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Teure Züge, billige Flüge: 33 Prozent scheitern bei Buchung von grenzüberschreitender Zugreise

Immer mehr Menschen in Österreich sehnen sich nach einem umweltbewussten Urlaub. Doch Fliegen bleibt in der EU die billigere und einfachere Option. Die technischen und bürokratischen Hürden für einen Urlaub mit dem Zug sind viel zu hoch. Darum braucht es laut Expert:innen dringend ein einheitliches Eisenbahnnetz in Europa.

Laut einer Umfrage aus 2022 sind 35 Prozent der österreichischen Bevölkerung dazu bereit, beim Verreisen für die Nachhaltigkeit auf ein paar Annehmlichkeiten zu verzichten. 31 Prozent würden sogar weniger Komfort in Kauf nehmen. Zug statt Flieger? Viele im Land sagen: ja, bitte. Doch es gibt ein Problem: Europäische Zugreisen sind immer noch viel zu teuer und umständlich. Fliegen ist schlichtweg die „klügere“ Option.

Flieger statt Zug: 64, 2 Prozent müssen beim Urlauben vor allem auf Preis-Leistung achten

„Ich wollte heuer im Sommer mit dem Zug nach Frankreich fahren. Doch es gibt keine Direktverbindung von Österreich nach Bordeaux und eine Flugreise auf die Kanarischen Inseln war um die Hälfte billiger. Also habe ich mich schweren Herzens dafür entschieden“, erzählt die Studentin Claudia Thaler (Name auf Wunsch der Befragten von der Redaktion geändert).

Grenzüberschreitende Zugreisen sind leider immer noch ein kostspieliger Luxus – in Zeiten der Teuerung mehr denn je. Das ist vor allem jungen Menschen ein Dorn im Auge. Sie würden gerne klimabewusst verreisen, doch das Börserl streikt. Das Preis-Leistungsverhältnis ist für Österreicher:innen laut einer Studie aus 2022 mit Abstand das wichtigste Kriterium bei der Wahl des Reisetransportmittels. 64, 2 Prozent achten darauf besonders. Und neben dem Preis schreckt viele auch das schlechte Zugverkehrsnetz ab.

„Vom einheitlichen Europa ist der Schienenverkehr noch weit entfernt. Bei jedem Grenzübertritt auf der Schiene ändern sich die Betriebsbedingungen. Auch technische Aspekte wie unterschiedliche Zugsicherungssysteme verursachen Stehzeiten an der Grenze“, erklärt die Verkehrsclub-Österreich Expertin Katharina Jaschinsky.

Was es für die Expertin braucht: europäisches Denken. Nur ein harmonisiertes EU-Netz kann eine echte Alternative zu billigen Flugreisen sein.

Jeder kocht sein eigenes Süppchen: 55 Lokomotiven für 1 Fahrt durch 26 EU-Staaten

Die aktuellen Zahlen sind erschreckend. 2021 bestanden in der EU für den Schienenverkehr 862 unterschiedliche nationale Regelungen. In der EU gibt es mehr als 20 unterschiedliche Zugsicherungssysteme, vier verschiedene Stromsysteme und in jedem Staat eigene Betriebsvorschriften. Das führte 2021 dazu, dass für die Fahrt durch 26 EU-Staaten und über 33 Grenzen ein Zug 55 verschiedene Lokomotiven benötigte.

Selbst die Buchung von europäischen Zugreisen ist oft eine unüberwindbare Hürde. Im Rahmen einer VCÖ-Studie scheiterten nur drei Prozent der Teilnehmer:innen an der Buchung einer Flugreise, beim Buchen einer internationalen Bahnreise scheiterten hingegen mit 33 Prozent elfmal so viele. Das liegt vor allem daran, dass die Buchungssysteme nicht verknüpft sind.

33 Prozent scheitern bei Buchung von internationaler Zugreise: EU arbeitet an gemeinsamer Eisenbahnpolitik

Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Die EU arbeitet intensiv an einer gemeinsamen Eisenbahnpolitik. Darunter fällt etwa eine Verordnung zur einfachen Buchung von Durchgangstickets sowie ein Transeuropäisches Verkehrsnetz, das Eisenbahnstrecken mit Straßen, Binnenwasserstraßen, oder Flughäfen in der gesamten EU verbindet.

Nationale Alleingänge machen die Verhandlungen oft schwierig, doch in den vergangenen Jahren konnten einige Harmonisierungsschritte gesetzt werden. Wie es jetzt weitergeht, hängt ganz von den Europawahlen im Juni ab. Gewinnen die sozialen und proeuropäischen Kräfte, ist ein Europaurlaub mit dem Zug vielleicht bald keine Utopie mehr. Sondern ganz normal.

NeueZeit Redaktion

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