Seit 1. Mai gilt in ganz Österreich ein Handyverbot an Schulen bis zur achten Schulstufe. Kärnten war dabei Vorreiter: Bereits im Februar trat die Regelung an den Volksschulen des Landes in Kraft. Nun bestätigt eine Studie: 89 Prozent der Befragten halten das Verbot für sinnvoll. Gleichzeitig berichten Schulen von ruhigerem Unterricht, mehr Konzentration und lebendigeren Pausen. Für die Landesräte Daniel Fellner und Peter Reichmann ist das eine klare Bestätigung ihres eingeschlagenen Weges.
Für Landesrat Daniel Fellner (SPÖ) begann der Weg zum Handyverbot mit einem sehr unmittelbaren Erlebnis: Im Urlaub beobachtete er eines Morgens, dass im Frühstücksraum seines Hotels „hundert Prozent“ der anwesenden Kinder auf ihre Handys starrten. Dieser Moment, sagte er später, habe ihm gezeigt, wie dominant Smartphones im Alltag junger Menschen geworden sind.
Smartphones sind früh im Spiel: Bereits 10 Prozent der 6- bis 7-Jährigen besitzen ein eigenes Gerät. Bei den 12- bis 13-Jährigen sind es schon 80 Prozent. Immer mehr Kinder ab dem Grundschulalter nutzen digitale Spiele und surfen ohne Begleitung. Social Media ist Teil der Lebenswelt: WhatsApp, TikTok & Co. sind bereits mit 8 Jahren relevant, obwohl sie meist erst ab 13 erlaubt sind.
Wie wichtig es ist, Kindern zumindest in der Schule einen Raum ohne permanente digitale Reize zu geben. Die Kärntner Verordnung wurde daraufhin bewusst früh umgesetzt. Eine Studie der Universität Klagenfurt zeigt nun, dass diese Entscheidung Wirkung zeigt: Lehrkräfte erleben eine spürbare Entlastung, und viele Schülerinnen und Schüler nehmen die Veränderung positiv auf.
Pausen werden wieder lauter
Ein besonders bemerkbarer Effekt betrifft den sozialen Bereich: Mehrere Schulen berichten, dass Pausen wieder lebendiger geworden sind. Kinder unterhalten sich häufiger miteinander, spielen gemeinsam und sind insgesamt aktiver. Das bestätigt, dass das Verbot nicht nur den Unterricht beeinflusst, sondern auch das soziale Gefüge in der Schule neu belebt.
Zustimmung unter Lehrkräften und überraschend vielen Kindern
Die Studienleiterinnen Larissa Krainer und Caroline Roth-Ebner betonen, dass die Zustimmung zum Handyverbot deutlich breiter ist als erwartet. Besonders überraschend sei gewesen, wie positiv viele Schülerinnen und Schüler das Verbot bewerten – zumindest in der Volksschule. Während die jüngeren Kinder die Entlastung wahrnehmen, lehnen ältere Schülerinnen und Schüler das Verbot in weiterführenden Schulen tendenziell eher ab.
Auch unter Pädagoginnen und Pädagogen ist die Unterstützung deutlich: 89 Prozent halten das Verbot für „sehr sinnvoll“, 92 Prozent möchten es beibehalten. Gleichzeitig zeigt die Studie einen wichtigen Punkt auf, der über die Schule hinausreicht: Viele Eltern sorgen sich zunehmend um die Erreichbarkeit ihrer Kinder während des Schultages. Diese Spannung zwischen Alltagspraktikabilität und pädagogischer Notwendigkeit begleitet die Einführung des Verbots auch weiterhin.
Medienbildung bleibt entscheidend

Bildungslandesrat Peter Reichmann sieht im Verbot einen wichtigen Beitrag zu einem konzentrierteren Lernumfeld. Weniger digitaler Einfluss im Unterricht bedeutet mehr Aufmerksamkeit für Inhalte und Interaktion. Schulen berichten, dass Arbeitsphasen ruhiger ablaufen und der Unterricht insgesamt strukturierter wirkt. Die Maßnahme wird damit zu einem Baustein für einen klareren und stabileren Schulalltag.
Das Verbot sei aber kein Selbstzweck: Parallel dazu müsse Medienkompetenz weiter gestärkt werden, etwa im Umgang mit Informationsquellen, digitaler Kommunikation und der Einschätzung von Risiken. Die Studie zeigt, dass sowohl Lehrkräfte als auch Eltern diesen Punkt als zentral ansehen. Kinder sollen nicht nur weniger Zeit am Smartphone verbringen, sondern lernen, es bewusst und reflektiert zu nutzen.
Ein Rahmen, der wirkt
Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass klare Regeln im Umgang mit Smartphones den Schulalltag unterstützen können. Das Handyverbot schafft einen strukturierten Rahmen, der Konzentration und soziales Miteinander fördert ohne digitale Bildung auszuschließen. Gleichzeitig machen sowohl die Studie als auch die Landesräte deutlich, dass ein Verbot allein nicht ausreicht. Kinder sollen nicht nur weniger am Smartphone hängen, sondern bewusst lernen, wie sie digitale Inhalte einordnen, wie sie kommunizieren und wo Grenzen im Umgang mit dem Gerät liegen.
Hier setzt die Pädagogische Hochschule Kärnten an: Laut Rektor Sven Fisler wurde der Anteil digitaler Bildung in der Lehrkräfteausbildung „mittlerweile mehr als verdoppelt“. Gemeinsam mit Corinna Mößlacher stellte er einen neuen Informationsfolder zur Medienbildung vor, der Schulen zusätzlich unterstützen soll.


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