International

Spanien führt Reichensteuern ein, um Gesundheitsversorgung & Sozialstaat zu sichern

Die linke Regierung in Spanien führt Reichensteuern ein. Die Corona-Pandemie trifft das Land so schwer wie kaum ein anderes. Um das Gesundheitssystem und den Sozialstaat weiter aufrecht erhalten zu können, bittet die Regierung nun Superreiche und Großunternehmen verstärkt zur Kasse.

Spanien wird von der Corona-Pandemie besonders hart getroffen. Mehr als eine Million Spanierinnen und Spanier haben sich bereits mit dem Virus infiziert, fast 35.000 sind daran verstorben. Die Krankenhäuser geraten an ihre Kapazitätsgrenzen. Deshalb rief das Land erst kürzlich wieder den Gesundheitsnotstand aus.

Auch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise treffen die Menschen in Spanien hart: Die Arbeitslosenquote stieg im Sommer auf über 16 Prozent an, das Bruttoinlandsprodukt soll 2020 um 11,2 Prozentpunkte einbrechen.

Linke Regierung kündigt Steuern für Superreiche und große Unternehmen an

Die spanische Regierung setzt zur Bekämpfung der Krise jetzt auf höhere Steuern für Superreiche und große Unternehmen. Die Regierung aus sozialdemokratischer PSOE und der Linkspartei Podemos kündigt die Einführung von Reichensteuern an.

Großunternehmen sollen durch eine Erhöhung der Körperschaftssteuer, der Steuer auf Unternehmensgewinne, verstärkt zur Kasse gebeten werden. Für Superreiche wird die Einkommenssteuer angehoben: Sie sollen ab 300.000 Euro Jahreseinkommen um zwei Prozentpunkte höhere Steuern zahlen. Und auch große Vermögen sollen bei der Finanzierung der Corona-Krise mithelfen. Privatvermögen sollen ab einem Wert von 10 Millionen Euro besteuert werden.

Reichensteuer soll Spaniens Sozialstaat sichern

Die zusätzlichen Einnahmen will die spanische Regierung unter Premierminister Pedro Sánchez für den Sozialstaat nutzen. Der ist durch die Corona-Pandemie in Finanzierungsnöten. Die neuen Reichensteuern sollen das belastete Gesundheitssystem finanzieren – dafür sind um 150 Prozent mehr Gesundheitsausgaben geplant. Auch kleineren und mittleren Unternehmen soll finanziell geholfen werden, um Arbeitsplätze zu sichern.

In Österreich wird Vermögen kaum besteuert

In Österreich ist eine Steuer für Superreiche zur Finanzierung der Krisenkosten bisher kein Thema. Und das, obwohl Vermögen in Österreich im internationalen Vergleich kaum besteuert wird. Die OECD-Länder nehmen durchschnittlich 5,6 Prozent ihrer Steuern aus Vermögen ein. In Großbritannien, Kanada oder den USA sind es sogar über 10 Prozent. In Österreich hingegen stammen nur 1,3 Prozent der Einnahmen aus vermögensbezogenen Steuern.

Österreich zählt zu den Schlusslichtern bei den vermögensbezogenen Steuereinnahmen in Prozent aller Steuereinnahmen. // Quelle: OECD mit Daten von 2015, Grafik: Arbeiterkammer OÖ

Die Kanzlerpartei ÖVP ist aber strikt gegen die Einführung von Steuern für Reiche. Der grüne Koalitionspartei ist grundsätzlich für Vermögenssteuern, aber erst nach der Krise. Von den fünf im Nationalrat vertretenen Parteien ist derzeit nur die SPÖ dafür, Superreiche stärker zur Kasse zu bitten.

Philipp Stadler

Ähnliche Artikel

  • Oberösterreich

Wohnbau: Lässt Oberösterreich fast 75 Mio. Euro liegen?

Die Bauwirtschaft kämpft mit einer anhaltenden Hochbau-Flaute, gleichzeitig wächst der Bedarf an leistbaren Mietwohnungen. Genau…

28. Januar 2026
  • Advertorial

Hergovich/Weninger: „Unser Druck hat zur EVN-Senkung geführt – Entlastung muss SOFORT kommen!“

Die SPÖ Niederösterreich präsentiert bei der heutigen Pressekonferenz den Energieschwerpunkt ihres „NÖ-Plans“.  Dabei im Fokus:…

27. Januar 2026
  • Sicherheit

Generation Offline: Kommt jetzt Social Media-Verbot für alle unter 15 Jahre?

In Australien ist die digitale Sperrstunde für Unter-16-Jährige bereits Realität. Während dort Millionen Accounts gelöscht…

23. Januar 2026
  • Niederösterreich

„Wer den LUP blockiert, blockiert St. Pölten“

In St. Pölten wird diese Woche gewählt. Gleichzeitig steht die Zukunft des städtischen Bussystems LUP…

23. Januar 2026
  • Oberösterreich

OP-Wartezeiten in Oberösterreich verdoppelt

Die Wartezeiten auf Knie- und Hüftoperationen haben sich in Oberösterreich innerhalb von nur vier Jahren…

23. Januar 2026
  • Gesellschaft

Leihen statt kaufen – die Borgerei in Traiskirchen macht’s vor!

In der Stadtbibliothek Traiskirchen werden längst nicht nur Bücher verliehen: Seit 2022 kann man sich…

22. Januar 2026