grazer Tech-Start-up entwickelt nachhaltige Stromspeicher

Stromspeicher auf Basis von Salz bzw. Natrium-Ionen-Speicher entwickelt das Grazer Tech-Start-up Kite Rise Technologies. Die Akkus sollen etwa in Kombination mit Photovoltaik-Anlagen Betrieben, Landwirten und Privathaushalten den Umstieg auf eine grüne Stromspeicherung ermöglichen. Der Speicher ist nicht auf die knappen Rohstoffe Lithium und Kobalt angewiesen – wie aktuell die meisten handelsüblichen Batteriespeicher. Das macht den Energiespeicher umweltfreundlicher, sicherer und nachhaltiger. Nicht nur in der Produktion, sondern auch in der Entsorgung.

Die Energiewende ist wohl eines der dringendsten Anliegen unserer heutigen Gesellschaft. Um die von der EU und den Vereinten Nationen formulierten Klimaziele bis 2030 zu erreichen, braucht es mehr erneuerbare Energien und weniger Treibhausgasemission.

So müssen sich Unternehmen, gewerbliche Betriebe, aber auch private Haushalte in Zukunft um eine nachhaltige Energieversorgung bemühen. Der Bedarf an nachhaltiger Stromspeicherung steigt beständig: Sei es als Schnellladestationen für E-Autos, zur Abdeckung eines erhöhten Energiebedarfs oder als Stromspeicher für Solar- und Windkraft.

Nicht die Gewinnung, sondern die Speicherung von erneuerbaren Energien ist das Problem

In Österreich liegt der Nettoverbrauch an erneuerbaren Energien mit 36,5 % vergleichsweise hoch. Um diese noch umfangreicher nutzen zu können, braucht es geeignete Stromspeicher. Und genau da liegt das Problem: Die gängigen Stromspeicher bestehen zumeist aus Lithium und Kobalt. Da haben wir auf der einen Seite erneuerbare Energien aus Wind- und Photovoltaikanlagen und auf der andern Seite Energiespeicher aus giftigen und umweltschädlichen Rohstoffen. Hier setzt das Grazer Tech-Start-up Kite Rise Technologies an.

„Wir brauchen umweltverträgliche Speichersysteme, nur so kann die Energiespeicherung der Zukunft nachhaltig sein“, sagt Stefan Brandstätter, einer der vier Gründer von Kite Rise Technologies. 

Die Idee: Batterien auf Salz-Basis, statt umweltschädliche Lithium-Ionen-Akkus

Natrium-Ionen-Zellen gelten als ökologischer Meilenstein in der Batterieentwicklung, denn für ihre Herstellung braucht man weder Lithium, Kobalt noch Nickel. Der Abbau dieser Rohstoffe ist problematisch, da er teilweise unter menschenrechtswidrigen Bedingungen stattfindet und dazu umweltschädlich ist. Bei der Lithium-Gewinnung kommt es immer wieder zu Vertreibungen der lokalen Bevölkerung in den Abbaugebieten und der Wasserverbrauch ist hoch. Dazu kommen Umweltverschmutzungen durch den Einsatz von Chemikalien beim Abbau.

Natrium hingegen ist eines der häufigsten Elemente der Erde und baut sich auf natürliche Weiße ab. Das vereinfacht den Abbau und die Entsorgung gleichermaßen. Aktuell befindet sich die Salzbatterien von Kite Rise in der Entwicklungsphase. Doch soll die Produktion bereits 2024 starten.

Natrium-Ionen-Akkus sind kein Gefahrengut

Im Unterschied zu Lithium-Ionen-Akkus können Natrium-Ionen-Akkus vollständige entladen werden. Dies vereinfacht den Transport und die Lagerung, da die Batterien kein Gefahrengut mehr darstellen. Mit den salzbasierten Speichern wird die Zukunft der Stromspeicherung nachhaltiger: in der Herstellung, der Lagerung, beim Transport und in der Entsorgung. 

Die Automobilindustrie setzt weiterhin auf Lithium-Ionen-Batterien

Da die Automobilbranche verstärkt auf die Lithium-Ionen-Batterien setzt, sind die mobilen Speichersysteme aktuell technologisch höher entwickelt als stationäre Systeme, die zur Speicherung von erneuerbaren Energien in Häusern oder Unternehmen verwendet werden. 

Die Gründer von Kite Rise Technologies kommen selbst aus der Automobilbranche. 2021 haben sie ein eigenes Tech-Start-up gegründet, um das Know-how aus der Autobranche auf den Bereich stationärer Systeme zu übertragen.

Laut dem Marktforschungsunternehmen IDTechEx wird sich zwischen 2020 und 2030 die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien in der Automobilbranche verzehnfachen.

Zu Hause oder im öffentlichen Stromnetz: Ein stationärer Stromspeicher gleicht wetterbedingte Schwankungen aus 

Wetterbedingte Schwankungen in der Solar- und Windkraft Energieerzeugung können nur bedingt ausgeglichen werden. Die Einspeisung der erneuerbaren Energien in das allgemeine Stromnetz unterliegt einer physikalischen Grenze. Durch leistungsstarke Stromspeicher könnte sich dies ändern, da die überschüssige Energie zwischengespeichert werden kann und nicht verloren geht. 

Grüner Strom aus Wind- und Solarkraft braucht leistungsstarke und nachhaltige Stromspeicher, zB aus Natrium-Ionen-Speicher.

Aktuelle Stromspeicher für zu Hause haben mit 10kW noch eine relative geringe Leistung. Der Energiespeicher von Kite Rise soll bis zu 300kW leisten. Hiermit könnten nicht nur die erwähnten Wetterschwankungen ausgeglichen, sondern beispielsweise auch ein erhöhter Strombedarf im gewerblichen Bereich gedeckt werden. 

Ingo Geiger

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