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Gleiches Medikament, andere Wirkung – Was Kärnten tut, damit auch Frauen gesund leben können

Bildcredits: Photo by senivpetro via Freepik

Frauen und Männer reagieren anders auf Medikamente. Zum Problem wird das, wenn medizinische Inhaltsstoffe nicht mehr wirken oder stärkere Nebenwirkungen auftreten, als beim anderen Geschlecht. In Kärnten untersuchen Forscher:innen genau das seit November 2021 – denn dort gibt es die erste Modellregion für Gendermedizin.

Frauen und Männer sind „anders krank“ berichtet die Kärntner Gesundheitsreferentin Beate Prettner (SPÖ). Schon seit 2021 ist Kärnten Modellregion in Sachen Gendermedizin. Jetzt investiert das Land Kärnten rund 100.000 Euro in die Gesundheit der Kärntnerinnen. In dem viersemestrigen Lehrgang können sich Ärzt:innen im Bereich der geschlechtsspezifischen Unterschiede in der medizinischen Behandlung fortbilden. Prettner erklärt das Konzept für die „Modellregion Gendermedizin“ wie folgt: 

„Wir wollen die Bevölkerung sensibilisieren. Das tun wir mit Vorträgen und Veranstaltungen in den Gemeinden. Wir wollen die geschlechterspezifische Medizin in der Ausbildung von Gesundheits- und Pflegeberufen verankern. Das tun wir seit drei Jahren. Und wir wollen für bereits aktive Gesundheitsberufe wie Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte etc. Weiterbildungen anbieten.“

Frauenmedizin: Kärnten Platz eins in Österreich

„Es ist ein Thema, das uns sehr am Herzen liegt. Denn es ist ein Thema, das Menschenleben retten kann – konkret Frauenleben“, so Kärntens Gesundheitssprecherin Prettner in einer Pressekonferenz. Sie habe schon 2017 vom Bund gefordert, Gendermedizin in die medizinische Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten einzubinden – passiert ist allerdings nichts. „Das Diplom umfasst zehn Module und dauert 3 bis 4 Semester. Im Gegenzug für die Finanzierung werden uns die Teilnehmer künftig als Vortragende und Multiplikatoren zur Verfügung stehen“, erklärte Prettner weiter. Auch eine Fortbildungsreihe zum Thema Gendermedizin wird angeboten. 

Auch der ÖGB heißt den Schritt der Kärntner Gesundheitslandesrätin gut. Die Ungleichheit in der Forschung führe dazu, dass Frauen oft falsch diagnostiziert werden und deshalb öfters krank sind, so Gesundheitsexpertin des ÖGB, Claudia Neumayer-Stickler. Medikamente seien weniger wirksam oder es käme zu Nebenwirkungen. Ebenfalls schockierend: Das Weltwirtschaftsforum in Davos hat eine Studie vorgestellt, die zeigt, dass die Benachteiligung von Frauen weltweit fast eine Billion Dollar kostet.

Kärnten nur der Anfang – mehr Gendermedizin an Österreichs Hochschulen

Was die Gendermedizin heute versucht auszubessern, sind Fehler, die schon vor Jahrzehnten gemacht wurden. Forscher zogen in erster Linie männliche Probanden für ihre Studien heran, weil sie befürchteten, dass die Inhaltsstoffe die weibliche Reproduktionsfähigkeit beeinträchtigen könnten. Das führt dazu, dass die Pharmaindustrie Medikamente an der weiblichen Realität vorbei entwickelt. Mit zum Teil schweren Nebenwirkungen für Frauen, die heute Medikamente nehmen. Die Politikwissenschaftlerin der Uni Wien, Magdalena Eitenberger, fasst es wie folgt zusammen: 

“Wenn wir Ungleichheit in Forschung und Medizin untersuchen, kommen wir schnell darauf, dass der weiße, gesunde, männliche Körper als Norm gilt und alles andere eine Abweichung darstellt.” – Magdalena Eitenberger

Damit das nicht so bleibt, ist Kärnten hoffentlich als Modellregion Vorbild für den Rest Österreichs.

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