Steiermark

Wieso im Grazer Uhrturm bis 1950 ein Wächter wohnte

Der Uhrturm gehört zum Grazer Stadtbild wie das Riesenrad zu Wien oder Mozart zu Salzburg. Dabei ist der Uhrturm nicht nur Attraktion und Wahrzeichen, sondern war lange Zeit auch wichtig für die Sicherheit der Stadt: Sogenannte Turmwächter wohnten im Uhrturm und hielten Feuerwache, um die Bevölkerung im Falle eines Brandes mit Glockenläuten warnen zu können.

Der Grazer Uhrturm ist vieles: Wahrzeichen der Stadt, das wohl beliebteste Foto-Motiv der Steiermark und eines der ältesten Gebäude in Graz. Heute hauptsächlich als Attraktion für Touristen wie Einheimische bekannt, war der Uhrturm lange der zentrale Orientierungspunkt der Stadt und wichtig für die Sicherheit der Bewohner. Die Glocken im Turm schlugen nämlich nicht nur zu jeder vollen Stunde, sondern kündigten auch Hinrichtungen an oder warnten vor Bränden in der Stadt. Um diese Aufgaben zu erfüllen, wohnte im Uhrturm lange Zeit ein sogenannter Turmwächter.

Grazer Uhrturm hat verkehrte Uhrzeiger

Am Grazer Schloßberg steht von allen Seiten der Stadt gut sichtbar der Uhrturm. Der 28 Meter hohe Turm mit dem vier Meter langen Stundenzeiger wurde bereits im 13. Jahrhundert das erste Mal urkundlich erwähnt – damals als Teil einer Festungsanlage. Damit zählt er zu den ältesten Gebäuden in Graz.

Nicht nur Grazerinnen und Grazern fällt sofort auf: Die Zeiger des Uhrturms sind verkehrt. Während der Minutenzeiger für gewöhnlich länger ist als der Stundenzeiger, ist es beim Grazer Wahrzeichen genau umgekehrt. Das liegt daran, dass der Uhrturm bis ins 18. Jahrhundert nur einen Zeiger hatte: den Stundenzeiger. Er wurde so groß gebaut, dass die Bewohner die Uhrzeit auch von Weitem ablesen konnten. Erst nachträglich bekam der Uhrturm den zweiten, kleineren Minutenzeiger.

Beim Uhrturm sind Stunden- und Minutenzeiger verkehrt. Auf dem Bild ist es 14:40 Uhr. // Bild: Wikimedia/Schneider&Aistleitner

Drei verschiedene Glocken

Nicht nur die Uhrzeit wird beim Grazer Wahrzeichen auf besondere Weise angezeigt. Der Uhrturm war lange Zeit auch zentral bei der Verlautbarung von wichtigen oder gefährlichen Ereignissen. Dazu wurden die verschiedenen Glocken des Turms verwendet. Die Stundenglocke schlägt bis heute zu jeder vollen Stunde. Die Arme-Sünder-Glocke kündigte bis ins 19. Jahrhundert Hinrichtungen in der Stadt an – später läutete sie als Lumpenglocke zur Sperrstunde. Wichtig für die Sicherheit der Bewohner war die Feuerglocke: Sie wurde ab 1645 bei Bränden in der Stadt geschlagen, um die Bevölkerung zu warnen. Die Anzahl der Schläge zeigte den Grazern an, in welchem Bezirk das Feuer ausgebrochen war.

Alle drei Glocken befinden sich auch heute noch im Uhrturm.

Bis 1950 wohnte ein Wächter im Grazer Uhrturm

Um die Glocken jederzeit schlagen zu können, beschäftigte die Stadt sogenannte „Türmer“ oder „Turmwächter“. Sie hielten Feuerwache und läuteten im Falle eines Brandes die Feuerglocke. Diese Tätigkeit war angesehen: Die Turmwächter erhielten ein Jahresgehalt von 153 Gulden und 30 Kreuzer. Uhrmacher, die die Uhren im Grazer Rathaus oder im Uhrturm instand hielten, bekamen dafür nur 15 Gulden pro Jahr.

Zusätzlich zum Gehalt stellte die Stadt den Turmwächtern die Wohnung im zweiten Stock des Uhrturms zur Verfügung. Sie wohnten im Uhrturm und waren stets bereit, die Bevölkerung zu warnen. Die Wächter durften außerdem den Garten auf der unterhalb des Turms gelegenen Bürgerbastei nutzen. Zumindest bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde am Grazer Wahrzeichen Feuerwache gehalten. Das „Türmerzimmer“ war noch länger, bis 1950, tatsächlich bewohnt – erst da zog der letzte Wächter aus dem Uhrturm aus.

Grazer kaufen ihren Uhrturm frei

Dass es den Uhrturm heute überhaupt noch gibt, ist den Grazerinnen und Grazern zu verdanken. Der französische Feldherr Napoleon zerstörte bei seinem kriegerischen Feldzug durch Österreich viele Festungsanlagen und Stadtmauern. Den Uhrturm verschonte er nur deshalb, weil er 1809 von den Bürgern freigekauft wurde. So retteten die Grazer ihren Uhrturm.

Hier geht´s zu weiteren Steiermark-Geschichten: Waren die Römer Bergleute am Erzberg?

Philipp Stadler

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