Gesellschaft

Wien. Taylor’s Version.

Ein Gastkommentar von Sonja Kato.

Die auf Grund geplanter Terroranschläge abgesagten drei Taylor-Swift Konzerte in Wien hätten abgesehen von einer unfassbaren menschlichen Tragödie auch zu einem kommunikativen Super-Gau, für die Stadt Wien, für den Veranstaltungsstandort und für unser Bild in der Welt werden können. Aber es kam anders. Die gesamte Stadt wurde zur Bühne.

Sonja Kato ist Kommunikations-Strategien, Moderatorin und Leadership Coach, vor allem aber Wienerin. Für die NeueZeit fasst sie zusammen, wie ihre Heimatstadt im August 2024 vor den Augen der Welt zur Welt-Haupt-Stadt der Liebe wurde.

Gastkommentar von Sonja Kato

Als am Abend des 7. August 2024 die Absage für alle drei in Wien geplanten Taylor-Swift Konzerte über die EILT-Meldungen auf unseren Handys landeten, war abgesehen vom Schreck sehr schnell auch das Narrativ von einem überforderten Standort da. Von einem zu kleingeistigen Management aber auch von der Stadt Wien als unsicherer Ort. Manche politische Parteien fingen sofort mit Schuldzuweisungen an, besonders pietätlos, wenn man bedenkt, dass da noch den meisten Ticketbesitzer:innen der Schreck über einen möglichen Anschlag in den Knochen saß.

Ruhig hingegen blieben in dieser ersten Hektik die Stadt Wien, ihre Organisationen. Etwa der Wien Tourismus, aber auch ihre verschiedenen Behörden und Dienststellen waren dabei aber, wie sich später herausstellte, alles andere als untätig. Sobald die Lage unter Kontrolle gewesen ist, hat dann das eingesetzt, was selbst gelernte Wiener:innen in Erstaunen versetzt hat. 

Erinnern sie sich noch an das „Schleich di Du Oaschloch“ eines Anrainers als Reaktion auf die Anschläge vom Herbst 2020? Es schien, als ob genau diese Stimmung wieder von der Stadt Besitz ergriffen hat.

„Wir lassen uns von niemandem unsere Lebensweise verbieten“, so der – gefühlte – Tenor vom Eisverkäufer bis zur Taxifahrerin.

Die gesamte Stadt wird zur Bühne

Wien hat in einer Sekunde auf Solidaritäts-Modus geschaltet. Selbst, wenn manch Wiener:in  „Swift“ wohl davor nur für ein Staubfang-Gerät gehalten haben. Über Nacht war ganz Wien ein „Swiftie“ und wir alle jedenfalls solidarisch mit unseren Gästen, die sich zum Teil jahrelang auf dieses Ereignis gefreut, Kostüme geschneidert und Song-Texte gelernt hatten.

Es setzte das Momentum ein, das seither über zigtausende Handys in die ganze Welt gestreamt wird. Die ganze Stadt wurde zur Bühne – die Kulisse der Eras-Tour ist jetzt um Stephansdom, Corneliusgasse und Staatsoper erweitert worden. Marketingtechnisch: unbezahlbar.

Der Hashtag, der dazu seit Anfang August um die Welt geht, ist passenderweise: #svienna. Die derzeit bedeutendste Musikerin der Welt, der größte Popstar, den das Business je gesehen hat und die Kulturhauptstadt an der Donau, die seit zehn Jahren als lebenswerteste Stadt der Welt bewertet wird, fusionierten in diesem Sommer gefühlt zu einer Marke. Im Markenkern: Lebensfreude, Freundschaft, Freiheit und Liebe.

Von Bürgermeister Michael Ludwig abwärts, gemeinsam mit wesentlichen Playern in der Wirtschaft und Hotellerie, bis hin zu kleinen Unternehmen haben alle erkannt: hier geht es um UNSERE Stadt, UNSERE Werte als weltoffene Kultur-Metropole, als lebenswerteste Stadt der Welt.

Abgesagte Taylor Swift Konzerte in Wien – Swifties machen das Beste draus

Und auch wenn das Stadion für die drei Konzerte möglicherweise kein sicherer Ort gewesen wäre – die ganze Stadt war in den letzten Tagen ein „safer space“.

Was als Albtraum begann, verwandelte sich zum größten Städte-PR-Coup. Oder, wie Taylor Swift singen würde: „We can do it with a broken Heart“. 

Und wie wir es getan haben: eine ganze Stadt war geflutet von Freundschaft, Liebe, Solidarität und Lebensfreude. Vor allem für Frauen und queere Personen war dieses „sich den öffentlichen Raum nehmen“ auch ein Akt der Selbstermächtigung. Wie schön, dass Wien diesen Raum gehalten hat.

„Wien hat der ganzen Welt gezeigt, dass Liebe größer als Hass ist.“

So stand es in tausenden Posts der letzten Tage. Wer dabei war, kann dem nur zustimmen. Wien. Taylor‘s Version, feat. Swifties.

Sonja Kato

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