Wien

Wien beteiligt sich an heimischen Unternehmen, um Betriebe und Jobs zu sichern

Die Stadt Wien will heimische Unternehmen in der Krise verstärkt unterstützen, um Jobs zu sichern. Dazu setzt Wien ein neues Instrument ein: Mit der „Stolz auf Wien Beteiligungs GmbH“ kann sich die Stadt direkt an Unternehmen beteiligen, die wegen Corona ins Straucheln geraten sind. Durch diesen „Pull-Faktor“ sollen Betriebe und Arbeitsplätze in der Stadt gehalten werden. Mit den ersten beiden Unternehmen ist bereits eine städtische Beteiligung vereinbart.

Die Corona-Krise hat viele Unternehmen hart getroffen – damit sind auch viele Arbeitsplätze in Gefahr. Die Stadt Wien ergreift nun eine neue Maßnahme, um die heimische Wirtschaft zu stützen. Mit der „Stolz auf Wien Beteiligungs GmbH“ beteiligt sich Wien direkt an Unternehmen, die wegen Corona ins Straucheln geraten sind. So sollen Betriebe und Arbeitsplätze gesichert werden.

Die städtische Firmenbeteiligung ist ein neues Instrument zur Stärkung der heimischen Betriebe, das in Wien erstmals zur Anwendung kommt. Die Stadt versteht die Maßnahme als sogenannten Pull-Faktor, um Unternehmen und Arbeitsplätze in die Stadt zu „ziehen“.

Wien beteiligt sich an den ersten beiden Unternehmen

Die neue Maßnahme greift bereits: Seit September beteiligt sich die Stadt an den beiden ersten Wiener Unternehmen, FREY WILLE und Adamol. 

„Wir wollen mit dieser Initiative den Wiener Unternehmen, die durch die Corona-Krise besondere Herausforderungen zu stemmen haben, helfen, diese schwierige Situation zu meistern. Ziel ist es, diese Firmen zu stabilisieren und damit Jobs abzusichern“, sagt Wiens Bürgermeister Michael Ludwig.

Insgesamt stehen für die Beteiligungs GmbH 40 Millionen Euro zur Verfügung. Um diese Summe kann sich die Stadt an privaten Unternehmen beteiligen und so deren Eigenkapital aufstocken. Die Hälfte davon kommt von der Stadt Wien selbst, die anderen 20 Millionen steuern die weiteren Kapitalgeberinnen bei: Wirtschaftskammer Wien, Bawag Group, Erste Bank, Unicredit Bank Austria, Wiener Städtische sowie AVZ Privatstiftung.

Kriterien für Beteiligung von Unternehmen

Die Stadtregierung hat strenge Kriterien für ihre Firmenbeteiligung. Um als Unternehmen für die Beteiligung der Stadt infrage zu kommen, muss der Betrieb ein „starker Teil der Wiener Identität“ sein. Das heißt jedoch nicht, dass nur Wiener Traditions-Betriebe gefördert werden, sondern auch solche, die eine große Bedeutung für die Stadt haben, weil sie wichtige Dienstleistungen erbringen und für viele Jobs sorgen. Wichtig ist auch, dass die Unternehmen grundsätzlich positive Zukunftsaussicht haben und nur wegen Corona in finanzielle Probleme geraten sind.

Die Stadt Wien beteiligt sich mit maximal 20% und einer Million Euro an heimischen Unternehmen.

Maximal 20% und eine Mio. Euro – auf sieben Jahre befristet

Die städtische Beteiligung ist außerdem finanziell und zeitlich begrenzt. Die Stadt übernimmt eine Beteiligung von maximal 20 Prozent und bis zu einer Höhe von maximal einer Million Euro pro Unternehmen. Nach spätestens sieben Jahren gibt die Stadt ihre Beteiligung wieder auf. „Die Unternehmen sollen nicht das Gefühl haben, dass wir sie übernehmen wollen“, sagt Bürgermeister Ludwig. Der Rückzug der Stadt wird bereits beim Einstieg zwischen Unternehmen und Beteiligungs GmbH festgelegt.

Wiener Beteiligungsmodell als Vorbild

Der Weg zur städtischen Hilfe erfolgt in vier Stufen. Interessierte Betriebe können zunächst online einen Antrag auf Unterstützung einreichen. Danach wird das Unternehmen von Wirtschaftskanzleien geprüft. Nach positiver Prüfung befasst sich der Beirat der Beteiligungs GmbH mit dem Antrag und gibt eine finale Handlungsempfehlung an die Geschäftsführung der „Stolz auf Wien“ Beteiligungsgesellschaft ab.

Das Wiener Beteiligungsmodell könnte Vorbild für weitere österreichische Städte oder Bundesländer sein. Viele Arbeitsplätze in ganz Österreich sind in Folge der Corona-Krise in Gefahr. Beim steirischen Traditionsbetrieb ATB etwa bangen rund 400 Beschäftigte um ihren Job. Der Lastwagen-Hersteller MAN will sein Werk in Steyr, Oberösterreich, schließen – 2.300 Mitarbeiter stehen vor der Kündigung.

NeueZeit Redaktion

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