Gesellschaft

Ökonom Piketty: Jeder soll zum 25. Geburtstag 120.000€ bekommen

Der französische Ökonom Thomas Piketty fordert, dass alle Bürgerinnen und Bürger zu ihrem 25. Geburtstag 120.000 Euros bekommen. Dieses „Startgeld“ würde jungen Menschen viele Möglichkeiten eröffnen, etwa den Kauf einer Wohnung oder die Gründung einer eigenen Firma – und die Menschen müssten keine Jobs mit miserablen Arbeitsbedingungen mehr annehmen. Die Maßnahme soll die wachsende Ungleichheit verkleinern und aus Vermögenssteuern finanziert werden, so der Ökonom.

Vermögen ist weltweit ungleich verteilt – auch in Österreich. Das reichste Prozent der Bevölkerung besitzt hierzulande 40,5% des gesamten Vermögens (also Immobilien, Aktien, Geld am Konto, usw. zusammengerechnet). Die ärmere Hälfte der Österreicherinnen und Österreicher besitzt hingegen nur 2,5% des Vermögens.

Um diese Ungleichheit zu verkleinern, macht der französische Starökonom Thomas Piketty einen ungewöhnlichen Vorschlag: Alle sollen zu ihrem 25. Geburtstag 120.000 Euro vom Staat geschenkt bekommen. Das würde den jungen Menschen viele Möglichkeiten eröffnen, sagt der Ökonom. Sie könnten damit etwa ein eigenes Unternehmen gründen, ein Haus oder eine Wohnung kaufen wären nicht mehr gezwungen, Jobs mit schlechten Arbeitsbedingungen anzunehmen.

Im Detail schlägt Thomas Piketty vor, jeder Person zum 25. Geburtstag ein Grundvermögen von 60% des Durchschnittsvermögens zu überweisen. Für Frankreich, das Herkunftsland des Ökonomen, wären das 120.000 Euro. In Österreich bekämen junge Menschen nach Pikettys Rechnung rund 50.000 Euro „Startgeld“ ins weitere Leben.

Die Maßnahme soll für Umverteilung sorgen und die Ungleichheit verkleinern, statt sie weiter anwachsen zu lassen.

Wer ist Thomas Piketty?

Heute ist der französische Ökonom Thomas Piketty 50 Jahre alt. Seinen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften machte er bereits mit 22 Jahren, mit 26 wurde er Professor am „Massachusetts Institute of Technology“. Piketty ist Gründungsdirektor der „Paris School of Economics“ und forscht vor allem im Themenbereich der sozialen Ungleichheit. Sein bisher einflussreichstes Buch erschien 2013 unter dem Titel „Das Kapital im 21. Jahrhundert“.

Thomas Piketty: 120.000 Euros pro Person mit Vermögenssteuern finanzieren

Finanzieren will Piketty die Geldspritze für junge Menschen mit einer stärkeren Besteuerung von großen Vermögen und Einkommen. Besonders hohe Einkommen sollen mit einem Spitzensteuersatz von bis zu 90% besteuert werden. Die Idee dahinter: Endloser Reichtum soll abgeschafft werden – wer zu viel verdient, soll fast seine gesamtes Spitzeneinkommen mit Steuern zurückzahlen.

Die Steuern auf Vermögen sollen laut Piketty höher sein als der durchschnittliche Vermögenszuwachs, auch so kann weiteres Wachstum von großen Vermögen verhindert werden.

In Österreich wird das Vermögen von Superreichen derzeit gering besteuert. Nur 1,3% der Steuereinnahmen stammen aus vermögensbezogenen Steuern. Der OECD-Schnitt liegt bei 5,6%, manche Staaten wie Kanada (11,8%) oder Großbritannien (12,5%) nehmen sogar noch mehr mit Steuern auf Vermögen ein.

Piketty: 50% der Aufsichtsrats-Sitze für Arbeiter

Den Vorschlag des „Startgeldes“ für junge Menschen macht Thomas Piketty in seinem 2020 erschienen Buch „Kapital und Ideologie“. Darin schlägt der Ökonom ein neues System vor, das er „Partizipativen Sozialismus“ nennt. Neben den 120.000 Euro für alle 25-Jährigen fordert Piketty auch mehr Mitbestimmung für Arbeiterinnen und Arbeiter. Piketty will die Hälfte der Aufsichtsratssitze für Arbeiter reservieren.

Teil des neuen Systems soll auch „Bildungsgerechtigkeit“ sein. Derzeit gehe der größte Teil der Investitionen an privilegierte Schulen, die hauptsächlich von Reichen besucht werden. Das müsse umgedreht werden, sagt Piketty.

Gewinne aus Kapital wachsen stärker als die Wirtschaft insgesamt

Internationale Aufmerksamkeit erregte Thomas Piketty erstmals mit seinem Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“, das 2013 erschien und mittlerweile zu den bedeutendsten ökonomischen Werken der Gegenwart zählt. Auf mehr als 800 Seiten thematisiert Piketty die wirtschaftliche Ungleichheit ganz grundlegend.

Eine einfache Formel aus seinem Buch erlangte Berühmtheit: r > g

„r“ bezeichnet die Kapitalrendite, also die Gewinnspanne, die mit dem Einsatz von Geld erreicht werden kann. Und „g“ meint das allgemeine Wirtschaftswachstum. Solange „r“ größer ist als „g“, solange also die Gewinne aus Kapital größer sind als das Wirtschaftswachstum, solange nimmt die Ungleichheit zu, sagt Piketty. Und das sei weltweit seit Jahrzehnten der Fall.

Philipp Stadler

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Philipp Stadler
Tags: Thomas Piketty Ungleichheit Vermögen Vermögenssteuer Vermögensverteilung

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