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Jeder Dritte trinkt häufiger und raucht mehr: Lehrlinge in Kärnten leiden unter Dauer-Lockdowns. Die AK fordert eine Lehrlingsmilliarde

Lehrlinge in Kärnten zahlen bei den Dauer-Lockdowns besonders daruf. EIne Lehrlingsmilliarde soll helfen. Foto: Pexels.de/ Andrea Piacquadio

Mehr Alkoholkonsum, mehr Zigaretten, mehr Online-Shopping, mehr Streaming – dafür weniger Zeit mit Freundinnen und Freunden, weniger Sport und schlechtere Ausbildung. Für viele Lehrlinge ist die Bilanz nach einem Jahr Corona verheerend. Die AK Kärnten fordert Gegenmaßnahmen.

Gemeinsam mit der FH Kärnten hat die Arbeiterkammer Kärnten Lehrlinge befragt, wie die Corona-Krise ihr Leben verändert hat. Wenig überraschend: Für 77% ist fast kein Stein auf dem anderen geblieben. Die AK Kärnten fordert gezielte Gegenmaßnahmen und eine Lehrlingsmilliarde.

Suchtmittel statt Sport

Knapp 33% gaben an, im Lockdown häufiger Alkohol zu trinken. Die Jugendlichen rauchen auch wieder mehr: Fast 29% greifen im letzten Jahr öfter zu Zigaretten. Zwei von drei Berufsschülerinnen und -schülern sehen deutlich mehr fern und verbringen Zeit in Sozialen Medien. Jede und jeder zweite versucht, sich mit Online Shopping die Zeit zu vertreiben. Körperlicher Ausgleich fehlt den meisten: weniger als ein Drittel betreibt noch regelmäßig Sport.

Die psychischen Folgen der anhaltenden Ausnahmesituation sind enorm. Für zwei von drei Lehrlingen stellt die Pandemie ihren gesamten Tagesrhythmus auf den Kopf: Sie schlafen mehr, kommen schwer aus dem Bett und können nachts später einschlafen. Viele fühlen sich müde und abgeschlagen.

Immer häufiger Probleme in den Familien

Natürlich geht die Pandemie auch an ihren Eltern nicht spurlos vorüber. Neben Sorgen um den Job macht ihnen die Situation ihrer Kinder immer mehr zu schaffen. Für 63 % steigt der Stress zusätzlich, weil sie nicht wissen, wann und wie ihre Kinder betreut werden, während sie arbeiten. Dazu kommen oft noch zu wenig Platz, fehlende Geräte fürs Home Schooling und Geldnot. Das führt vermehrt zu familiären Problemen.

All das nagt zusätzlich an der Psyche der Jugendlichen in Kärnten. Bereits jede und jeder zweite spürt das ganz deutlich. Sie fühlen sich einsamer, sind gereizter, es fällt ihnen schwer, sich zu motivieren. Immer öfter kommen auch Schlafstörungen dazu. Normalerweise hilft in solchen Situationen der Kontakt zu Freundinnen und Freunden. Doch der fällt derzeit weitgehend weg. Die erschreckende Folge: immer mehr Jugendliche neigen zu Essstörungen oder denken gar an Selbstmord.

Lehrlinge: Distance Learning funktioniert oft nicht

Fast alle Kärntner Lehrlinge belegen im Lockdown eine Fernlehre. Doch die Hälfte von ihnen ist mit der „Lehre daheim“ nicht zufrieden. Die technischen Rahmenbedingungen haben sich zwar verbessert, drei Viertel der Jugendlichen haben eigene Computer für den Unterricht. Doch oft sind sie nur geliehen. Jeder und jedem Fünften fehlt das Geld, um einen Rechner zu kaufen. Knapp 10% können sich keine angemessene Internetverbindung leisten. Ein weiteres Problem in ländlichen Regionen: Ein Viertel der Jugendlichen hat keine ausreichend schnelle Internetverbindung, weil es die in ihrer Wohngegend einfach nicht gibt.

AK Kärnten fordert Gegenmaßnahmen

Die AK Kärnten fordert nun gezielte Gegenmaßnahmen, um den Negativ-Trend zu stoppen. Betriebsräte und Sicherheitsvertrauenspersonen in den Betrieben sollen lernen, wie sie Jugendliche unterstützen können – auch die Jugendsozialarbeit muss ausgebaut werden. Außerdem will die Kammer „Digitale Bildung“ zum festen Bestandteil des Unterrichts in Berufsschulen machen.

Die langjährige Forderung nach einer „Lehrlingsmilliarde“ wird gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise umso wichtiger, um für genügend Lehrplätze zu sorgen. Sie soll nicht mit Steuergeld, sondern von Unternehmen finanziert werden. Mit dem Geld werden dann Betriebe gefördert, die Lehrlinge ausbilden.

 

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