Analyse

Fair verteilen: Weniger Steuern auf Arbeit, mehr Steuern für Großkonzerne und Millionäre!

Was wird aus der Supermarktkassiererin, wenn die Selbstbedienungskassa übernimmt? Was geschieht mit dem Bodenpersonal am Flughafen, wenn Automaten das Check-in und die Kofferaufgabe erledigen? Dass die Digitalisierung langfristig unsere Arbeit übernimmt, scheint unausweichlich. Aber wollen Mitarbeiter und Kundinnen das eigentlich? Und wer profitiert wirklich davon, wenn Maschinen den Menschen ersetzen?

Immer mehr Firmen ersetzen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch Maschinen, Roboter und Computer. Das mag in vielen Bereichen wünschenswert und sinnvoll sein. Technische Lösungen erledigen die Arbeit schneller und sind weniger fehleranfällig. In vielen anderen Bereichen geht aber vor allem eins verloren: die Menschlichkeit.

Im Supermarkt, im Gasthaus oder beim Verreisen: Die Digitalisierung erobert immer mehr unseren Alltag. Sei es die Selbstbedienungskassa, der Roboter, der das Essen serviert oder der automatische Check-In-Schalter am Flughafen. Der treibt zwar regelmäßig Reisende schon auf die Palme, bevor sie überhaupt ihre Urlaubs-Insel betreten haben. Doch für die Fluglinien zahlt er sich aus, sie sparen dadurch menschliches Personal ein.

Das Beispiel zeigt: Von der Digitalisierung profitieren vor allem die Unternehmerinnen und Unternehmer. Denn wenn ein Roboter unzählige menschliche Arbeitskräfte ersetzen kann, bleibt am Ende mehr Profit für die Chefetagen übrig. Deshalb fordern Arbeitnehmervertreterinnen und Gewerkschafter eine sogenannte Wertschöpfungsabgabe – die soll den Zusatzgewinn, den Unternehmen durch den Einsatz von Robotern und künstlicher Intelligenz machen, als Steuern wieder an die Allgemeinheit zurückführen.

Wertschöpfungsabgabe: Wer Arbeitnehmer durch Maschinen ersetzt, soll mehr Steuern zahlen 

Österreich kassiert deutlich mehr Steuern auf Löhne und das, was wir einkaufen, als andere Staaten. Aber Unternehmerinnen und Unternehmer müssen keine Abgaben zahlen, wenn sie menschliche Arbeitskräfte durch Maschinen ersetzen.

Immer mehr Menschen sind deshalb arbeitslos, oder haben unsichere, schlecht bezahlte Jobs. Gleichzeitig  machen Großkonzerne immer mehr Gewinn, weil sie Menschen durch Maschinen und Künstliche Intelligenz ersetzen. In manchen Feldern, wie beispielsweise der Medizin, sind computergestützte Diagnostikverfahren sicher wünschenswert. Ob ich im Supermarkt oder Restaurant wirklich lieber von einem Roboter bedient werde, sei dahingestellt.

Ein Sozialstaat funktioniert nur, wenn jede und jeder seinen Beitrag leistet

Dabei machen menschliche Begegnungen und soziale Beziehungen das Fundament einer funktionierenden Gesellschaft aus. Mit dem Supermarktkassier kann ich mich unterhalten. Die Kellnerin im Lokal schenkt mir vielleicht ein Lächeln. Und wenn ich mich in der Parkgarage oder am Bankschalter nicht auskenne, wird mir ein Mensch besser helfen können, als eine automatisierte Tonbandstimme.

Was oft übersehen wird: Unternehmen „rationalisieren“ nicht nur Arbeitsplätze weg, sie lassen auch ihre Kunden und Kundinnen im Stich. Dabei sollte doch der Mensch im Mittelpunkt stehen und nicht die Profite.

Deswegen sollten auch diejenigen, die sich – auch massiv durch die Coronapandemie – bereichern konnten, nun ihren gerechten Beitrag leisten. Eine Millionärssteuer für Vermögen über einer Million Euro würde bedeuten, dass bei einem Netto-Vermögen von 1.100.000 Euro je Prozentpunkt Steuersatz 1.000 Euro bezahlt werden muss und immer noch 1.099.000 Euro Vermögen übrig bleiben.

Die Millionärssteuer würde außerdem nur 4-5 Prozent der reichsten Haushalte in Österreich betreffen. 75 Prozent der Österreicherinnen und Österreich jedenfalls sind für die Einführung einer Millionärssteuer. Und auch die Wertschöpfungsabgabe für Unternehmen wird vielfach diskutiert. Warum mit der Umverteilung im Steuersystem eigentlich noch länger warten?

Romana Greiner

Romana recherchiert am liebsten über die großen Ungerechtigkeiten unserer Gesellschaft: Warum bekommt eine Mitarbeiterin 200 Mal weniger Gehalt als der Konzernchef? Wieso sind die Volksschullehrerin oder der Briefträger immer noch so schlecht entlohnt? Als Chefredakteurin leitet sie seit 2023 die NeueZeit und ihr engagiertes Team. Um vom Redaktionsalltag den Kopf frei zu bekommen, ist sie gern in der Natur sporteln oder auf Konzerten.

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