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Vorstandsbosse verdienen in Österreich in 5 Tagen so viel wie normale Beschäftigte in einem ganzen Jahr

Die Vorstandsbosse der 20 wichtigsten Börse-Unternehmen verdienen in nur fünf Arbeitstagen genauso viel wie der Durchschnitts-Österreicher in einem ganzen Jahr. Die Vorstandsgehälter in Österreich sind 61-mal so hoch wie das heimische Durchschnittseinkommen.

Das Jahr 2022 hat noch gar nicht richtig angefangen und die heimischen Vorstandsbosse könnten eigentlich schon wieder aufhören zu arbeiten. Sie verdienen in nur fünf Arbeitstagen genauso viel wie der Durchschnitts-Österreicher in einem ganzen Jahr. Das zeigt eine Berechnung der Arbeiterkammer (AK).

Die Vorstände der 20 wichtigsten börsennotierten Unternehmen Österreichs (sie sind im sogenannten ATX-Börsenindex vertreten) verdienen im Schnitt 2,1 Millionen Euro pro Jahr – 61-mal so viel wie ganz normale Beschäftigte, deren Medianeinkommen bei rund 34.000 Euro liegt.

Als Basis für die Berechnung hat die Arbeiterkammer die Gehälter von 2020 herangezogen. Die AK geht davon aus, dass CEOs im Schnitt zwölf Stunden pro Tag arbeiten und nur jedes vierte Wochenende gänzlich freinehmen. Feiertage und Wochenenden mitgezählt, müssen Vorstandsbosse heuer nur bis zum 9. Jänner arbeiten, um das österreichische Durchschnitts-Gehalt zu verdienen.

Alle anderen müssen das restliche Jahr weiterschuften.

Vorstandsgehälter in Österreich: 545€ Stundenlohn

Die AK-Berechnung ergibt für die CEOs der ATX-Unternehmen einen Stundenlohn von 545 Euro. Die Top-Verdiener sind BAWAG-Chef Anas Abuzaakouk und der Vorstand des Kartonherstellers Mayr-Melnhof, Peter Oswald. Mit einem Jahresgehalt von 5,3 bzw. 5,2 Millionen Euro müssten sie heuer nur zwei Tage arbeiten, um genauso viel zu verdienen wie Rest-Österreich.

Besonders absurd: Im Herbst 2020 drehte der Kartonhersteller Mayr-Melnhof sein Werk in Niederösterreich zu. 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verloren ihren Job. Trotzdem zahlte sich Unternehmens-Chef Peter Oswald mit 5,2 Millionen Euro das zweithöchste Gehalt der österreichischen Börse-Unternehmen aus.

In der Liste der ATX-Vorstände findet sich nur eine einzige Frau. Vienna-Insurance-Group-Chefin Elisabeth Stadler verdient jährlich 1,8 Millionen Euro.

Arbeiterkammer will Manager-Gagen begrenzen

Die Schieflage hat sich in den letzten Jahren drastisch vergrößert. Anfang der 2000er Jahre verdienten die Chefitäten der österreichischen Börse-Unternehmen 20-mal so viel wie Herr und Frau Österreicherin. 2020 betragen die Vorstandsgagen schon das 61-fache des Durchschnitts-Einkommens.

Um diese Einkommensschere wieder zu verkleinern, fordert die Arbeiterkammer eine „angemessene Relation“ zwischen Vorstandsbezügen und Gehältern der Beschäftigten. Die Börse-Unternehmen könnten etwa eine betriebsinterne Regelung beschließen, nach der die Vorstände nicht mehr als 10- oder 20-mal so viel wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens verdienen dürfen.

Die üppigen Managergagen sollen laut Arbeiterkammer außerdem an soziale und umweltfreundliche Ziele des Unternehmens geknüpft werden. Und sie sollen transparent offengelegt werden. In einigen Konzernen ist unklar, wie hoch die zusätzlichen Vorstands-Boni oder -Abfertigungen sind, die neben dem eigentlich Chef-Gehalt bezahlt werden.

Eine andere Möglichkeit, die Schieflage zu verkleinern, wären wohl höhere Steuern für Top-Verdiener oder eine Vermögenssteuer. In Österreich wird großes Vermögen bisher kaum besteuert. Die OECD-Länder nehmen durchschnittlich 5,6% ihrer Steuern aus Vermögen ein. In Großbritannien, Kanada oder den USA sind es sogar über 10%. In Österreich hingegen stammen nur 1,3% der Einnahmen aus vermögensbezogenen Steuern. Den Großteil der Steueraufkommens leisten hierzulande Beschäftigte sowie Konsumentinnen und Konsumenten.

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