Amsterdam will seinen Materialverbrauch in den nächsten zehn Jahren um 50% reduzieren. Weggeworfene Lebensmittel sollen stattdessen gespendet, nachhaltige Rohstoffe gefördert werden. Das soll der Wirtschaft aus der Corona-Krise helfen. Damit wird zum ersten Mal in der Geschichte die sogenannte „Donut Ökonomie“ von Kate Raworth für nachhaltiges Wirtschaften umgesetzt.
Die stellvertretende Bürgermeisterin von Amsterdam, Marieke van Doorninck, kündigt ihre Pläne für die Zeit nach der Corona-Krise an. Die sogenannte Donut Ökonomie für nachhaltiges Wirtschaften soll helfen, aus der Krise herauszukommen. Die Idee des Modells ist einfach: Die Wirtschaft soll die Grundbedürfnisse aller Menschen befriedigen, aber auf die Möglichkeiten unseres Planeten achten.
Amsterdam wendet das Modell in ganz konkreten Maßnahmen an. Die Stadt will den Verbrauch von neuen Materialien im nächsten Jahrzehnt um 50% reduzieren. Restaurants und Hotels in der Stadt werden verpflichtet, ausrangierte Lebensmittel zu spenden. Für die Bauindustrie wird es sogenannte Materialpässe geben. Diese dokumentieren, welche Materialien wiederverwendbar sind. Zudem soll die Verwendung nachhaltiger Materialien schon bei Neubauten gefördert werden.
Unser gegenwärtiges Verhalten sei manchmal destruktiv, sagt Vizebürgermeisterin van Doorninck: Im Moment werfen wir Produkte weg und verbrennen sie, obwohl sie wertvolle Rohstoffe enthalten. „Angesichts der Tatsache, dass die Materialien in der Welt begrenzt und knapp sind, ist das unentschuldbar.“
Das Doughnut-Modell soll Amsterdam helfen, die Auswirkungen der Corona-Krise zu bewältigen. Künftige Probleme werden mehrdimensional sein: „Wenn wir uns plötzlich um Klima, Gesundheit, Arbeitsplätze, Wohnen und Pflege kümmern müssen, gibt es dann eine Theorie, die das alles umfasst und uns helfen kann?“, fragt die Ökonomin Kate Raworth und antwortet selbst: „Ja, die gibt es, und sie ist startklar.“
Die zentrale Idee ihres Donut-Modells ist einfach: Das Ziel der wirtschaftlichen Tätigkeit sollte darin bestehen, die Kernbedürfnisse aller zu befriedigen, aber innerhalb der Möglichkeiten des Planeten. Anstatt auf grenzenloses Wachstum und immer mehr Profit zu setzen, soll sorgsam mit den vorhanden Ressourcen umgegangen werden. Das Motto lautet: Wiederverwertung statt blindes Wachstum.
Seit den 80er Jahren leben wir im Überfluss. Spätestens seit der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008 ist allen klar, dass es so nicht weitergehen kann. Darauf aufbauend hat Raworth eine Theorie entwickelt, die radikalen Wandel fordert.
Ihr Modell basiert auf einem sehr einfachen Bild: Man stelle sich vor, die Menschheit lebe in einem Donut. In der Mitte ist das gesellschaftliche Fundament, die Grundbedürfnisse: Nahrung und Trinkwasser, Unterkunft und ein existenzsichernder Lohn, Gesundheit, Gleichberechtigung der Geschlechter und politische Freiheit. Rund herum ist ein Kreis aus Ökologie, Politik und Wirtschaft.
Der Bereich außerhalb des Donuts stellt die ökologische Obergrenze dar, die sogenannten Kipp-Punkte. Diese wurden von der Wissenschaft als Bedrohung für das Leben auf dem Planeten identifiziert – sie reichen von der Schädigung der Ozonschicht bis zur Versauerung der Ozeane.
Und dazwischen ist der ideale Raum: Sicher, gerecht und nachhaltig. Innerhalb dieses Raum, so die Theorie, gilt es zum Wohle aller zu wirtschaften.
Amsterdams Vizebürgermeisterin van Doorninck und die Ökonomin Kate Raworth sind sich einig – gemeinsam gelingt nach der Corona-Krise der Neustart für die Stadt. Amsterdams Weg des nachhaltigen Wirtschaftens könnte auch für andere Länder interessant werden. Raworth stellte ihr Donut-Modell bereits der Europäischen Kommission in Brüssel vor. Die Kommission habe großes Interesse an ihrem Modell bekundet, sagt die Ökonomin.
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