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Es lebe das Dorf! So bekämpfen wir Arbeitsplatzmangel und Abwanderung

Foto von Ben White auf Unsplash

Die Ärztin ist in Pension gegangen, der Bäcker hat zugesperrt, auf den Bus wartet man zwei Stunden und auf eine Arbeitsstelle vergeblich: willkommen am Land! Da immer mehr Regionen aussterben und Arbeitsplätze wegfallen, zieht es auch immer mehr Menschen in die Stadt. Es braucht eine Lösung. Die NeueZeit hat drei Ideen recherchiert, die wir umsetzen können, um das Dorf wieder zu beleben.

Arbeitsplätze am Land erhalten und neue schaffen

Damit die Menschen in den Gemeinden bleiben können, braucht es vor allem die Absicherung von Arbeitsplätzen. Wie die Pleite der Baufirma Brucha in Tulln, Niederösterreich, Ende Januar gezeigt hat liegt es auch an Bundes- und Landesregierungen Arbeitsplätze am Land zu halten. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und ihr Vize Udo Landbauer (FPÖ) haben den geförderten Wohnbau in Niederösterreich quasi abgedreht. Dadurch ist auch der Absatz von Brucha in Niederösterreich gesunken. Die Brucha-Insolvenz betrifft 500 Arbeitnehmer – dabei sind ohnehin über 54.000 Personen in Niederösterreich von Arbeitslosigkeit betroffen. Daher ist es entscheidend, dass die Regierung Firmen unter die Arme greift und Lösungen schafft, um zu verhindern, dass diese pleitegehen oder abwandern und somit Arbeitsplätze am Land verloren gehen. SPÖ-NÖ Landesgeschäftsführer und EU-Abgeordneten Sidl ist es ein wichtiges Anliegen mehr Arbeitsplätze zu schaffen, wie er bei seinem Besuch in der SPÖ Bezirksgeschäftsstelle Neunkirchen klarstellt.

„Eine der zentralen Fragen für uns muss sein: Wie schaffen wir mehr Arbeitsplatz Angebote im Bezirk Neunkirchen und nicht, wie bringen wir die Menschen schnell in die großen Städte zu ihren Arbeitsplätzen.“

Die Menschen am Land brauchen Ärztinnen und Ärzte im Ort

In vielen Gemeinden stehen die Arztpraxen leer – vor allem Kassenstellen bleiben unbesetzt. Viele Ärztinnen und Ärzte gehen in Pension und finden nur selten Nachfolger. Zum Beispiel ordiniert in den südburgenländischen Bezirken Güssing und Jennersdorf ordiniert Doris Ulreich-Laussermayr als einzige Kassen-Frauenärztin. „Ich habe meine Öffnungszeiten ausgeweitet. Aber die Terminanfragen haben sich seit Jahresbeginn noch weiter verstärkt. Bis zu 80 Anrufe pro Tag kommen bei uns herein.“, schildert Ulreich-Laussermayr. Auch für mindestens acht Kassen- bzw. Wahlarztpraxen in der benachbarten Oststeiermark hat sich keine Nachfolge gefunden.

Um Behandlung versichern zu können, ohne die Wahlarzt-Kosten bezahlen zu müssen, schlug SPÖ-Chef Babler anfang des Jahres vor Wahlärztinnen und Wahlärzte zu verpflichten einen Teil ihrer Patientinnen und Patienten nach dem Kassentarif zu behandeln. Personen, die keinen Facharzt finden sollen, sich zunächst an die Gesundheitshotline 1450 wenden, die im Bestfall wohnortnahe an die fachspezifischen Medizinerinnen und Mediziner vermittelt. Gelingt das nicht, sollen Primärversorgungseinheiten helfen. Scheitert das auch, müssten laut Babler eben auch Wahlärztinnen und Wahlärzte gesetzlich vorgeschrieben einspringen und kassenärztlich behandeln. Dadurch möchte Babler sicherstellen, dass ein Termin beim Facharzt innerhalb von 14 Tagen garantiert wird.

Eine weitere wichtige Maßnahme ist es die Arzneimittelproduktion in Österreich zu stärken. Der Austrian Health Report Anfang Februar zeigt auf, dass 81% der Bevölkerung die Herstellung von Arzneimitteln im eigenen Land für (sehr) wichtig halten. Alexander Herzog, Generalsekretär der PHARMIG, sieht darin eine „Signalwirkung in Richtung Politik, die Rahmenbedingungen für die heimische Medikamentenproduktion zu verbessern“. „Faire Preise und langfristige Planbarkeit wirken stabilisierend. Nur so können Unternehmen ihre Standorte halten oder ausbauen und bekommen die Chance, zur Arzneimittelvielfalt und damit zu einer qualitätsvollen Versorgung in Österreich und zu einem international gefragten Produktionsstandort beizutragen.“, sagt Herzog. Holt man die Arzneimittelproduktion in die österreichischen Regionen, wäre das auch eine mögliche Lösung die zusätzliche Arbeitsplätze am Land schafft.

Schnelles Internet, um das Land zu beleben

Für ländliche Regionen zählt der Ausbau von leistungsfähigeren Internetanschlüssen zu einer der wichtigsten Infrastrukturmaßnahmen. In den letzten Jahren ist die Arbeit im HomeOffice immer beliebter geworden. Ohne leistungsfähiges Internet wird das aber schnell mühsam. Der Ausbau des Glasfasernetzes schafft eine Lösung: Besseres Internet am Land ermöglicht den Menschen bequem von ihrem Zuhause aus arbeiten zu können, statt in die Stadt zu ihrem Arbeitsplatz pendeln zu müssen. Auch für Unternehmen ist ein leistungsfähiges und sicheres Glasfasernetz ein unverzichtbares Kriterium für die Standortwahl beziehungsweise ihren Verbleib in einer Region. So investiert Erich Rybar, Geschäftsführer der Feistritzwerke-Steweag GmbH in Wenigzell, Steiermark, in den Ausbau des Glasfasernetzes. Der dort ansässige Anlagenbauer Mayrhofer GmbH freut sich über so eine Internetanbindung. „Für uns ist eine leistungsfähige Internetanbindung von großer Bedeutung, insbesondere auch für die Entwicklungsmöglichkeiten. Bis vor kurzem erschien eine Glasfaseranbindung nicht umsetzbar. Dank der Feistritzwerke hat sich für uns die Möglichkeit aufgetan, die wir umgehend genutzt haben.“, so Daniel Mayrhofer.

Auch hier unterstützt die EU: sie stellt 22 Millionen Euro für den Breitbandausbau im Land Salzburg zur Verfügung. Davon sollen vor allem die Salzburger Gemeinden und nicht nur die Landeshauptstadt profitieren. Insbesondere im Flachgau, aber auch im Tennengau und im Lungau werden ab dem kommenden Monat neue Breitbandleitungen in Angriff genommen. Das bedeutet Glasfaseranschlüsse für rund 4.000 Haushalte. Das Geld hierfür stammt aus dem Programm NextGenerationEU, das infolge der Corona-Pandemie für Wiederaufbau und Wachstum sorgt. Im Fokus stehen vor allem der grüne und digitale Wandel.

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