Österreich

Bitte warten! ÖVP verzögert den U-Ausschuss zur mutmaßlichen ÖVP-Inseraten-Korruption

Im Parlament heißt es „bitte warten“. Die ÖVP hat die Einsetzung des Untersuchungs-Ausschusses zur mutmaßlichen ÖVP-Inseraten-Korruption vertagt. Ist es nicht das erste Mal, dass die Türkisen Aufklärung in U-Ausschüssen verzögern.

„Ich werde selbstverständlich alles tun, was in meiner Macht steht, um schnellstmögliche Aufklärung sicherzustellen.“ Das verspricht Sebastian Kurz Anfang Oktober, als die Vorwürfe der Inseraten-Korruption publik werden. Heute ist Kurz nicht mehr Kanzler, sondern nur noch ÖVP-Chef. Und seine Partei scheint es nicht mehr ganz so eilig mit parlamentarischer Aufklärung zu haben.

Der zuständige Parlamentsausschuss musste die Einsetzung des geplanten „ÖVP-Korruptions-Untersuchungsausschusses“ am Mittwoch vertagen, weil es noch keine Verfahrensrichter und Verfahrensanwälte gibt. Dafür wäre ÖVP-Nationalratspräsident Wolfang Sobotka zuständig gewesen. Die ÖVP weist Kritik an der Verzögerung zurück und spricht von einer normalen Vorgehensweise.

ÖVP-Sobotka verzögert den U-Ausschuss zu mutmaßlicher Inseraten-Korruption

Der U-Ausschuss soll das „System Kurz“ und die Vorwürfe der gefälschten und mit Inseraten gekauften Umfragen parlamentarisch aufklären. Das könnte allerdings noch dauern.

Hintergrund der Verzögerung: ÖVP-Nationalratspräsident Sobotka muss laut Geschäftsordnung einen Vorschlag für die Besetzung von Verfahrensrichter und -anwälten im U-Ausschuss vorlegen. Erst dann kann der Geschäftsordnungsausschuss des Parlaments den sogenannten „Beweisbeschluss“ fällen – den U-Ausschuss also auf Schiene bringen. Einen solchen Besetzungs-Vorschlag hat Sobotka aber nicht gemacht. Ergebnis: Der Beweisbeschluss zum ÖVP-Korruptions-Ausschuss ist vertagt. Bitte warten!

Die ÖVP erklärt die Vertagung damit, dass die Ausschreibung für die „ständige Liste“ von Personen, die als Verfahrensrichter und -anwälte in Frage kommen, noch laufe. Die Frist endet erst am 15. November.

Grüne kritiseren Koalitionspartner: „ÖVP muss zur Vernunft kommen“

Die Opposition hingegen sieht eine Verzögerungstaktik der ÖVP. Laut SPÖ-Fraktionsführer Jan Krainer könne der Ausschuss, wenn man will, schon nächste Woche eingesetzt werden. Nur: Daran habe die ÖVP offenbar kein Interesse.

Die Liste der möglichen Verfahrensrichterinnen und Richter sei sowieso ständig offen. Außerdem hätte Sobotka die offizielle Bewerbungsfrist dafür so wählen können, dass sie rechtzeitig vor Tagung des Geschäftsordnungs-Ausschusses abgeschlossen ist.

Ähnlich äußern sich FPÖ und NEOS. Der blaue Abgeordnete Christian Hafenecker gibt Nationalratspräsident Sobotka prompt einen neuen Namen: „Soboteur“. NEOS-Klubobmann Stellvertreter Nikolaus Scherak will die Einsetzung des Ausschusses nicht weiter „künstlich in die Länge“ ziehen.

Sogar vom Grünen Koalitionspartner kommen ungewohnt klare Worte: Es sei an der Zeit, „dass die ÖVP zur Vernunft kommt“, sagt die Grüne Abgeordnete Nina Tomaselli.

ÖVP-Taktik: Arbeit in U-Ausschüssen verzögern

Der Start des ÖVP-Korruptions-Ausschusses könnte sich nun bis Mitte Dezember verzögern.

Bereits beim Ibizia-Ausschuss war der ÖVP fast jedes Mittel recht, um die Aufklärungsarbeit des Parlaments zu erschweren. So verweigerte etwa Finanzminister Gernot Blümel monatelang, angeforderte Akten an den Untersuchungs-Ausschuss zu liefern, obwohl ihn das Gesetz dazu verpflichtet. Selbst nach einem Urteil des Verfassungsgerichtshofs rückte Blümel die Akten nicht heraus. Erst als ihn Bundespräsident Alexander Van der Bellen per Exekution dazu zwang, lieferte der Finanzminister E-Mails und Daten.

Philipp Stadler

Share
Veröffentlicht von
Philipp Stadler
Tags: Kurz ÖVP ÖVP-Korruptions-Untersuchungsausschuss Sebastian Kurz U-Ausschuss

Ähnliche Artikel

  • Oberösterreich

Wohnbau: Lässt Oberösterreich fast 75 Mio. Euro liegen?

Die Bauwirtschaft kämpft mit einer anhaltenden Hochbau-Flaute, gleichzeitig wächst der Bedarf an leistbaren Mietwohnungen. Genau…

28. Januar 2026
  • Advertorial

Hergovich/Weninger: „Unser Druck hat zur EVN-Senkung geführt – Entlastung muss SOFORT kommen!“

Die SPÖ Niederösterreich präsentiert bei der heutigen Pressekonferenz den Energieschwerpunkt ihres „NÖ-Plans“.  Dabei im Fokus:…

27. Januar 2026
  • Sicherheit

Generation Offline: Kommt jetzt Social Media-Verbot für alle unter 15 Jahre?

In Australien ist die digitale Sperrstunde für Unter-16-Jährige bereits Realität. Während dort Millionen Accounts gelöscht…

23. Januar 2026
  • Niederösterreich

„Wer den LUP blockiert, blockiert St. Pölten“

In St. Pölten wird diese Woche gewählt. Gleichzeitig steht die Zukunft des städtischen Bussystems LUP…

23. Januar 2026
  • Oberösterreich

OP-Wartezeiten in Oberösterreich verdoppelt

Die Wartezeiten auf Knie- und Hüftoperationen haben sich in Oberösterreich innerhalb von nur vier Jahren…

23. Januar 2026
  • Gesellschaft

Leihen statt kaufen – die Borgerei in Traiskirchen macht’s vor!

In der Stadtbibliothek Traiskirchen werden längst nicht nur Bücher verliehen: Seit 2022 kann man sich…

22. Januar 2026