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Die Koralmbahn ist auf Schiene! Doch die ÖVP will Güterverkehr durch Gemeinden leiten.

Die Koralmbahn verbindet ab 2025 Graz und Klagenfurt in nur 45 Minuten. Für den Güterverkehr soll eine eigene Trasse abseits bewohnter Gebiete entstehen. Doch die ÖVP will auch die rollende Landstraße durch Gemeinden führen. Foto: ÖBB/Chris Zenz

Die Koralmbahn verbindet ab 2025 Graz und Klagenfurt in nur 45 Minuten. Erste Teilabschnitte sind bereits in Betrieb. Gemeinsam mit den betroffenen Kärntnerinnen und Kärntnern wurde auch eine geeignete Route für den Güterverkehr gefunden. Doch ÖVP-Verkehrslandesrat Sebastian Schuschnig wollte sie ohne Bürgerbeteiligung durch Gemeinden legen.

Öffentlicher Verkehr ist nicht nur gut für die Umwelt: In erster Linie bedeutet er Lebensqualität. Die Koralmbahn verbindet bald Graz und Klagenfurt in 45 Minuten. Ein großer Fortschritt für Kärnten und eine wichtige Nord-Süd-Verbindung für ganz Europa. Vor allem das Kärntner Unterland verspricht sich viel von der neuen Zugstrecke. 2025 wird der Vollbetrieb starten.

ÖVP-Schuschnig will Güterverkehr durch Ortschaften

Ergänzend kämpft die Landesregierung um eine eigene Trasse der Koralmbahn für den Güterverkehr. Sie soll die Transporte – und damit zusätzliche Lärmbelastung – bestmöglich von bewohntem Gebiet fernhalten. Denn während Personenverkehr nur Sinn macht, wenn er auch Haltestellen in Ortschaften anfährt, ist das bei Gütertransporten nicht notwendig. Rollen sie durch Gemeinden, bedeutet das lediglich weniger Lebensqualität für Anrainerinnen und Anrainer.

Das Land Kärnten setzte deshalb bei der Suche nach einer geeigneten Strecke auf Dialog mit den Kärntnerinnen und Kärntnern. Unter breiter Beteiligung der Gemeinden, Bürgerinnen und Bürger einigte man sich auf eine Route, mit der alle leben können. Im Landtag wurde die Trasse für den Güterverkehr auf der Koralmbahn einstimmig beschlossen. Bis im Spätsommer letzten Jahres plötzlich Verkehrslandesrat Sebastian Schuschnig (ÖVP) mit einem neuen Vorschlag vorpreschte: Statt der einvernehmlich beschlossenen Strecke wollte er den Güterverkehr plötzlich mitten durch Ortsgebiete rollen lassen.

Es geht um Kärnten, nicht um Parteipolitik

Selbst von Parteifreunden hagelte es Kritik. Der Moosburger Bürgermeister Herbert Gaggl (ÖVP) erfuhr aus den Medien vom Plan des Verkehrslandesrates. Und sprach sich postwendend dagegen aus. Noch weniger Freude hatte Klagenfurts Bürgermeisterin Maria Luise Mathiaschitz von der SPÖ. Sie betonte, dass Kärnten gemeinsam auftreten müsse, um die eigene Gütertrasse auch durchzusetzen. Lange genug kämpft man darum. Der gemeinsame Beschluss aller Parteien im Kärntner Landtag war ein wichtiger Erfolg. Ein Alleingang Schuschniggs könne eine Verzögerung bedeuten, schlimmstenfalls das Projekt sogar gefährden. Mathiaschitz betonte, es gelte im Sinne des Landes zu handeln. Parteipolitik habe da keinen Platz. Seitdem ist es still um Schuschnigs Vorschlag geworden.

Arbeitsplätze für Kärntner Zentralraum und Unterland

Vor allem die Kärntnerinnen und Kärntner im Zentralraum und im Unterland haben viel vom Ausbau der Zugverbindungen im Personenverkehr. Binnen weniger als einer Stunde erreichen sie bald Graz. Dafür sorgt auch, dass die ÖBB – nicht zuletzt auf Druck der Kärntner Landesregierung und Gemeinden – die Lavanttalbahn als Zubringer zur Koralmbahn ausbauen. So entsteht ein dichtes Netz rascher Zugverbindungen. Damit können viele Kärntnerinnen und Kärntner vom Auto auf die Bahn umsteigen. Das bedeutet bequemeres Reisen und weniger CO2-Ausstoß – ein Gebot der Stunde. 

Auch wirtschaftlich erhofft sich die Region viel davon. Das Logistik Center Austria South in Villach-Federaun wird beispielsweise mit der neuen Koralmbahn noch besser an die internationalen Verkehrsnetze angebunden. Das sichert hunderte krisensichere Arbeitsplätze für die Region. Besonders für Villach, Finkenstein und Arnoldstein bringt die Bahnverbindung also Sicherheit, die gerade in der Corona-Krise so wichtig ist.  

Koralmbahn: Barrierefreies Reisen und Artenschutz

Erste Teilstrecken der Koralmbahn sind bereits in Betrieb. Letzten September eröffnete Landeshauptmann Peter Kaiser gemeinsam mit Vertretern der ÖBB den Bahnhof Mittlern. Er ist ein Herzstück des Teilabschnitts zwischen Pribelsdorf und Mittlern, auf dem seit Herbst Züge fahren. Das bedeutet nicht nur bessere Verkehrsverbindungen für die Region. Der neue Bahnhof ist gänzlich barrierefrei und verfügt über eine große Park and Ride Anlage. Außerdem gehört eine 850m² große Bienenwiese zur Anlage. Denn die Koralmbahn soll die Natur aufatmen lassen, nicht verdrängen.

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Thomas Stelzer

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