Steiermark

Klimaministerin will Bahnstation im steirischen Hönigsberg zusperren, aber die Bewohner kämpfen für den Erhalt

Die Bahnstation im obersteirischen Hönigsberg steht nach eineinhalb Jahrhunderten vor dem Aus. Ein schwerer Schlag für die stolze Industriegemeinde. Neben dem Verlust von Mobilität ginge mit dem Ende des Bahnhofs auch ein Stück Identität verloren. Daher kämpfen die Menschen jetzt für den Erhalt der Station. Ausgerechnet Verkehrsministerin Gewessler bleibt jedoch stur und ignoriert die Bevölkerung.

Hönigsberger blicken auf eine stolze Vergangenheit zurück

Die Geschichte des obersteirischen Hönigsberg, eines Ortsteils von Mürzzuschlag, ist eng der Industrie verbunden. Bereits 1550 wurde dort Eisen vom nahe gelegenen Erzberg verarbeitet. Im Zuge der industriellen Revolution entwickelte sich die Gegend zu einem der wichtigsten frühen Industriezentren der Steiermark. Mit der Industrialisierung ging auch der Bau von Eisenbahnstrecken einher. Hönigsberg erhielt vor dem Hintergrund dieser Entwicklung als eine der ersten österreichischen Gemeinden überhaupt bereits im Jahr 1842 einen Bahnzugang. Ab 1848 war die Gemeinde Teil der berühmten Semmeringbahn. Der Eisenbahnverkehr ist für die Hönigsberger daher mehr als nur ein Mobilitätsfaktor. Er trägt wesentlich zur Identität der stolzen Industriegemeinde teil. Eineinhalb Jahrhunderte dominierten Bahn und Industrie die Region.

ÖBB will die Bahnstation Hönigsberg schließen

Trotz der langen Geschichte könnte der Zug der Zeit die Bahnstation Hönigsberg jetzt brutal überrollen. Zumindest wenn es nach der ÖBB und Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) geht. Für sie ist die Auflösung der Bahnstation „leider notwendig“. Der Schritt wird mit betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten und damit, dass die Haltestelle zu selten genutzt wird, begründet. Für die Bürgerinnen und Bürger von Hönigsberg ist die Schließung ein absolutes Horrorszenario. Sie fürchten nicht nur den Verlust von Mobilität, sondern auch von Prestige und Identität. Den Argumenten für die Schließung können sie nichts abgewinnen. Sie fürchten, dass viele Pendler auf das Auto umsteigen müssen, was einerseits nicht gerade umweltschonend und andererseits für einige nicht leistbar ist.

Hönigsberg kämpft für den Erhalt der Bahnstation

Eine Bürgerbewegung kämpft jetzt gegen die Schließung der Hönigsberger Bahnstation. Sie kann sich dabei auf die uneingeschränkte Unterstützung der Bevölkerung verlassen. Alle Hönigsberger haben eine Petition gegen die Schließung unterschrieben. Die Unterstützung für den Erhalt der Bahnstation beschränkt sich jedoch nicht auf die Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinde Hönigsberg. Zahlreiche Pendlerinnen und Pendler haben die Petition ebenfalls unterschrieben. Für Monika Schöner von der Hönigsberger Bürgerinitiative ist das „ein Zeichen dafür, wie wichtig uns dieses Thema der Mobilität ist.“

Die lange Liste der Unterschriften gegen die Schließung der Bahnstation brachte eine Delegation bereits zum Verkehrsministerium nach Wien. Ministerin Gewessler lässt der Protest der Hönigsberger jedoch kalt. Sie hält nach wie vor an der Schließung der Bahnstation fest. Wie sich das Zurückfahren des öffentlichen Verkehrs in Randgemeinden mit den ambitionierten Klimazielen der Regierung und dem Kampf gegen die Klimakrise vereinbaren lässt, ist angesichts von Gewesslers Haltung nicht erkennbar. Die Hönigsberger wollen jedenfalls weiter für den Erhalt ihrer Bahnstation kämpfen.

Martin Amschl

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