Niederösterreich

Eine Stunde mehr arbeiten: Kritik an Forderung der Industriellenvereinigung

Beim Industriegipfel der nieder- und oberösterreichischen ÖVP-Spitze mit der Industriellenvereinigung (IV) sprach sich die IV für eine zusätzliche Wochenstunde Arbeit aus. Kritiker warnen vor unbezahlter Mehrarbeit.

Die Landeshauptleute Johanna Mikl-Leitner (ÖVP NÖ) und Thomas Stelzer (ÖVP OÖ) sowie die IV-Chefs der beiden Bundesländer haben am Mittwoch im Zuge eines Gipfels ein „Industriemanifest für einen starken Produktionsstandort“ unterzeichnet.

Bei der Präsentation des Manifests ging die Industriellenvereinigung jedoch noch einen Schritt weiter: IV-NÖ-Präsident Kari Ochsner forderte zwei Prozent mehr Jahresarbeitszeit, den Anstieg des Pensionsalters sowie höhere Selbstbehalte im Gesundheitssystem. Diese Maßnahmen seien, so Ochsner, „mehr als zumutbar“.

IV fordert 39,5 statt 38,5 Stunden Arbeitszeit

Besonders umstritten ist die Arbeitszeitfrage. Laut Ochsner würde eine Anhebung der Wochenarbeitszeit von 38,5 auf 39,5 Stunden über eine Milliarde Euro zusätzliches Bruttoinlandsprodukt bringen – zumindest in der Industrie. Eine klare Aussage zu höheren Löhnen oder einem Ausgleich für diese Mehrarbeit blieb jedoch aus. Kritiker sprechen daher von einem Versuch, unbezahlte Mehrarbeit politisch vorzubereiten.

Industriegipfel mit ÖVP-Spitzenvertretern

Thomas Bründl (IV-OÖ),Thomas Stelzer (ÖVP OÖ), Johanna Mikl-Leitner (ÖVP NÖ) und Kari Ochsner (IV-NÖ) bei der Präsentation ihres gemeinsamen Industriemanifests. (c) Industriellenvereinigung OÖ

Unterzeichnet wurde das gemeinsame Industriemanifest von den ÖVP-Landeshauptleuten Johanna Mikl-Leitner (NÖ) und Thomas Stelzer (OÖ) im Rahmen eines Industriegipfels mit der IV. Beide betonen die Bedeutung von Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum.

Scharfe Kritik an der Aussage von Ochsner kam von Martin Winkler (SPÖ OÖ): „Das ist ein einseitiger Angriff auf die Rechte der arbeitenden Bevölkerung und auf soziale Gerechtigkeit. Statt gerechte Lösungen zu präsentieren, wird die Last auf die Schultern der Arbeitnehmer:innen abgewälzt.“

Die SPÖ OÖ fordert stattdessen eine Anhebung der Körperschaftsteuer, um die Industrie stärker in die Verantwortung zu nehmen und die Budgetmittel für Subventionen gerecht aufzubringen.

Alte Muster, neue Verpackung

Für viele ist die aktuelle Debatte kein Einzelfall. Die Industriellenvereinigung fällt seit Jahren mit Aussagen auf, wonach Österreich „zu wenig arbeite“ oder längere Arbeitszeiten notwendig seien. Mitte 2025 erhitzte die Forderung des Präsidenten der Industriellenvereinigung, Georg Knill, nach einer Erhöhung des Pensionsantrittsalters auf 70 Jahre die Gemüter. 2024 forderte der IV-Generalsekretär Christoph Neumayer eine Erhöhung der Arbeitszeit auf 41 Stunden ohne Lohnausgleich, um das Wirtschaftswachstum voranzutreiben.

NeueZeit Redaktion

Share
Veröffentlicht von
NeueZeit Redaktion
Tags: Arbeitszeit Industriellenvereinigung Industriemanifest IV Johanna Mikl-Leitner Martin Winkler Mehrarbeit ÖVP SPÖ Thomas Stelzer

Ähnliche Artikel

  • Oberösterreich

Wohnbau: Lässt Oberösterreich fast 75 Mio. Euro liegen?

Die Bauwirtschaft kämpft mit einer anhaltenden Hochbau-Flaute, gleichzeitig wächst der Bedarf an leistbaren Mietwohnungen. Genau…

28. Januar 2026
  • Advertorial

Hergovich/Weninger: „Unser Druck hat zur EVN-Senkung geführt – Entlastung muss SOFORT kommen!“

Die SPÖ Niederösterreich präsentiert bei der heutigen Pressekonferenz den Energieschwerpunkt ihres „NÖ-Plans“.  Dabei im Fokus:…

27. Januar 2026
  • Sicherheit

Generation Offline: Kommt jetzt Social Media-Verbot für alle unter 15 Jahre?

In Australien ist die digitale Sperrstunde für Unter-16-Jährige bereits Realität. Während dort Millionen Accounts gelöscht…

23. Januar 2026
  • Niederösterreich

„Wer den LUP blockiert, blockiert St. Pölten“

In St. Pölten wird diese Woche gewählt. Gleichzeitig steht die Zukunft des städtischen Bussystems LUP…

23. Januar 2026
  • Oberösterreich

OP-Wartezeiten in Oberösterreich verdoppelt

Die Wartezeiten auf Knie- und Hüftoperationen haben sich in Oberösterreich innerhalb von nur vier Jahren…

23. Januar 2026
  • Gesellschaft

Leihen statt kaufen – die Borgerei in Traiskirchen macht’s vor!

In der Stadtbibliothek Traiskirchen werden längst nicht nur Bücher verliehen: Seit 2022 kann man sich…

22. Januar 2026