Der ehemalige Grünen-Politiker Christoph Chorherr steht bald vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt ihn wegen Bestechlichkeit und Machtmissbrauchs. Es geht um Millionen, die Wiener Baukonzerne für Chorherrs Verein gespendet haben sollen. Damals war er Planungssprecher der Wiener Grünen. Mit auf der Anklagebank sitzen der Milliardär und Kurz-Freund René Benko, Michael Tojner und andere Baulöwen.
Im Jahr 2004 gründete der (mittlerweile ehemalige) Grün-Politiker Christoph Chorherr den Verein „S2Arch – social and sustainable architecture“. Bis 2018 war er auch dessen Obmann. 2010 kamen dann die Grünen in die Wiener Stadtregierung. Sie übernahmen das Ressort für Stadtplanung und Chorherr war ihr Planungssprecher. Er galt als „graue Eminenz“, einer der wichtigsten Männer in der Partei. Wer eine Baugenehmigung wollte, kam ab diesem Zeitpunkt nicht mehr an ihm vorbei. Und just damals stiegen die Spenden an seinen Verein sprunghaft an. Plötzlich entdeckten zahlreiche Wiener Immobilienunternehmer ihre mildtätige Seite und lebten sie ausgerechnet durch Spenden Christoph Chorherrs Verein aus.
Die Staatsanwaltschaft vermutet dahinter Korruption und Machtmissbrauch durch den damaligen grünen Planungssprecher. Deshalb sitzt Chorherr bald neben dem Who is Who der Wiener Bauherren auf der Anklagebank – darunter der Milliardär und Kurz-Freund René Benko und Michael Tojner. Benko soll insgesamt 100.000 Euro, Tojner über 56.000 Euro, Wilhelm Hemetsberger sogar fast 800.000 Euro für den Verein Chorherrs gespendet haben. Und das waren nur ein paar Beispiele aus einer langen Liste. Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.
Und man muss Chorherr zugutehalten: Seine ehemaligen Mitarbeiter sagen aus, nichts von alledem bemerkt zu haben. Kein Wunder, meint die Korruptionsstaatsanwaltschaft: Chorherr habe es sehr geschickt und unauffällig angestellt. Ein Bauvorhaben setzte er allerdings mit der Brechstange gegen die grüne Basis durch.
2017 wollte der Investor Michael Tojner ein Hochhaus am Heumarktareal in Wien bauen. Der Turm wäre weit höher als die Gebäude in der Umgebung gewesen und hätte das Stadtbild verändert. Die UNESCO drohte damals Wien den Status Weltkulturerbe abzuerkennen und die Grüne Basis lief Sturm. Bei einer Urabstimmung sprachen sich die Wiener Grünen klar gegen das Bauprojekt aus.
Doch Chorherr legte sich gemeinsam mit der damaligen grünen Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou für den Turm ins Zeug – und zwar mit all seinem politischen Gewicht. Schließlich ignorierten die grünen Gemeinderätinnen und Gemeinderäte die parteiinterne Entscheidung der Basis. Im Gemeinderat stimmten sie für das Bauprojekt. Die Wiener Grünen hätten sich deshalb fast gespalten.
Wieso riskierte Chorherr diese politische Katastrophe? Das fragt sich auch die Staatsanwaltschaft. Bauinvestor Tojner war jedenfalls begeistert und schrieb ihm persönlich: „Danke Sie sind großartig!“ Eine enge Mitarbeiterin Tojners formulierte es in einer SMS an ihn vielsagend: Chorherr habe sich „brav“ verhalten.
Vergleichsweise geringe Spenden an den Verein des damaligen grünen Planungssprechers legt die Staatsanwaltschaft Erwin Soravia von der Soravia Gruppe zur Last. Bei ihm bekam Chorherr allerdings direkt nach dem Ende seiner politischen Karriere einen gut bezahlten Job.
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