Niederösterreich

Gesundheitssystem vor dem Kollaps: Menschen warten Monate auf dringend benötigte Behandlungen

Über 700 Bürgerinnen und Bürger hat die SPÖ nach ihren Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem in Niederösterreich befragt. Die Erzählungen sind dabei oft die Gleichen. Monatelange Wartezeiten für einen Platz bei einem Facharzt oder für einen OP-Termin, kassenärztliche Hausärzte fehlen teilweise komplett und im schlimmsten Fall steht einem eine Odyssee durch Krankenhäuser bevor, weil wichtige Stationen schließen mussten.

Über 700 Leute an 17 Stationen hat die SPÖ in Niederösterreich zum Gesundheitssystem befragt. Die Erzählungen sind bedrückend. Eltern berichteten über ihren dreijährigen Bub, der wegen einer Polypenbehandlung eine OP benötigte. Terminvorschlag im Krankenhaus Krems: anderthalb Jahre später. Krankenhaus St. Pölten: ein Jahr später. Erst in Wien konnte man ihn durch einen Ausfall einer anderen OP sechs Monate später operieren. Kein Einzelfall, erst letzten Monat hat die NeueZeit über einen 70-jährigen Mann berichtet, dessen „Krankenhaus-Tour” tödlich endete.

Urologen müssten über 60 Patienten pro Tag behandeln, um Bedarf zu decken

Die Berichte der Bürgerinnen und Bürger sind klar: es gibt zu wenig Kassenärzte, an Termine kommt man nur schwer, vor allem wenn es um Fachärzte geht. Diese Erfahrungen decken sich auch mit den Zahlen. Nur knapp 45 Prozent aller Allgemeinmediziner in Niederösterreich sind Kassenärzte. Fachärzte gibt es schlicht zu wenig auf Kasse. Ein Urologe müsste zum Beispiel 60 Patienten pro Tag behandeln, um allen Männern über 45 Jahren die in Österreich empfohlene Vorsorge zu ermöglichen. Ein nicht zu bewältigender Arbeitsaufwand, es kommen ja auch noch alle anderen Behandlungen dazu.

Niederösterreich: Ärztemangel schon für die Kleinsten spürbar

Schon Kinder spüren hautnah, wie sich der Ärztemangel anfühlt. Der dreijährige Bub ist kein Einzelfall. Ganze fünfmal an unterschiedlichen Standorten haben Bürgerinnen und Bürger ähnliche Geschichten erzählt. Passend dazu werden seit Mai dieses Jahres in der HNO-Abteilung in Mistelbach aufgrund von Personalmangel nur noch tagesklinische Operationen durchgeführt. Die SPÖ fordert deshalb vorrangig ein Ende der Zwei-Klassen-Medizin und übt große Kritik an der Landesgesundheitsagentur:

Ein Verwaltungsmonster, das um 30 Millionen pro Jahr mehr verschlingt als die vorherige Verwaltungsstruktur, muss auch liefern. Das Einzige, das geliefert wird ist jedoch ein zusätzlicher Vorstand und ein Posten-Schlaraffenland für Schwarz und Blau im Land., so SPÖ Landeschef Sven Hergovich

NeueZeit Redaktion

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