Bereits im Oktober 2020 gingen 4.000 Menschen in Steyr für den Erhalt der Jobs auf die Straße. // Bild: SPÖ/Prinz
Die Zukunft des MAN-Werks in Steyr ist weiter ungewiss. 6.000 Jobs in der ganzen Region stehen auf dem Spiel. Jetzt sickern Details aus den Verhandlungen durch: Mit Siegfried Wolf könnte ein umtriebiger Investor mit Verbindungen zu Kanzler Kurz das Werk übernehmen. Wolf will die Löhne der MAN-Beschäftigten kürzen.
In Steyr rauchen weiter die Köpfe. Das Management des LKW-Bauers MAN verhandelt mit möglichen Investoren, die das Werk in Oberösterreich übernehmen könnten. Der deutsche Mutter-Konzern will den Standort in Steyr wie berichtet schließen. Mit allen Zuliefer-Betrieben stehen rund 6.000 Arbeitsplätze in der Region auf dem Spiel. Ein neuer Investor könnte die letzte Rettung für das Werk sein.
Jetzt sickern erste Details aus den Verhandlungen durch. Ein Interessent für die Übernahme des MAN-Werks ist Siegfried Wolf. Der Unternehmer ist dick im Geschäft: Er hat derzeit 26 Funktionen inne, unter anderem als Europa-Chef der russischen „Sberbank“. Wolf saß schon in den Aufsichtsräten von Strabag, Verbund, Siemens und der ehemaligen Staatsholding ÖIAG.
Der Name des umtriebigen Managers taucht auch in den geheimen Chats zwischen Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Thomas Schmid, dem Chef der Österreichischen Beteiligungs AG (ÖBAG), auf. Kurz wollte einen gewissen „SW“ – also wohl Siegfried Wolf – zum neuen Aufsichtsrats-Chef der ÖBAG machen. Daraus wurde nichts. „Kurz scheisst sich voll an“, schreibt Thomas Schmid dazu. Jetzt ist Wolf an MAN-Steyr dran.
Und geht mit harten Forderungen in die Verhandlungen. Für Wolf sind die Löhne der MAN-Mitarbeiter zu hoch. Er will, dass MAN Abfertigungen auszahlt und er dann nur einen Teil der Belegschaft mit niedrigeren Gehältern übernehmen muss.
Neben Wolf ist noch eine zweite Bietergruppe am Werk in Steyr interessiert, angeführt vom Linzer Unternehmer Karl Egger. Er ist derzeit Chef des Familienunternehmens „Ke Kelit“, das Rohrsysteme produziert.
Dass die Werks-Schließung überhaupt zur Diskussion steht, scheint einigermaßen absurd. Der deutsche Mutter-Konzern „Traton“, der das Werk 1989 übernahm, erwirtschaftete zuletzt einen jährlichen Umsatz von 11 Milliarden Euro. Und das lassen sich die Chefitäten auch ordentlich abgelten: Die Vorstände kassierten 2019 insgesamt 11 Millionen Euro an Bezügen. Am 23. September 2020, nachdem das Management die Kündigungs-Bombe in Steyr platzen ließ, beschlossen die Aktionäre noch, sich eine halbe Milliarde an Dividenden auszuschütten.
Die Belegschaft ist in die aktuellen Verhandlungen zwar eingebunden, aber von der Bundesregierung fühlt man sich in Steyr im Stich gelassen. Weder vom Bundeskanzler noch vom Arbeitsminister komme Hilfe. „Wir fühlen uns von der großen Politik allein gelassen“, sagt Betriebsrat Erich Schwarz. Seinen Kollegen zollt er Respekt:
„Hut ab vor der Mannschaft, die arbeitet gewissenhaft weiter, niemand wirft den Hut.“
Unterstützung kommt hingegen von den Sozialdemokraten in Oberösterreich. Landeschefin Birgit Gerstorfer: „Firmen nehmen Staatshilfen aus Steuergeldern, zahlen Manager-Boni und Dividenden und bauen dann hunderte Jobs ab. So geht es nicht weiter.“
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