Kärnten

Eierpecken, Schinken & Feuer im Garten – das sind Kärntens Osterbräuche

Nach der Fastenzeit kommt das Osterfest. Die deftige Osterjause darf da genauso wenig fehlen, wie Eier bemalen, „Nesterl“ im Garten suchen und in vielen Teilen Österreichs auch Osterfeuer. Ganz besondere Osterbräuche gibt es in Kärnten: „Fastentücher über Kreuze“, „Eierrollen“ und „Schneidschnaps vor der Osterjause“ gehören zu einem gelungenen Osterfest dazu. 

Gemeinsam mit Weihnachten, Silvester und Geburtstagen gehört das Osterfest in Österreich zu den wichtigsten Feierlichkeiten im Jahr. Obwohl es an Weihnachten mittlerweile mehr Geschenke gibt, ist Ostern seit über 1700 Jahren das wichtigste Fest im Kirchenkalender – die Christen und Christinnen gedenken der Kreuzigung und Auferstehung von Jesus Christus.

Andere wiederum behaupten, dass das Osterfest im Heidentum seine Wurzeln hat und aus dem Frühlingsfest stammt. Dort feierte man das zunehmende Licht im Frühling, die wiederkehrende Fruchtbarkeit und die Natur, die langsam wieder zum Leben erwacht. Ebenfalls verehrten sie die germanische Frühlingsgöttin „Ostara“.

Eins haben beide Versionen aber auf jeden Fall gemeinsam: Eine Vielzahl an Bräuchen und Traditionen: kunterbunte Eier, der Osterhase, Weihen, Fasten und dann natürlich die deftige Osterjause im Anschluss.

Das Gurker Fastentuch aus dem Jahr 1458

Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. An diesem Tag wird den Gläubigen ein Kreuzzeichen auf die Stirn gemalt – es ist das Symbol der Vergänglichkeit. Seit über 1000 Jahren ist es eine Tradition, die Kreuze und Altäre in Kirchen zu Beginn der Fastenzeit mit Fastentüchern zu verhüllen – ehe sie am Mittwoch der Karwoche wieder abgenommen werden. Anfangs waren die Tücher noch schmucklos und „leer“, doch über die Jahrhunderte entwickelten sich daraus wahre Kunstwerke.

In Kärnten sind an Ostern insgesamt fast 80 Fastentücher registriert – das älteste ist das „Gurker Fastentuch“ aus dem Jahr 1458 und ist knapp 9×9 Meter.

Eierrollen und Eierpecken an Ostern in Kärnten

Das traditionelle „Eierrollen“ kommt aus Mittelkärnten und findet im Kreis der Familie statt. Es ist eine Mischung aus Kegeln und Mikado. Hierbei werden zwei lange Holzrechen ineinander verkeilt, diese bilden eine Rinne, über die dann die Eier rollen. Werden die Eier dann von einem Gegner oder einer Gegnerin getroffen, gelten sie als verspielt. Jedes Ei, das wackelt, bedeutet einen Strafpunkt.

Beim „Eierpecken“ legen die Spieler:innen ein Ei in die Mitte auf den Boden, sodass die Distanz bei jedem Mitspieler und jeder Mitspielerin gleich ist. Diese versuchen dann, das Ei mit einer Münze zu treffen – bleibt die im Ei stecken, darf sich der Schütze oder die Schützin das „Sieges-Ei“ behalten.

Kärntner Osterjause mit Schnaps und süßer Basis

Nach der langen Fastenzeit ist die Freude auf das kulinarische Finale besonders groß. Vor dem Essen gibt es im Gurk- und Metniztal ein großes Stamperl Schneidschnaps. Dieser Brauch hat seinen Ursprung am Karfreitag: Da schenkten die Bäuerinnen ihren Bauern-Gatten ein großes Stamperl Schnaps ein. Das sollte Glück bringen und dazu führen, dass die Bauern das ganze Jahr über eine „gut geschärfte Sense zur Hand zu haben“ und sollte ein erfolgreiches Mähen der Wieser und Felder beschwören.

Doch was darf bei einer echten Kärntner Osterjause nicht fehlen? Neben dem klassischen Osterschinken, der Selchwürste, dem Speck, der Rindszunge, dem frischgeriebenen Kren und den bunten Ostereiern, ist vor allem die süße Komponente nicht außer Acht zu lassen: Der Kärntner Reindling auch „Wazan“ genannt.

Die Kärntnerinnen und Kärntner genießen den Germgugelhupf mit Rosinen, Zimt und oft auch mit Nüssen gefüllt. Er gehört einfach zur Osterjause dazu und manchmal belegen sie ihn sogar mit dem Osterschinken oder der dünn aufgeschnittenen Rinderzunge.

Hier ein Rezept für den Kärntner Reindling zum Selber-Backen:
(von „Österreich-Spezialitäten“)

ZUTATEN

Für den Germteig:

  • 500 g Universalmehl
  • 1 TL Salz
  • 30 g frische Germ
  • 280 ml Milch
  • 60 g Butter
  • 40 g Zucker
  • 2 Dotter

Für die Fülle:

  • 40 g Butter
  • 2 EL Honig
  • 1-2 EL Zucker
  • 1 EL Zimt Rosinen

ZUBEREITUNG:

  1. Mehl mit Salz gut verrühren und auflockern.
  2. In das Mehl ein Grübchen machen, die Germ hineinbröseln, eine Prise Zucker und etwas warme Milch hineingießen. Beim Durchrühren bisschen Mehl einrühren und den Vorteig aufgehen lassen.
  3. Butter in der Milch erwärmen, bis sie geschmolzen ist. Zucker und Dotter hinzugeben und gut versprudeln.
  4. Hat der Vorteig Bläschen entwickelt, die Milch hinzugeben und gut zu einem geschmeidigen Teig verkneten.
  5. Den Germteig an einem warmen Ort aufgehen lassen, bis er sich verdoppelt hat, zusammenkneten und noch einmal aufgehen lassen.
  6. Währenddessen die Zutaten für die Fülle am Herd sanft erwärmen und verrühren.
  7. Anschließend den Germteig zu einem Rechteck ausrollen. Mit dem Zimt-Zucker-Gemisch bestreichen und mit Rosinen bestreuen.
  8. Den gefüllten Germteig wie eine Schnecke einrollen und in ein befettetes „Reindl“ oder Gugelhupfform legen. Das eingerollte Ende zeigt dabei nach innen.
  9. Mit einem Geschirrtuch zudecken und nochmals kurz gehen lassen. Währenddessen den Backofen auf 190° Ober/Unterhitze vorheizen.
  10. Nun den Kärntner Reindling in den vorgeheizten Ofen schieben. Nach 10 Minuten Backzeit auf 180° zurückschalten.
  11. Nach 35 Minuten den Ofen ausschalten und den Reindling noch rund 10 Minuten im Ofen nachziehen lassen.
NeueZeit Redaktion

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